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Start Verteidigung FCAS und NGWS

FCAS und NGWS

Die Bundesregierung ist im bilateralen Ministerrat am 13. Juli 2017 mit Frankreich übereingekommen, gemeinsam das Kampfflugzeugsystem der Zukunft zu entwickeln. Es soll auf deutscher Seite ab Beginn der 2040er Jahre den Eurofighter sukzessive ersetzen. Frankreich hat in diesem Projekt die Führungsrolle inne.

Das zukünftige System mit der vorläufigen Bezeichnung “Next Generation Weapon System” (NGWS) – bestehend aus einer bemannten Plattform und unterschiedlichen unbemannten fliegenden Komponenten – wird eine zentrale Rolle im “Future Combat Air System” (FCAS), dem Verbund weiterer (nicht nur luftgestützter) Systeme, spielen.

Die Projektarbeit ist gekennzeichnet vom Willen, schnell konkrete Fortschritte zu erzielen, um das günstige Momentum für eine engere deutsch-französische und daraus genährte breitere europäische Kooperation zu nutzen. Dabei erfordern unterschiedliche strategische, industriepolitische und industrielle Interessen Geduld, Kompromissbereitschaft und Beharrungsvermögen.

Nicht weniger groß sind die Herausforderungen auf technischer Ebene, gilt es doch, über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren ein System für die 2040er Jahre (und darüber hinaus) zu entwickeln, bei gleichzeitig immer kürzer werdenden Innovationszyklen. Dies bedeutet auch, den immerwährenden Spagat zwischen technisch Machbarem, operationell Wünschenswertem und finanzieller Realität zu beherrschen.

Ergebnis soll ein robustes Gesamtsystem mit einfacher Anpassbarkeit an unterschiedliche Rollen und technischer Aufwuchsfähigkeit sein. Ein Betrieb unter Einsatz geringstmöglicher Ressourcen stellt ein zusätzliches Auslegungskriterium dar. Ein wesentlicher Fokus der Entwicklung liegt auf der Vernetzung dieses Systems mit anderen bemannten und unbemannten Systemen aus allen Dimensionen (neben Luft auch Weltraum, Land, See und Cyber- und Informationsraum).

Hier wird auch die Industrie gefordert sein, gewohntes reines “Plattformdenken” zu überwinden. Es wird zu einer höheren “Vernetzung” der Expertise einzelner Firmen kommen müssen, die wiederum eine klare übergreifende Verantwortungszuordnung in einer multinationalen Industrielandschaft, aber auch transparente Regelungen zu den Rechten am geistigen Eigentum erforderlich machen. Und dies vor dem Hintergrund singulärer Interessen im Wettbewerb stehender Firmen und nationaler Interessen.

Über den Ansatz eines nationalen, für das Gesamtsystem verantwortlichen industriellen “Systemhauses” sollen die gegenüber bisherigen Projekten vielschichtigeren Strukturen und Abhängigkeiten beherrschbar gehalten werden. Die Notwendigkeit eines übergreifenden Managements mit eindeutiger Verantwortungszuordnung kann dabei gar nicht oft genug betont werden. Hier wird es nicht leicht sein, auf allen Seiten liebgewonnene Denk- und Beauftragungsstrukturen aufzubrechen.

Damit einhergehen wird eine sich weiter fortsetzende Konsolidierung der europäischen Industrielandschaft. Die Stärkung des europäischen Gewichts bei gleichzeitig abnehmendem Wettbewerb in Europa sind dabei zwei Seiten derselben Medaille.

Die vertragliche Bindung zwischen Deutschland und Frankreich wird über eine Rahmenvereinbarung realisiert, die die Phasen der Konzeption, des Designs über Demonstratoren für sieben Technologiefelder und der eigentlichen Entwicklung vorerst bis 2030 umfasst. Ergänzend werden Implementierungsvereinbarungen die einzelnen Phasen abdecken und den inhaltlichen sowie finanziellen Rahmen beschreiben. Nach ersten Schätzungen der französischen Amtsseite wird sich der Kostenaufwand bis dahin im höheren einstelligen Milliardenbereich bewegen. Eine parlamentarische Billigung erster Maßnahmen wird noch in 2019 angestrebt. Dies wird im Gleichklang mit einem entsprechenden Schritt beim “Main Ground Combat System” erfolgen und Zeugnis über beiderseitigen Partnerschafts- und Fortschrittswillen in beiden Projekten ablegen. Dieser Schritt wird als erste Nagelprobe der Ernsthaftigkeit der gerade in letzter Zeit verstärkt auf politischer Ebene propagierten engeren deutsch-französischen Zusammenarbeit betrachtet. Er wird deshalb nicht nur auf französischer Seite mit hohem Interesse verfolgt. Wir hoffen, dass von dem im Februar 2019 unterzeichneten Beitritt Spaniens eine Signalwirkung für weitere Partner ausgeht, um das Programm auf eine möglichst breite europäische Basis zu stellen. Damit können auch finanzielle Belastungen breiter verteilt werden. Bereits mehrfach unternommene Vorstöße zu anderen Nationen – insbesondere Italien und Großbritannien – waren bisher leider noch nicht erfolgreich.

Abschließend bleibt festzustellen, dass ein Gelingen dieser Kooperation, neben einer tragfähigen europäischen Verständigung zu Rüstungsexporten, insbesondere auch eine zum erklärten Kooperationswillen stimmige, angemessene Finanzplanung des Bundes voraussetzt, die eine mehrjährige durchgängige Finanzierung ermöglicht.

Brigadegeneral Gerald Funke, Unterabteilungsleiter Planung I im BMVg in Bonn, ist Verfasser des Gastbeitrages.

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