Digitale Amtshilfe gestartet

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v.l.n.r.: Martin Kroeger (krz, Abteilungsleiter Finanzservice), krz- Projektleiter Timm Mühlenweg, Philipp Wittner (Projektleiter DATA-team) und DATA-team Geschäftsführer Thomas Teschner geben den Startschuss für das digitale Amtshilfe-Angebot. (Foto: BS/krz)

Seit Anfang März bietet das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) seinen Mitgliedern die Möglichkeit, Amtshilfeersuchen auf digitalem Wege zu stellen. Das erste elektronische  Amtshilfeersuchen nach Produktivstellung wurde dabei Ende vergangener Woche zwischen dem Kreis Lippe und der Stadt Detmold versendet. Seit Anfang dieser Woche steht das Digitalangebot unter dem Titel “Amtshilfe.net” nun allen Vollstreckungsabteilungen in den Rathäusern der krz-Verbandskommunen zur Verfügung. Weitere Kommunen sollen zeitnah folgen.

Der nun erfolgte erste Produktivgang stelle laut krz einen großen Meilenstein für den bundeseinheitlichen elektronischen Amsthilfeaustausch dar, der nach mehreren Jahren komplexer Entwicklung und intensiver Tests erreicht wurde. Im Rahmen der Produktivsetzung wurde das erste digitale Ersuchen von der Kreisbehörde an die Stadtverwaltung versendet. Michael Held vom Kreis Lippe sieht die neue Möglichkeit als Entlastung für alle Beteiligten: “Da wir häufig Amtshilfeersuchen an die umliegenden Kommunen versenden, profitieren die Empfänger unserer Ersuchen sofort von Amtshilfe.net.” Michael Peuker von der Stadt Detmold bestätigt dies. Besonders einfach werde es den Kommunen gemacht, da “wir diese Ersuchen vollautomatisch in unsere Vollstreckungssoftware eingespielt bekommen”. Das Ersuchen ist vollständig in den digitalen Prozess der Vollstreckung eingebettet. Der Vorgang erscheint in der Software des empfangenden Amtes so, als wäre er von einem Kollegen im Büro nebenan abgeschickt worden.

Deutsche Kommunen stehen zunehmend vor der Herausforderung, ihre Amtshilfeersuchen nicht nur einfach auszutauschen, sondern diese in einer effizienten Art und Weise abzuarbeiten. Die Masse an Schuldnern, die nicht im Einzugsgebiet der eigentlich zuständigen Vollstreckungsbehörde liegt, wächst stetig. Neben den eigenen vollstreckungsrelevanten Fällen kommt eine Vielzahl von Ersuchen hinzu, die an andere Kommunen gestellt werden müssen oder die man selbst empfängt.

Weitere Rechenzentren sollen folgen

“Amtshilfe.net” wurde gemeinsam von den öffentlich-rechtlichen Partnern krz Lemgo und Kommunale Datenverarbeitung Oldenburg (KDO) mit technischer Unterstützung der DATA-team GmbH aus Leipzig, einem Hersteller von Vollstreckungssoftware, entwickelt. Durch die Kombination mehrerer bundesweit zertifizierter Kommunikationsstandards wie XFINANZ 3.1, XAMTSHILFE 1.0, XTA 2.0 und OSCI sind die Anträge problemlos in andere Lösungen integrierbar.

Das krz betreibt in dem System die bundesweite zentrale Serverkomponente, in der die automatische Ermittlung und Adressierung der zuständigen Vollstreckungsbehörde vorgenommen wird. Bei der Wahl des krz spielte dabei unter anderem auch die BSI-Zertifizierung des Lemgoer Rechenzentrums eine Rolle.

Das niedersächsische KDO soll im Frühjahr produktiv geschaltet werden. Anschließend sollen Rechenzentren in Hamburg und Baden-Württemberg folgen. “Mit Amtshilfe.net gibt es eine Vision: Die gerechte Beitreibung von offenen Steuern und Abgaben wird zukünftig ohne Zeitverlust und ohne manuelle Arbeit im ganzen Bundesland durchgeführt, als hätten alle Kommunen eine gemeinsame Vollstreckungsabteilung. Das ist Digitalisierung”, fasst Martin Kroeger, Abteilungsleiter Finanzservice im krz, zusammen.