Datenschutz ist keine Innovationsbremse

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Es diskutierten beim Bonner Dialog für Cybersicherheit (v. l. n. r.): Professor Dr. Michael Meier (Fraunhofer FKIE), Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider (Universität Bonn), Dr. Axel Petri (Deutsche Telekom), Ulrich Kelber (Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit) Ursula Brohl-Sowa (Polizeipräsidentin Bonn), Michael Gessat (freier Journalist). (Foto: BS/Harbeke)

Die Angriffsfläche, welche sich Cyber-Kriminellen bietet, wächst stetig. Immer mehr Daten werden produziert und in Datensammlungen gespeichert. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Ulrich Kelber (SPD), definierte “ePrivacy als Grundlage einer freien digitalen Gesellschaft” auf dem gestrigen Bonner Dialog für Cybersicherheit (BDCS) auf dem Poppelsdorfer Campus.

Fazit des Abends: “Wir alle müssen im Umgang mit neuen Technologien sensibler werden. Mehr IT-Fachkräfte sind für Verwaltungen unerlässlich, um Cyber-Kriminellen das Eindringen in die eigenen Netze zu erschweren.”

Cyber-Kriminalität wird unterschätzt

Der Datenschutzbeauftragte Kelber warnte vor der Sorglosigkeit insbesondere junger User, die ohne Scheu ihre persönlichen Daten im Internet Preis geben würden. Was in den Datensammlungen von Facebook und Co. über den User stehe, sei haarsträubend, denn man habe ein Stück weit die Kontrolle über die kriminellen Machenschaften im Internet verloren: “Deliktformen wie Datendiebstahl, Betrug, Beleidigung oder Verleumdung werden vermehrt im Web praktiziert, fast jede begangene Straftat – auch die Vorbereitung von Wohnungseinbrüchen oder Identitätsklau – hängt symbiotisch mit dem Netz zusammen.  Das Fatale ist, dass Cyber-Kriminalität gesellschaftlich unterschätzt wird. Noch zu wenige wagen den Schritt, Anzeige zu erstatten.”

Lösungen gegen den Kontrollverlust

Kelber präsentierte dem Auditorium strategische Lösungsansätze wie man dem Kontrollverlust über die Daten Einhalt gebieten kann. Man müsse Datenschutz als Innovationsmotor, nicht als Innovationsbremse verstehen und aus ihm einen Nährboden für glaubwürdiges Handeln gewinnen. Chinesische Verhältnisse in Bezug auf Big Data seien kein Fortschritt, sondern inakzeptabel und Rückschritts gewandt. Durch Zertifizierungen und Sicherheitssiegel würden von Seiten der Behörden Schutzmethoden etabliert, die der gesellschaftlichen Sensibilisierung Vorschub leisteten. Außerdem sei eine Zwei-Faktor-Authentifizierung anzustreben. Bei dieser Methodik würden wichtige Datensätze durch eine Kombination von Passwort und Fingerabdruck doppelt geschützt. Als Basis eines adäquaten Datenschutzes gelte aber vor allem die gute Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen. Netzanbieter, Verwaltung und Forschung müssten an einem Strang ziehen, um die IT-Infrastruktur zu stabilisieren und die Bürgerinnen und Bürger resilienter gegenüber Cyber-Kriminalität zu machen.

Kontroverse Diskussion zum Abschluss

Obwohl Bonn und sein Umfeld auf dem BDCS als exzellenter Cyber Security-Standort mehrfach herausgestellt wurden, schränkte die Bonner Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa ein: “Die gemeinsame Zusammenarbeit zwischen den Institutionen ist zweifelsohne gut, doch es könnte noch mehr getan werden. Schwierig sei es, einen übergeordneten Treiber zu finden, der für die Cybersicherheit gesellschaftlich breitenwirksamer wirbt.” Aufgrund des IT-Fachkräftemangels seien der Polizei die Hände gebunden, vor allem jüngere sowie ältere Menschen noch besser vor Cyber Mobbing oder anderen Deliktformen im Netz zu schützen. 

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