Gemeinsam mehr Experimente wagen

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Der niederländische Staatssekretär Raymond Knops sprach sich auf dem Digitalen Staat für mehr Kooperation unter den Digitalisierungswilligen aus. (Foto:BS/Giessen)

Geht es nach Raymond Knops, dem niederländischen Staatssekretär für Inneres und Königreichsbeziehungen, sollte die öffentliche Verwaltung sich von den althergebrachten Denkmodellen in vielen Bereichen verabschieden und stattdessen viel mehr in die Richtung eines experimentellen Denkens gehen: “Wir brauchen eine moderne und innovative Denkweise auch in Fragen der Verwaltung. Gerade hier sollte man die Innovationsbewegung vom Start weg mitmachen.”

Halte man ewig an althergebrachten Mustern fest, sei es nicht möglich, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Stattdessen müsse man für neue Erkenntnisse ungewöhnliche Perspektiven einnehmen und festgetretene Pfade verlassen. Aus diesem Grund habe Knops selbst zu seinem Amtsantritt im Parlament ausdrücklich versprochen, Fehler zu machen: “So habe ich von Vornherein Platz für den Prozess des Experimentierens gemacht und somit auch für das Ergründen neuer Lösungen für Probleme.” Er selbst sprach in diesem Zusammenhang vom “vorwärts Scheitern” als seiner persönlichen Mission, also dem Gewinnen neuer Ideen durch den Prozess des Experimentierens und Fehlermachens.

Alle Bürger mitnehmen
Besonders wichtig ist für den Niederländer in seiner täglichen Arbeit dabei, dass sich diese um alle Bürger dreht und nicht nur um die digital vernetzte Zielgruppe: “Wir sind für alle unsere Bürger verantwortlich und arbeiten deswegen nach dem Motto, dass wir niemanden zurücklassen wollen.” Von den rund 17 Millionen Niederländern seien mehr als zwei Millionen nicht digital unterwegs. Diese dürfe man auf keinen Fall zurücklassen. Gleichzeitig müsse man für jene Bürger, die digitale Dienste haben wollen, allerdings solche entwickeln und anbieten, die am Ende auch genutzt werden. Hier sei man in den Niederlanden schon recht weit vorangekommen. So gebe es eine App, über die man in rund fünf Minuten die Steuererklärung machen könne sowie eine “Digital ID”, welche regelmäßig in den Top 10 der heruntergeladenen Apps zu finden sei und rege genutzt werde.

Die Rivalität auf dem Platz lassen
Neben seinem Plädoyer für Innovation und Experimentierfreude sprach sich Knops außerdem ausdrücklich für eine transeuropäische Zusammenarbeit aus. Zwischen Deutschland und den Niederlanden gebe es solche Kooperationen bereits: “Ich war gerade im Januar in Berlin und habe mich mit Staatssekretär Klaus Vitt getroffen. Aber nicht nur mit dem Bund arbeiten wir zusammen, sondern auch mit einzelnen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.” Im Vorlauf zu seiner Keynote hatte sich der niederländische Staatssekretär zudem im Rahmen des Digitalen Staates zu bilateralen Gesprächen mit der Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär, zusammengesetzt.

Grundsätzlich warb Knops dafür, in einer internationalen “Koalition der Digitalisierungswilligen” aktiv zusammenzuarbeiten, denn nur so könne man nachhaltigen Erfolg erreichen: “Um gute Antworten auf gesellschaftliche Fragen zu finden, müssen wir zusammenarbeiten. Lassen Sie uns die Rivalität zwischen unseren Ländern auf den Fußball begrenzen und in der Digitalisierung gemeinsame Sache machen.”

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