Malische Delegation zu Gast

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Die beiden SPD-Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag (hintere Reihe, links) und Kirsten Lühmann (vordere Reihe, 2.v.l.) empfingen eine malische Polizeidelegation sowie den niedersächsischen Polizeidirektor Klaus-Dieter Tietz (hintere Reihe, rechts), der in dem westafrikanischen Land momentan Directeur de la Communication et du Dévelopment Institutionnel (DCDI) ist. (Foto: BS/Feldmann)

Mehrere hochrangige malische Polizisten haben den Deutschen Bundestag besucht. Zu Gast waren der Leiter für Fragen der polizeilichen Aus- und Fortbildung im Innenministerium von Bamako, Alassane Traore, der Direktor der nationalen Polizeischule Malis, Seydou Diarra, sowie der Leiter der Verwaltungseinheit der Polizeischule, Moussa Sissoko.

Begleitet wurden sie von Klaus-Dieter Tietz, niedersächsischer Polizeidirektor und seit 2019 Directeur de la Communication et du Dévelopment Institutionnel (DCDI) in Bamako. Empfangen wurde die Delegation von den beiden SPD-Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag und Kirsten Lühmann.

Tietz, der bereits seit Dezember 2015 in Mali arbeitet, berichtete über die seit 2017 bestehende Partnerschaft des Landes Niedersachsen mit Mali, die ohne Beteiligung des Bundes abläuft. Im November vorvergangenen Jahres war der Patenschaftsvertrag zwischen der niedersächsischen Polizeiakademie und der École Nationale de Police in Bamako geschlossen worden. Die Finanzierung des Projektes erfolge seither durch die Hannoveraner Landesregierung. Mittlerweile finde auch eine Ko-Finanzierung durch das EU-Programm Erasmus+ statt, so Tietz.

Lehrgänge zweimal jährlich

Momentan bietet die Polizeiakademie Niedersachsen zweimal im Jahr Lehrgänge für malische Polizeiausbilder an. Thematische Schwerpunkte der jeweils dreiwöchigen waren beziehungsweise sind Kriminaltechnik, Menschenrechte, bürgerorientierte Polizei sowie die Sicherheit urbaner Räume.

Tietz erläuterte, dass es auf malischer Seite großes Interesse daran gebe, das Projekt auszubauen und auch Führungskräfte in Deutschland weiterbilden zu lassen. Auch gebe es den Wunsch, Landsleute in das Bachelorstudium an der niedersächsischen Polizeiakademie zu integrieren und sie dort längere Hospitationen absolvieren zu lassen. In der Diskussion ist außerdem, ob es möglich ist, einen durch eine Lehrkraft der malischen Polizeischule veranstalteten Workshop in das Wahlpflichtangebot der deutschen Akademie aufzunehmen. Generell solle die malische Polizei durch die Fortbildungsaktivitäten beim weiteren Aufbau eigener Kapazitäten unterstützt werden. Niedersachsen liefere dabei eher Expertise als tatsächliche materielle Unterstützung, so der Polizeidirektor.

Dezentralisierung geplant

Schulleiter Diarra erläuterte den Gastgebern noch die Struktur der malischen Polizei. Diese umfasst mit dem höheren und dem gehobenen Dienst sowie den Unteroffizieren drei Ebenen. Parallel zur Polizei existiert in dem westafrikanischen Land noch eine Gendarmerie. Es existierten verschiedene Möglichkeiten zur Ausbildung beziehungsweise zum Einstieg bei der malischen Polizei, so Diarra. Neben der Grundausbildung, die nur ein Jahr dauert, gebe es noch die sogenannte Aufstiegsausbildung. In deren Rahmen könnten zum Beispiel Angehörige des gehobenen in den höheren Dienst aufsteigen. Eine weitere Möglichkeit bilde der Einstieg nach einem Universitätsstudium. Hier könnten etwa Mediziner nach einem einjährigen Praktikum Polizisten werden.

Derzeit sei die Polizeiausbildung in Mali nur in der Hauptstadt Bamako möglich. Diarra sagte jedoch: “Wir denken über eine Dezentralisierung nach.” Die Bundestagsabgeordnete Mittag lobte das bilaterale Projekt als in der Struktur bisher einzigartig und sieht es als mögliches Vorbild für andere Bundesländer.

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