Angespannte finanzielle Lage

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31 Prozent der befragten Führungskräfte in Bayern sehen die Existenz ihres Krankenhauses bedroht, wenn die öffentlichen Fördermittel nicht erhöht werden; in Baden-Württemberg sind es immerhin zwölf Prozent. (Foto: 12019, pixabay.com)

Negative Jahresergebnisse und Unterfinanzierung der Notfallversorgung: Krankenhäuser in Süddeutschland befinden sich in einer angespannten wirtschaftlichen Situation. Dies geht aus der Krankenhausstudie “Die Geschäftsführung spricht Klartext” der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hervor. Für die Untersuchung wurden alle 462 Plankrankenhäuser in Baden-Württemberg und Bayern befragt, die Rücklaufquote betrug 14 Prozent.

59 Prozent der befragten Krankenhäuser in Baden-Württemberg haben das Geschäftsjahr 2018 mit einem negativen Jahresergebnis abgeschlossen. Lediglich 29 Prozent konnten einen positiven Geschäftsabschluss verzeichnen. Für das aktuelle Geschäftsjahr 2019 erwarten nur noch 41 Prozent der Führungskräfte ein negatives Jahresergebnis. Allerdings fallen die langfristigen Prognosen pessimistischer aus: In den nächsten fünf Jahren erwarten 56 Prozent der Geschäftsführungen keine Verbesserungen ihrer Ergebnisse.

In Bayern sieht die Lage ähnlich aus. Auch hier verzeichneten 59 Prozent einen Verlust im vergangenen Geschäftsjahr, nur 20 Prozent schlossen dieses positiv ab. Besonders öffentliche Krankenhäuser (78 Prozent) blicken auf ein negatives Ergebnis zurück. Rund 50 Prozent erwarten eine Fortsetzung des negativen Geschäftsverlaufs. Langfristig erwarten sogar mit 76 Prozent mehr als zwei Drittel der Befragten keine Verbesserungen in den nächsten fünf Jahren.

Als Gründe für den verhaltenen Blick in die Zukunft wurden vor allem die verordneten Pflegepersonaluntergrenzen sowie die Unterfinanzierung der Notfallversorgung angegeben. In Ersterem sehen in Baden-Württemberg 44 Prozent der befragten Krankenhäuser eine zusätzliche finanzielle Belastung und Zweiteres geben rund zwei Drittel als Gefahr für das wirtschaftliche Überleben ihrer Einrichtung an. In Bayern gehen 58 Prozent von negativen finanziellen Auswirkungen durch die Pflegepersonaluntergrenzen aus, 67 Prozent sind der Meinung, die Unterfinanzierung der Notfallversorgung sei eine wirtschaftliche Gefahr. Im Gegensatz zu privaten Einrichtungen (nur knapp ein Drittel), sehen die Führungskräfte der öffentlichen und freigemeinnützigen Krankenhäuser beides als große Herausforderung.

Der jährliche Investitionsbedarf pro Planbett zur Umsetzung des digitalen Wandels innerhalb der nächsten fünf Jahre beträgt in beiden Bundesländern durchschnittlich 2.800 Euro. Für Baden-Württemberg ergibt sich daraus, bei 57.660 Planbetten, ein jährlicher Investitionsbedarf von 161,4 Millionen Euro. In Bayern beträgt er 191,3 Millionen Euro bei 68.305 Planbetten. Die große Mehrheit der befragten Führungskräfte in beiden Ländern fordert mehr zusätzliche öffentliche Fördermittel für Investitionen in die IT-Infrastruktur.

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