Lerneffekte aus 31 Stunden Stromausfall

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Dann war da kein Licht: Lerneffekte aus dem 31-stündigen Stromausfall. (Foto: gentleflamechen, pixabay.com)

Nach den Analysen des 31-stündigen Stromausfalls in Berlin-Köpenick haben Expertinnen und Experten beim Symposium “Stromausfall in Berlin – Aus der Praxis für die Praxis” Einblicke in die Notsituation, die Vorgehensweisen, ihre Beobachtungen und Bewertungen abgegeben. Einerseits wurde deutlich, dass Verbesserungspotenzial existiert. Andererseits zeigte sich auch, dass die Krisensituation von den Einsatzkräften wie der Feuerwehr, Polizei, Ärzten und dem Technischen Hilfswerk gut gemeistert wurde.

Auch wenn der Blackout zeitlich begrenzt und kein Katastrophenfall war, sei trotz allem eindeutig vor Augen geführt worden, wie sehr die Kritischen Infrastrukturen (KRITIS) vom Strom abhängig seien – so die grundlegende Position, die beim Symposium vorherrschte. Vor allem die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung in Krisensituationen und die einfach gestaltete Informationsbeschaffung müssten bei solchen Szenarien funktionieren. Neben den Bürgertelefonen wurden Anlaufstellen bei den Feuerwehrwachen und mobilen Stationen für die Bürger organisiert. Auch die Reaktion der Bevölkerung stach positiv hervor, weil diese ruhig und nicht panisch auf den Ausfall reagiert habe. Ein Aspekt der hier hineinspielt, sei die starke Polizei- und Feuerwehrpräsenz gewesen. Deren Einsatzteams seien während des Stromausfalls immer ansprechbar für die Menschen gewesen.

Zudem habe sich das neue Stabskonzept bewährt, bei welchem Personal und Ansprechpartner gut untereinander vernetzt gewesen seien (3-K-Prinzip). Dass die Stabstellen schnell eingerichtet würden, sei besonders wichtig und funktioniere gut. Eines der beiden Krankenhäuser in Köpenick stand beim Symposium in der Kritik. Denn obwohl dieses Notstromaggregate besitzen würde, funktionierten diese während des Blackouts zunächst nicht. Aber bedingt durch die schnelle Reaktion bei den ersten Anzeichen, konnten insbesondere Intensivpatienten, welche unter anderem beatmet werden mussten, evakuiert werden. Diese konnten verlegt werden, ohne dass jemand von ihnen zu Schaden kam. Dies führt jedoch zur kritischen Frage, inwieweit ein solches Notstromaggregat überhaupt einer weiteren Sicherung bedarf, falls es ausfällt.

Zudem wurde bei dem Einsatz deutlich, dass das Schadensgebiet hätte besser visualisiert werden müssen. Denn es war anfänglich unklar, welche sonstigen Institutionen wie Schulen Notstromaggregate besitzen. An Ort und Stelle hätten weitere Anlaufstellen für die Bürger entstehen können. Grundsätzlich bräuchte es eine gute Datenbank, die sämtliche Pflegeeinrichtungen katalogisiert habe. Denn bisher würden nur die größeren gelistet und die kleineren, welche aber auch schwer pflegebedürftige Menschen beherbergen könnten, müssten bisher in kleinteiliger Analyse aufgefunden und geprüft werden.

1 Kommentar

  1. Danke für die tolle Veranstaltung! Die Aufarbeitung hat aber auch gezeigt, dass, wenn wir uns ernsthaft auf einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall (“Blackout”) https://www.saurugg.net/blackout vorbereiten wollen, was wir dringend tun sollten, noch viel zu tun ist. Ein solches, sehr realistisches, Szenario werden wir nicht beherrschen können. Aber wir können die Schäden begrenzen. Damit muss aber jeder bei sich selbst einmal anfangen und dafür sorgen, dass die eigene Familie zumindest zwei Wochen ohne externe Unterstützung überleben kann. Wenn wir das nicht hinkriegen, werden die sehr bewehrten Helfer auch nicht helfen können. Die Folgen wollen wir uns alle lieber nicht ausmalen.

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