Sprengstoff sollte erstmals mit Rizin versetzt werden

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Das Robert Koch-Institut (RKI) unterhält eine "Einsatzgruppe Bio" (Foto). Deren Kräfte können bundesweit und rund um die Uhr jeden biologisch kontaminierten Ort betreten. (Foto: RKI)

In Kürze Tagen beginnt vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) die Hauptverhandlung gegen Sief Allah H. und seine Ehefrau Yasmin H. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen vor, ein islamistisch motiviertes Attentat vorbereitet zu haben. Das Besondere daran: sie wollten ihren Sprengstoff zum ersten Mal überhaupt in Deutschland mit dem Toxin Rizin versetzen.

Bei Rizin handelt es sich um eines der stärksten Pflanzengifte. Gewonnen wird es aus den Samen der Rizinuspflanze. Hervorrufen kann es unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Magen-Darm-Krämpfe sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Atemnot. Ein spezifisches Gegenmittel existiert derzeit nicht. Im Gegensatz zu Deutschland sind Vorfälle mit Rizin im Ausland gar nicht so selten. In den USA wurden entsprechend präparierte Briefe in der Vergangenheit an die Präsidenten Barack Obama und Donald Trump geschickt. Rizin ist im Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen als biologisches Kampfmittel gelistet.

International ist der Umgang mit dem Pflanzengift sowohl im Biowaffen- als auch im Chemiewaffenübereinkommen geregelt. Die Rizin-produzierende Pflanze kann aber auch zivil genutzt werden. Sie ist damit ein klassisches dual-use-Gut. Der Nachweis von Rizin und anderen vergleichbaren biologischen Toxinen ist oftmals schwierig. Es existiert in aller Regel nur ein kleines Zeitfenster für den Nachweis aus menschlichen Proben, die Stoffe selbst sind bereits in kleinen Mengen hochtoxisch und Schnelltests geben nur erste Hinweise und bergen immer die Gefahr von falsch-positiven beziehungsweise falsch-negativen Ergebnissen. Um gerichtsfeste Ergebnisse zu erhalten, ist regelmäßig eine Kombination verschiedener Analyseverfahren in spezialisierten Laboren notwendig.

Keine originäre Zuständigkeit des Bundes

In Deutschland obliegt die originäre Zuständigkeit für den Schutz der Bevölkerung beim Auftreten von Gesundheitsgefahren, wie etwa Rizin, zunächst den lokalen Gesundheitsbehörden vor Ort. Das Robert Koch-Institut (RKI) aus dem Geschäftsbereich des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) hat die Aufgabe, die Gesundheitsbehörden in den Bundesländern und Kommunen bei der Bewältigung von Krankheitsausbrüchen ebenso wie bioterroristischen Anschlagslagen zu beraten und zu unterstützen.

Hierzu unterhält das RKI eine Beratergruppe für biologische Einsatzlagen sowie eine “Einsatzgruppe Bio”. Deren Mitarbeiter können bundesweit und rund um die Uhr jeden biologisch kontaminierten Ort betreten, um Proben zu sichern und die Polizei bei der Spurensicherung und übrigen Tatortarbeit zu unterstützen. Ziele dabei sind die bioterroristische Bedrohung zu beseitigen sowie die Verhinderung von Folgeanschlägen und der Weiterverbreitung von biologischen Agenzien beziehungsweise Krankheiten. Außerdem sind die Labore im Zentrum für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene (ZBS) des RKI die einzige Einrichtung in der Bundesrepublik, in der aktuell die Identifizierung und Charakterisierung aller bioterroristisch relevanten Agenzien möglich ist.

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