Klimafreundliche Stadtentwicklung am Beispiel Bonn

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Ashok Sridharan, Oberbürgermeister von Bonn und Präsident von ICLEI, dem weltweiten Städtenetzwerk für Nachhaltigkeit, zeigt den Weg der Stadt Bonn bei der Klimafreundlichkeit auf. (Foto: Bundestadt Bonn, Regina Spitz)

Die Stadt Bonn engagiert sich seit Mitte der 1990er-Jahre im Klimaschutz und seit 2011 auch im Bereich Klimaanpassung. Ziel aller Maßnahmen ist die Senkung der lokalen CO2-Emissionen. Der Weg dorthin führt über eine Reduzierung des Energieeinsatzes, die effiziente Nutzung von Energie und die Substitution von fossilen durch Erneuerbare Energien. Für eine Stadt wie Bonn gibt es für den Klimaschutz und die Klimaanpassung Einfluss- und Steuerungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Handlungsfeldern. Sie reichen von der Stadtplanung über die Energieversorgung und die Öffentlichkeitsarbeit bis hin zum politischen Engagement in Städtenetzwerken.

Die Leitstelle Klimaschutz koordiniert die Aktivitäten zu Klimaschutz und Klimaanpassung. Sie steuert zum Beispiel das stadtinterne Klimaschutzmanagement und wird dabei von verschiedensten Fachbereichen unterstützt. Im Rahmen des
“Covenant of Mayors” hat sich die Stadt Bonn dazu verpflichtet, die CO²-Emissionen in Bonn bis 2020 um 20 Prozent zu senken. Eine Reduzierung um 90 bis 95 Prozent bis 2050 wird angestrebt. In der Klimaanpassung verfolgt die Stadt Bonn das Ziel, sich kontinuierlich zu einer klimare­silienten Stadt zu entwickeln. Die Schwerpunktmaßnahmen sind:

Neubauten und Altbauten im Blick

Die aktuelle Bilanz des seit 2008 betriebenen CO²-Monitorings zeigt, dass deren Ausstoß bis 2014 im Vergleich zum Jahr 1990 um 22 Prozent pro Kopf gesunken ist. Damit liegt die Emission der Bonnerinnen und Bonner noch bei jährlich 7,2 Tonnen pro Person. Der Gebäudebereich trägt 40 Prozent dazu bei, der Verkehr 39 Prozent.

Seit 1997 stellt die Stadt Bonn erhöhte Anforderungen – im Vergleich zum gesetzlichen Standard – an die Energieeffizienz von Neubauten, die beim Verkauf städtischer Grundstücke und in Verträgen mit Investoren verbindlich und überprüfbar vereinbart werden. Aktueller Standard ist das KfW-Energieeffizienzhaus 55. Bei größeren Bauvorhaben werden Energiekonzepte unter Berücksichtigung Erneuerbarer Energien erstellt.

Für städtische Gebäude, insbesondere für Schulen und Kindertagesstätten, gilt grundsätzlich der KfW-55-Standard mit Passivhauskomponenten mit dem Ziel eines sehr niedrigen Energieverbrauchs.

Weiterer Schwerpunkt ist die energetische Altbausanierung. Zur Erschließung dieses Potenzials hat Bonn gemeinsam mit 20 Organisationen, mit einem Schwerpunkt im Handwerk, 2012 die Bonner Energie-Agentur gegründet. Sie bündelt die Expertise von Energieberatenden, Planenden sowie des spezialisierten Handwerks für eine qualifizierte Beratung.

Solarkataster und ­Klimaanpassungen

Ein weiterer Service der Stadt: Ein Solardachkataster informiert online, ob auf Ihrem Haus eine Photovoltaikanlage oder eine solarthermische Anlage installiert werden kann. Im Rahmen von Förderprojekten mit Partnern aus der Wissenschaft und Praxis erarbeitet die Stadt Grundlagen zur Klimaanpassung im Themenfeld Hitze. Unter anderem wird als Ergebnis eines Projektes mit dem Deutschen Wetterdienst und dem Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz NRW zukünftig – auch für andere NRW-Kommunen – ein Planungsinstrument zur Simulation der Auswirkungen von Klimaanpassungsmaßnahmen in unterschiedlichen Baustrukturen zur Verfügung stehen.

Bonn hat zahlreiche Projekte zur Klimaanpassung der Infrastruktur hinsichtlich der Starkregen- und Hochwasservorsorge in Angriff genommen. Seit 2010 wurde neben der Mitwirkung in Forschungsprojekten beispielsweise gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (DIFU) ein ganzes Maßnahmenpaket zur Klimaanpassung der Stadt initiiert, angefangen beim Aufbau eines Warnsystems bei Bachhochwässern über umfangreiche bauliche Maßnahmen bis hin zur Beratung der Bürgerinnen und Bürger und Optimierungen der operativen Abläufe. Auch bei neuen Baugebieten und selbst bei vorhandenen Siedlungsbereichen spielt die Starkregen-Resilienz inzwischen eine tragende Rolle.

Mobilität mitdenken

Bonn fördert den Umstieg auf das Fahrrad. Das Ziel: Den Anteil der Fahrradfahrten von derzeit 15 Prozent deutlich zu erhöhen. Wesentlicher Faktor ist der Ausbau der Infrastruktur, darunter die Radstation am Hauptbahnhof und das Fahrradmietsystem. Neben der Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr, der Einrichtung von Schutzstreifen und dem kontinuierlichen Ausbau von Abstellanlagen wurden bisher mehr als 50 Fahrradstraßen eingerichtet. Die Hauptrouten des Radverkehrs wurden mit einer Knotenpunkt-Wegweisung versehen, die über den Radroutenplaner des Landes zur Planung von Fahrten genutzt werden kann. Aktuell plant die Stadt den Ausbau von Radwegen zu Radschnellrouten und die Einrichtung von Mobilstationen in der Innenstadt.

Bonn setzt auch auf Elektromobilität, auch beim städtischen Fuhrpark. Die Stadtwerke Bonn (SWB) betreiben Stromtankstellen und setzen Elektrobusse ein. Bis 2030 ist die komplette Umstellung auf Elektrobusse vorgesehen. Übrigens verfügt Bonn im Vergleich zu anderen deutschen Städten einer Größenordnung über eines der dichtesten ÖPNV-Netze. Auch das regionale Eisenbahnnetz wird stetig ausgebaut. So kamen in den letzten Jahren mehrere neue Haltepunkte hinzu, wie der Haltepunkt “Bonn UN Campus”. Auf der rechten Rheinseite wird zurzeit an zusätzlichen Gleisen für die Verlängerung der S-Bahnlinie 13 von Troisdorf über Beuel bis Bonn-Oberkassel gearbeitet. Die Stadt Bonn setzt sich für einen weiteren Ausbau der Strecken und Elektrifizierung der S23 ein.

Diesen Gastbeitrag verfasste Ashok Sridharan, Oberbürgermeister der Stadt Bonn.

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