How to do Business with NATO?

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Katharina Schwarz von der NCIA auf der DWT-Veranstaltung "How to do Business with NATO?" (Foto: BS/Portugall)

“Unsere Gegner können und wollen die NATO herausfordern.” Das sagte Mitte Februar der deutsche Admiral Manfred Nielson, Stellvertretender Alliierter Oberkommandierender Transformation (SACT) des Nordatlantischen Bündnisses, auf einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik (DWT) in Bonn. Besondere Bedrohungen gingen dabei von “aufkommenden disruptiven Technologien” aus. Zu diesen Technologien zählte er beispielsweise autonome Systeme, Künstliche Intelligenz (KI) und Quanten-Computing.

Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, “sind wir auf Zusammenarbeit mit der Industrie angewiesen” – hin zu einer engen Vernetzung. Aber: “Militär und Industrie müssen schneller und flexibler werden”, so Admiral Nielson. “Ich setzte dabei auch auf die Unternehmen des Mittelstandes.” Während neue Technologien in den Vereinigten Staaten erst einmal als Chancen gesehen würden, betrachte man diese hierzulande eher als Risiken. Er ist für diese Einschätzung gut positioniert, da sich sein Hauptquartier in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia befindet. Diese grundsätzliche Skepsis gegenüber industriellen Neuerungen gefährde deutsche Technologieführerschaft.

Gerade bei der Logistik gelte: “Es geht nicht mehr ohne die zivile Seite”, so der deutsch Flaggoffizier. Krisengebiete seien dabei kein Hinderungsgrund mehr. So hätten zum Beispiel Transportflugzeuge des US-Kurier- und Logistikunternehmens FedEx während des Irakkrieges mit der gleichen Sicherheitsausstattung wie Maschinen der US-Luftwaffe Falludscha, d.h. das Herz des sunnitischen Aufstandes, angeflogen.

 Umbau des SACT

Admiral Nielson berichtete auch von den Umbauplänen für sein Oberkommando in Norfolk: Es soll zu einem Kommando für Innovation und Weiterentwicklung innerhalb der Atlantischen Allianz erweitert werden, das frühzeitig neue Trends identifiziert und daraus dann konkrete Fähigkeitsanforderungen ableitet. Auf Beschluss des NATO-Gipfels von Prag in 2002 war das neue “Allied Command Transformation” (SACT) aufgestellt worden, das sich mit der Wandlung und Anpassung der NATO-Strukturen nach dem Ende des Kalten Krieges befasste. Zu seinen Aufgaben zählte u.a. die Auswertung von Operationen und Übungen, die Überprüfung der NATO-Standards, die Entwicklung von gemeinsamen Einsatzdoktrinen, die Förderung der Interoperabilität sowie die Steuerung und Durchführung des Verteidigungsplanungsprozesses.

Die NSPA

Manfred Eggers, Programm-Manager der “NATO Support and Procurement Agency” (NSPA), erläuterte die Mittlerrolle, die seine Dienststelle zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten der Atlantischen Allianz auf der einen und den Unternehmen der wehrtechnischen Industrie auf der anderen Seite spiele. Die normale Prozedur – zum Beispiel bei der Beschaffung eines Waffensystems – sei ein “International Competitive Bidding” (ICB), wobei jede Firma, die mitbieten wolle, bei der NSPA registriert sein müsse. Während etwa die USA diese NATO-Agentur immer mehr nutzten, halte sich die Bundesrepublik immer noch sehr zurück.

Die NSPA ist das Exekutivorgan der “NATO Support and Procurement Organisation” (NSPO). Die NSPA beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter in Luxemburg (Hauptsitz in Capellen), Frankreich, Italien und Ungarn.

Die NCIA

Während Unternehmen bei der NSPA nur einmal registriert zu werden bräuchten, müsse bei der “NATO Communications and Information Agency” (NCIA) jede Firma bei jedem Projekt neu zertifiziert werden. Auf diesen Unterschied wies Katharina Schwarz, Senior Contracting Officer der NCIA, hin. Ähnlich wie bei der NSPA richteten sich die Standardverfahren bei Ausschreibungswettbewerben entweder nach “lowest price” oder nach “best value”. Auffällig wenige deutsche Unternehmen böten bei NCIA-Ausschreibungen mit.

Diese Agentur mit Hauptsitz in Brüssel bündelt Kräfte der NATO und den beteiligten Mitgliedsstaaten und ist für die Cyber-Sicherheit und C⁴ISR der NATO (“Command, Control, Communications, Computer, Intelligence, Surveillance and Reconnaissance”) einschließlich der Cyber- und Raketenabwehr zuständig. Die Agentur unterhält hierfür 32 Standorte in Europa.