Das Hans-Prinzip

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Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb Bundesfrauenvertretung, sieht die Gleichstellungsziele in Deutschland in Gefahr. (Foto: dbb/Marco Urban)

Seit 1949 wurden in der Bundesrepublik mehr Männer mit dem Vornamen Hans zum beamteten Staatssekretär ernannt als Frauen insgesamt. Den Status Quo der Geschlechtergleichstellung in der öffentlichen Verwaltung thematisierte auch die 15. Frauenpolitische Fachtagung der DBB Bundesfrauenvertretung diese Woche Berlin.

Die Vorsitzende der dbb Bundesfrauenvertretung, Helene Wildfeuer, warnte vor einem Verfehlen der Gleichstellungsziele in Deutschland: Zum ersten Mal sei der Frauenanteil im Bundestag rückläufig. Zudem wurden viermal so viele Männer wie Frauen seit den Bundestagswahlen 2017 in das Amt des beamteten Staatssekretärs befördert.

Der Koalitionsvertrag legt fest, dass die Bundesregierung im Öffentlichen Dienst die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen bis 2025 umsetzen will. Das man sich zu einem solchen paritätischen Ziel im 21. Jahrhundert immer noch schriftlich bekennen und verpflichten muss, erschreckt viele junge Frauen. Dabei scheint es, ähnlich wie die Quote, eines der wenigen Instrumente zu sein, was hilft: “Ohne rechtliche Vorschriften wird es keine Entwicklung geben” konstatiert Professorin Dr. Silke Ruth Laskowski vom Institut für Wirtschaftsrecht Universität Kassel auf der Tagung.

Dabei zieht sich das Hans-Prinzip durch die öffentlichen Behörden. Auf die Ebene der Abteilungsleiter wurden seit 2017 über ein Drittel mehr Männer als Frauen neu in diese Führungsposition befördert. Auch erhielten in der letzten Beurteilungsrunde in den obersten Bundesbehörden mehr Männer als Frauen die Bestnote. Die Gründe hierfür sind zum Beispiel die Gläserne Decke. Um das zu verändern, betont Helene Wildfeuer, seien konstruktive Verbesserungen dieser Situation mit gleichen Karrierechancen für Männer und Frauen sowie der Möglichkeiten, sich in Politik und Ehrenamt einzubringen, notwendig.

Den Gastbeitrag verfasste Dr. Eva-Charlotte Proll, Leitung Unternehmensentwicklung und Digitalisierung Behörden Spiegel

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