Die richtigen Prioritäten setzen

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Obgleich Streifenkontrollen an statistischen Kriminalitätsschwerpunkten wichtig sind, sollte die Polizei vor allem an gefühlten Brennpunkten Präsenz zeigen, an denen Bürger sich subjektiv bedroht fühlen. (Foto: wenzlerdesign, pixabay.com)

Während die Sicherheit der Menschen in Deutschland objektiv immer besser wird, geht die Gefühlslage der Bürger fast überall in die umgekehrte Richtung. Ist beispielsweise die Zahl der Wohnungseinbrüche seit einem Spitzenstand von landesweit rund 167.000 im Jahr 2015 um mehr als ein Drittel auf rund 98.000 im vergangenen Jahr gesunken, so steigt in den Jahren gleichzeitig die gefühlte Unsicherheit der Menschen.

In dem fünfjährigen Zeitraum von 2012 bis 2017 ist dieser Wert in ganz Deutschland um vier Prozent angewachsen, im Osten auf 25,9 Prozent und im Westen auf 20,7 Prozent. Dennoch sei das subjektive Sicherheitsgefühl in Deutschland auf einem hohen Niveau angesiedelt, wie Dr. Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) Berlin erklärt: “Die Menschen haben grundsätzlich ein hohes Gefühl von Sicherheit hierzulande, allerdings gibt es deliktspezifisch sehr hohe Ausschläge in den negativen Bereich, wo die Leute Angst haben.” Gründe hierfür seien zum einen die wachsende mediale Aufmerksamkeit für bestimmte Arten von Kriminalität, die nicht mehr nur vom Boulevard aufgegriffen würden, sondern auch in anderen Formen von Berichterstattung und vor allem auch den Sozialen Medien, wo ein solches Vorgehen häufig politisch motiviert sei.

Gleichzeitig breite sich in der Bevölkerung aber ebenso das Gefühl aus, dass der Rechtsstaat die falschen Prioritäten setze, so Landsberg: “Im Straßenverkehr gibt es für Tempo- oder Parksünder gnadenlose Strafen, die auch vollstreckt werden. Gleichzeitig braucht der Staat aber mehr als zwei Jahre, um eine Rechtsgrundlage zur Identitätsfeststellung von Flüchtlingen zu erstellen.” Ein weiteres Beispiel sei das Unvermögen des Staates, einen Großteil der ausreisepflichtigen Menschen dazu zu bewegen, auch wirklich das Land zu verlassen. Aus solchen Defiziten in der gefühlten Wahrnehmung bei der Umsetzung von Recht und Ordnung entstünden schnell Vertrauensdefizite bei den Bürgern, die sich in Verbindung mit fehlender Polizeipräsenz an subjektiv als unsicher empfundenen Orten innerhalb der Kommunen in kurzer Zeit in akute Unsicherheitsgefühle weiterentwickeln könnten.

Es braucht positive Kommunikation mit dem Bürger

So müsse sich der Staat gegenüber Problemvierteln als starke Instanz darstellen und nicht wegbücken. In vielen Fällen braucht es eine solche aktive Polizeipräsenz aber gar nicht unbedingt. Stattdessen können Kommunen  in Zusammenarbeit mit der Polizei auf die Ängste der Bürger reagieren, indem gerade in objektiv sicheren, aber subjektiv als unangenehm empfundenen Bereichen des öffentlichen Raumes für eine ausreichende Beleuchtung sowie Sauberkeit und gegebenenfalls eine Videoüberwachung gesorgt wird.

Um zu erfahren, was die Bürger in ihrem Alltag bewegt, sollte die Polizei sich zudem nahbar zeigen. Dies sei laut Landsberg zum einen möglich, indem man sich in Schulen zeigt, um sich gerade jungen Menschen nicht nur als möglicher Arbeitgeber zu präsentieren, sondern auch mal zu zeigen, was die Polizei eigentlich macht. Gleichzeitig könne man aber auch in Innenstädten oder Fußgängerzonen am Wochenende einen Stand aufbauen, Luftballons verteilen und mit den Menschen im lockeren Gespräch über deren Wünsche an die Polizei sprechen.

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