Digitale Aufbruchstimmung

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Achim Berg ist Präsident des Digitalverbands Bitkom. (Foto: Bitkom)

Die Verwaltung treibt es ins digitale Zeitalter. Klar muss sein: Am besten digitalisiert es sich, wenn die Akteure aus Politik, Verwaltung und Politik an einem Strang ziehen. Ein wichtiger Impulsgeber für den notwendigen Erfahrungsaustausch ist die Smart Country Convention des Bitkoms, die dieses Jahr vom 22. bis 24. Oktober in Berlin stattfindet. Der Behörden Spiegel ist Medienpartner. Im Interview spricht Bitkom-Präsident Achim Berg über das ganzheitliche Konzept der Veranstaltung und über aktuelle Herausforderungen bei der Digitalisierung der Verwaltung.

Behörden Spiegel: Herr Berg, mit dem Onlinezugangsgesetz (OZG) will Deutschland Tempo in die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung bringen. Wie beurteilen Sie die Umsetzung bis jetzt?

Berg: Ich begrüße das OZG und dessen Umsetzung, aber bis zum gemeinsamen Portalverbund liegt noch eine ordentliche Wegstrecke vor uns. Digitalisierung muss auf allen staatlichen Ebenen Chefsache werden. Initiativen wie das Unternehmenskonto und die Registermodernisierung müssen vorangebracht werden, um die Zusammenarbeit von Verwaltung und Wirtschaft zu verbessern und den Bürokratieaufwand in den Unternehmen zu verringern. Außerdem müssen die Kommunen stärker in die Umsetzung des OZG eingebunden werden. Auf der Smart Country Convention werden wir das Thema auf Bühnen und in den Workshops aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten.

Behörden Spiegel: Was müssen Bund, Länder und Kommunen noch tun, damit Deutschland bei der Digitalisierung nicht den Anschluss verliert?

Berg: Wichtig ist, sich nicht von dem Gedanken abschrecken zu lassen, sofort alles zu 100 Prozent zu digitalisieren. Die Digitalisierung ist eine komplexe Aufgabe. Entscheidend ist, dass der erste Schritt getan wird, dann geht es weiter von einem Etappenziel zum nächsten. In vielen deutschen Kommunen herrscht Aufbruchsstimmung und überall im Land machen sich Städte, Gemeinden und Regionen auf den Weg ins digitale Zeitalter. Digitalisierung braucht auf kommunaler Ebene zweierlei: erstens einen ausgeprägten politischen Willen zur Digitalisierung an der Spitze der Verwaltung. Und zweitens starke Partner, die bei der Umsetzung helfen. Unser Ziel muss sein, nicht nur in der Wirtschaft ein führender Digitalstandort zu werden, sondern ebenso in der Verwaltung und öffentlichen Daseinsvorsorge. Die notwendigen Technologien und Lösungen haben wir, jetzt sollten wir das Rad nicht zigmal neu erfinden, denn so verlieren wir Zeit und verschwenden Geld. Wir brauchen mehr Austausch, müssen uns mehr an Vorreitern, an ihren Erfolgen und Misserfolgen orientieren, auch international. 

Behörden Spiegel: Mit der 2018 erstmals durchgeführten Smart Country Convention will der Bitkom hier selbst Impulse setzen. Wie ist das Konzept des Zusammenspiels aus Kongress-Programm, Ausstellung und Workshops aufgegangen?

Berg: Die Smart Country Convention konnte sich gleich im ersten Jahr als führende Plattform für die Digitalisierung von Verwaltungen und öffentlichen Dienstleistungen etablieren. Sie ist unser Beitrag, um mehr Geschwindigkeit bei der Digitalisierung des Public Sectors, zu erzeugen. Wir haben das Konzept von Anfang an ganzheitlich gedacht und überlegt, wie wir Digitalbeauftragte und IT-Leiter auf dem Weg zu einer vollständig digitalisierten Verwaltung am besten begleiten können. In Berlin bringen wir alle Akteure aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Medien zusammen und beleuchten rundum, wie wir digitale Städte und Regionen von Morgen entwickeln können. Wir zeigen auf den Bühnen, wie Digitalisierung in der Praxis funktioniert, die Ausstellung bietet Digitalisierung zum Anfassen, die Workshops vermitteln zusätzlich fundiertes Know-how und die Networking-Bereiche fördern den Erfahrungsaustausch.

Behörden Spiegel: Welchen Stellenwert hat das Weiterbildungsprogramm für Sie?

Berg: Ohne eine fundierte Weiterbildung kann die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung nicht funktionieren. Wir wollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Verwaltungen und öffentlichen Unternehmen fit machen für die digitale Zukunft. Neben den Vorträgen und Talks auf den Bühnen bieten wir daher interaktive Workshops und zertifizierte Seminare zu Digitalthemen an. Man kann also eine Weiterbildung mit Kongress- und Messebesuch kombinieren.

Behörden Spiegel: Welche Neuerungen am Konzept und welche thematischen Schwerpunkte erwarten die Teilnehmer in diesem Jahr?

Berg: Wir haben unsere Themen geschärft und werden uns im Bereich E-Government noch mehr auf digitale Technologien wie Blockchain und Künstliche Intelligenz, E-Vergabe und IT-Sicherheit konzentrieren. Wir verstärken außerdem unseren Fokus auf Smart City & Smart Region. Auch unsere Zusammenarbeit mit dem IT-Planungsrat wird intensiver. Der IT-Planungsrat veranstaltet seine Herbsttagung parallel zur Smart Country Convention in Berlin. Der Vorsitzende Hans-Henning Lühr und viele Mitglieder des IT-Planungsrats werden bei uns sprechen. Zudem veranstalten wir an jedem Event-Tag jeweils eine ganztägige Konferenz zu den Themen Mobility, Energy und Digital Office. Auf der Mobility Konferenz hält Bundesminister Andreas Scheuer die Eröffnungs-Keynote. Nicht zuletzt wollen wir wachsen: Das Interesse an der Smart Country Convention ist so groß, dass wir die Fläche verdoppeln, die Ausstellung vergrößern und die Bühnenprogramme ausbauen werden. Die Veranstaltung ist ein Muss für alle, die sich mit der Digitalisierung des öffentlichen Sektors befassen.

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