Zahlreiche Todesfälle durch multiresistente Keime

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Durch multiresistente Keime kommt es in Deutschland pro Jahr zu mehr als 50.000 Infektionen. Dabei handelt es sich um Ansteckungen mit Erregern, die gegen Antibiotika (Foto) unempfindlich sind. (Foto: Joujou, www.pixelio.de)

In den (noch) 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union kommt es jährlich zu rund 670.000 Infektionen mit multiresistenten Keimen und circa 33.000 dadurch verursachte Todesfälle. In Deutschland sind es pro Jahr etwa 54.000 Infektionen mit antibiotikaunempfindlichen Erregern wie MRSA.

Mittlerweile ist die Krankheitslast durch antibiotikaresistente Keime in Europa so hoch wie jene durch AIDS, HIV, Influenza und Tuberkulose zusammen. Und nach Ansicht von Experten wird sie, wenn die staatlichen Behörden nicht stärker eingreifen, weiter zunehmen. Besonders hoch ist sie momentan in Südeuropa, relativ gering vor allem in den Niederlanden. Deutschland liegt hier im unteren Drittel. Aber auch in der Bundesrepublik besteht noch Verbesserungspotenzial.

Übertragen und detektiert werden die Unempfindlichkeiten vor allem im stationären Krankenhausbereich. Weitere zentrale Faktoren für Antibiotikaresistenzen sind die übermäßige Abgabe solcher Mittel an Mensch und Tier und der damit anwachsende Selektionsdruck sowie zu geringe Durchimpfungsraten. Männer sind dabei hierzulande deutlich häufiger mit MRSA-Keimen infiziert als Frauen. Eine Krankheitslast besteht allerdings in allen Geschlechter- und Altersgruppen. Dabei ist die Inzidenz im Norden Deutschlands – im Gegensatz zur Lage im übrigen Europa  –  deutlich höher als im Süden der Republik. Die Gründe für diese im Vergleich atypische Verteilung sind bisher noch unklar.

Öffentlicher Gesundheitsdienst von großer Bedeutung

Mögliche Ansatzpunkte im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen sehen Fachleute in der Reduktion der Abgabemenge in allen Bereichen der Human- und Veterinärmedizin. Es brauche einen sachgerechten therapeutischen Einsatz von Antibiotika. Schließlich hätten die Mittel nicht nur Auswirkungen auf den menschlichen Körper, sondern auch umwelttoxische Wirkungen. Aufgrund ihrer pflanzenwachstumshemmenden Effekte gelten sie auch als Umweltproblem. Ebenso wichtig seien Präventionsmaßnahmen gegen die Erregerübertragung im Gesundheitssektor, etwa durch häufiges Händewaschen, und die Überwachung von Keimen und Resistenzen. Hier kommt der ausreichenden Information und Aufklärung der Bevölkerung sowie des medizinischen Personals über die drohenden Gefahren große Bedeutung zu. Ebenso wichtig ist ein personell ausreichend ausgestatteter öffentlicher Gesundheitsdienst. Denn dieser gilt im Humanbereich als Dreh- und Angelpunkt für ein effektives Vorgehen gegen Antibiotikaunempfindlichkeiten.

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