BSI-Kongress: BSI und ANSSI präsentieren zweites gemeinsames Lagebild

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Präsentierten im Rahmen des 16. IT-Sicherheitskongresses die zweite Ausgabe des bilateral erarbeiteten Lagebildes zur Cyber-Sicherheit: ANSSI-Generaldirektor Guillaume Poupard (l.) und BSI-Präsident Arne Schönbohm. (Foto: BS/Orth)

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) veranstaltet in dieser Woche den 16. IT-Sicherheitskongress in Bonn. Im Rahmen der Tagung, die alle zwei Jahre stattfindet, stellte BSI-Präsident Arne Schönbohm gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Guillaume Poupard, dem Generaldirektor der Agence nationale de la sécurité des systèmes d’information (ANSSI), die zweite Ausgabe des Deutsch-Französischen IT-Sicherheitslagebildes vor.

War das erste Lagebild im vergangenen Jahr noch durch den Schock und die Nachwirkungen der Wannacry-Attacke geprägt und somit voll auf die Bedrohung durch Ransomware ausgerichtet, so befasst sich die diesjährige Sicherheitsanalyse der nationalen IT-Sicherheitsbehörden mit zwei Kernthemen. Zum einen wird die wachsende Kriminalität rund um Kryptowährungen beleuchtet, zum anderen die Chancen und Risiken, die durch den mehr und mehr steigenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Behörden- und Verbraucherbereich entstehen. Hier brauche es eine größere Wachsamkeit und dazugehöriges Bewusstsein, “wie solche KI-Attacken aussehen können und wie die Angreifer denken und planen”, erklärte Poupard in diesem Zusammenhang. Zudem müssten “KI-Systeme von Anfang an mit möglichen Cyber-Attacken im Kopf aufgebaut werden, um auf so viele Bedrohungsszenarien wie möglich eingestellt zu sein.” In dieselbe Kerbe schlug auch Schönbohm, der sich für eine neue Denkweise in der Entwicklung aussprach: “Die IT-Sicherheit darf nicht länger als Zusatz zur Technologie gesehen werden, sondern als das, was sie ist: Eine notwendige Voraussetzung für den Einsatz von moderner Technik.” Daher sieht der BSI-Chef auch die Diskussion, die durch mögliche Back Doors in der Netzwerktechnik des chinesischen Herstellers Huawei angestoßen wurde, völlig unabhängig vom Ergebnis der Untersuchungen als eine wertvolle Debatte an, die Themen der Cyber-Sicherheit auf einer tiefergehenden Ebene beleuchte, als bisherige Diskussionen es laut dem BSI-Präsidenten oft taten.

Internationale Behördenleiter diskutieren in Bonn

Im Anschluss an die Präsentation durch die beiden Leiter der nationalen IT-Sicherheitsbehörden wurde das Thema “Supply Chain Security in Digitalisation” in einer Diskussionsrunde mit weiteren Sicherheitsexperten besprochen, u.a. dem Director of the National Cyber Security Centre of the Netherlands (NCSC-NL), Hans de Vries. Der niederländische Amtskollege von Schönbohm und Poupard sprach sich vor allem dafür aus, verpflichtende Sicherheitsstandards bei vernetzten Geräte zur Pflicht für Hersteller zu machen: “Es führt kein Weg zurück in die analoge Welt, also müssen wir die digitale Welt so sicher wie möglich machen.” Gleichzeitig seien auch effektive und nachhaltige Schulungen für Mitarbeiter in Behörden und Unternehmen, aber auch in den Entwicklungsteams wichtig, um ein Bewusstsein für die Gefahren des Cyber-Raums zu schaffen und einen richtigen Umgang mit diesen Herausforderungen vorab zu trainieren.

Neben der Diskussion von Behördenleitern und weiteren Experten sprachen auf dem IT-Sicherheitskongress des BSI u.a. auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Ulrich Kelber, sowie der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimar, Prof. Dr. Günter Krings.

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