Militärische Luftfahrtsicherheit – einsatzorientiert und international

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Generalmajor Günter Katz (Foto: LufABw)

Der militärische Flugbetrieb der Bundeswehr ist vielfältig und reicht von der Special Mission bis zum VIP-Flug. Militärisches Fliegen ist in allererster Linie taktisch-operativ, also an den Einsatzgrundsätzen der Streitkräfte und dem Erfolg der Mission ausgerichtet. Abhängig vom Missionsprofil fliegen unsere Piloten in der Regel höher, tiefer, schneller oder agiler als in der kommerziellen Luftfahrt, und das bei nahezu allen Umwelt- und Wetterbedingungen. Außerdem ist militärischer Luftverkehr mehr denn je grenzüberschreitend und unsere Luftfahrzeuge fliegen bei Einsätzen, Übungen oder in der Ausbildung gemeinsam mit den Luftwaffen unserer Partner in NATO und EU. Dennoch fliegen die Luftfahrzeuge der Bundeswehr so weit wie möglich konform mit den geltenden internationalen zivilen Vorschriften und Verfahren.

Egal, mit welchem Auftrag unsere Besatzungen unterwegs sind, die Sicherheit aller an Bord und am Boden hängt von zuverlässiger Technik, fähigen Piloten, eingespieltem Teamwork und freiem Luftraum ab. Während für den zivilen Luftverkehr die EU einen einheitlichen Rechtsrahmen setzt, ist der Luftverkehr von Staatsluftfahrzeugen weiterhin in nationaler Verantwortung zu regeln. Für den militärischen Flugbetrieb in Deutschland liegt diese Aufgabe beim BMVg und wird durch das Luftfahrtamt der Bundeswehr (LufABw) wahrgenommen. Als Aufsichts- und Regulierungsbehörde sorgt das LufABw für die Luftfahrtsicherheit in der Bundeswehr. Hierbei werden Faktoren wie Mensch, Material, Infrastruktur, Organisation und Verfahren zusammenhängend betrachtet. Die so erarbeiteten Regelungen und Vorgaben haben konkrete Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft der fliegenden Verbände. Um aktuellen technologischen Entwicklungen oder gesetzlichen Vorgaben Rechnung zu tragen, entwickelt das LufABw die militärischen Regelungen fortlaufend und einsatzorientiert weiter. Themen wie die Neugestaltung der europäischen Luftraumordnung, technische Innovation und zivile Luftfahrtgesetze sind angesichts der notwendigen zivil-militärischen Interoperabilität auch für die militärische Luftfahrt relevant. Es gilt sicherzustellen, dass die zivilen Rahmenbedingungen für die kommerzielle Luftfahrt auch die militärischen Belange angemessen berücksichtigen.

Das LufABw ist eine der größten militärischen Luftfahrtbehörden Europas. Damit hat Deutschland bei der Weiterentwicklung der militärischen Luftfahrtsicherheit eine Leitfunktion unter den europäischen Partnern. Das LufABw arbeitet in der NATO und der Europäischen Verteidigungsagentur mit, um strategische Positionen einzubringen und auf der Expertenebene z. B. gemeinsame Standards, Verfahren und Regelungen zu erarbeiten, mit denen die (zivil-)militärische Zusammenarbeit und die Sicherheit im Flugbetrieb verbessert werden.

Sicherheitspolitische Initiativen der EU und der NATO bringen bi- und multilaterale Kooperationsprojekte und neue Modelle der Zusammenarbeit bei den Luftstreitkräften mit sich. Das LufABw entwickelt bei solchen Projekten, wie z. B. der Eurodrohne, geeignete Regelungen und Vorgaben, die einen sicheren Betrieb gewährleisten.

Von unmittelbarem Nutzen ist hierbei die sogenannte Anerkennung fremder Luftfahrtbehörden. Durch einen Partner erbrachte Leistungen können so bei der Zulassung von militärischen Luftfahrzeugen, der Genehmigung von Organisationen und der Lizenzierung von luftfahrzeugtechnischem Personal auch für die Bundeswehr genutzt werden. Hierfür muss ein hinreichendes Vertrauen in die Kompetenz dieser Behörde auf einem mit Deutschland vergleichbarem Sicherheitsniveau festgestellt werden. Solche Anerkennungsverfahren wurden für verschiedene Waffensysteme, z.B. Eurofighter oder A400M, mit Behörden u.a. aus Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien und den USA erfolgreich durchgeführt.

Anfangs fokussierte sich dieses noch recht junge Instrument meist auf die Zulassung von Luftfahrzeugen. Mittlerweile wird der Blick in Richtung des gemeinsamen Betriebs von Luftfahrzeugen erweitert: Ohne gegenseitige Anerkennung wäre z. B. ein zukünftig gemeinsamer Betrieb von C-130J mit Frankreich nicht möglich.

Die militärische Luftfahrt findet also heute in einem dynamischen und international vernetzten Umfeld statt. Dafür ist ein sicherer, praktikabler und wirtschaftlicher Regelungsrahmen notwendig. Es geht um klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten sowie sicherheitsrelevante Prozesse ohne Schwachstellen. Hier wirkt das LufABw mit. Wir unterstützen die Erfüllung des militärischen Auftrags und tragen zukunftsorientiert, national wie international, zur militärischen und zivil-militärischen Interoperabilität im Flugbetrieb bei. Wenn ein britischer Techniker wie selbstverständlich einen deutschen Eurofighter auf einer italienischen Basis instand setzt, dann sind wir ein gutes Stück vorangekommen.

Der Gastbeitrag stammt von Generalmajor Günter Katz, Amtschef des Luftfahrtamtes der Bundeswehr in Köln

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