Blockchain: Vertrauen eingebaut

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Diskutierten die zahlreichen Fragen und Anregungen mit den Teilnehmern des Blockchain-Symposiums: (v. l.) Tim Bansemer, Markus Büch, Jacob Eberhardt, Joachim Lohkamp. (Foto: BS/Stiebel)

Mittelsmänner ersetzen, Prozesse rechtssicher abbilden und dabei Vertrauen zwischen Transaktionspartnern ermöglichen: Das verspricht die Blockchain. Vielversprechend ist das gerade für die öffentliche Verwaltung, die besonders hohe Ansprüche an Verfahren stellt.

Bei der Blockchain handelt es sich kurz gefasst um ein System, bei dem Transaktionen oder andere Ereignisse dezentral von vielen Teilnehmern einvernehmlich in einer Datenbank festgehalten werden. Mittels Verschlüsselung werden neue Einträge (Blöcke) jeweils untrennbar ans Ende der Kette (engl. chain) geknüpft. Da jeder eine Kopie der Blockchain besitzt, ist eine Veränderung ohne Konsens nicht möglich. Interessant ist das überall da, wo Informationen sicher und zuverlässig gespeichert werden müssen, aber gegenseitiges Vertrauen nicht blind vorausgesetzt werden kann. “Die Blockchain leistet das, ohne dass es noch einer Vertrauen schaffenden mittleren Instanz bedarf, über die jede einzelne Transaktion gehen muss”, erklärt Tim Bansemer, Gründer von inblock.io und fachlicher Leiter des Blockchain-Symposiums, das der Behörden Spiegel in Berlin veranstaltete. Die Teilnehmer aus Ministerien und Verwaltungsbehörden aller Ebenen tauschten sich lebhaft über Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technologie, aber auch über mögliche Fallstricke aus. Referenten aus der Praxis brachten ihre Erfahrungen ein und stellten Nutzungs-Szenarien zur Diskussion.

Register effizient führen

So beschrieb der Jurist und Start-up-Berater Markus Büch die Aufwände, die bisher mit einer Änderung der Unternehmensanschrift im Handelsregister einhergehen. “Die mehrfachen Medienbrüche machen den Prozess zu einer enormen Zeitverschwendung für Unternehmer und Notare gleichermaßen”, so Büch. “Das mithilfe eines Blockchain-Systems zu digitalisieren, wäre ein Riesenfortschritt.”

Hier gelte, wie bei praktisch allen Anwendungsbeispielen im öffentlichen Bereich, dass die Registerdaten selbst nichts in der Blockchain zu suchen hätten. Büch: “Es geht hier nur um ein transparentes und verlässliches Kommunikationsmanagement. Das Handelsregister selbst ist vertrauenswürdig und bedarf keines Ersatzes.”

Jacob Eberhardt, Blockchain-Forscher an der Technischen Universität Berlin, erklärte die Idee: “In der Blockchain werden nur Hashs verwendet, also eine Art elektronischer Fingerabdruck von relevanten Dokumenten. Gespeichert werden Information wie Erstellungs- oder Veränderungsdatum oder Attribute und Berechtigungen. Wer das Dokument besitzt, kann den Hash ermitteln und die Informationen abfragen, aus dem Hash lassen sich aber die sensiblen Daten nicht ableiten.”

Rechtssicher digitalisieren

Auf dieser Basis ließe sich auch ein dezentrales Identitätsmanagement realisieren, erklärte Joachim Lohkamp, Gründer des Start-ups Jolocom. Damit könne die Digitalisierung in den heterogenen Infrastrukturen im öffentlichen Sektor Rückenwind bekommen. Ideal wäre eine plattformübergreifende Lösung, bei der eine digitale Identität mit aktuellen und verlässlichen Attributen oder Berechtigungen verknüpft wird – wie der Information, ob ein gültiger Führerschein vorliegt. Bei vielen Verwaltungsakten oder auch bei privaten Dienstleistungen würde dann eine einfache elektronische Abfrage der digitalen Identität genügen, wo früher Dokumente vorgelegt, geprüft, kopiert und hinterlegt werden mussten. “Wir haben in Deutschland gut durchdachte und sehr rechtssichere Prozesse”, sagte Lohkamp. “Die Blockchain erlaubt es uns, diese auf diesem hohen Niveau auch digital abzubilden und in vielen Fällen sogar handhabbarer zu machen.”

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