Altmaier auf Inspirationssuche im Silicon Valley

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Wie kein zweiter Ort steht das Silicon Valley schon seit Jahrzehnten für technologischen Wandel und Innovationswillen. (Foto: Christian Rondeau/CC BY 2.0/www.flickr.com)

Mitte des Monats begab sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf eine sechstägige Reise in die USA. Geplant waren Aufenthalte in San Francisco, Washington, D.C. und dem Mercedes-Benz-Werk in Tuscaloosa, Alabama. Altmeiers Besuch kommt zu einem Zeitpunkt, da die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten nicht ganz einfach erscheinen. Grund sind US-Präsident Donald Trumps frequente Pöbeleien gegen Kanzlerin Angela Merkel, aber auch – gegen die deutsche Wirtschaft. Noch Mitte Mai hatte Trump angedroht, neue Schutzzölle erheben zu wollen. Für die deutsche Exportwirtschaft, die derzeit rund neun Prozent ihrer Waren in die USA ausführt, wäre hiermit ein immenser Schaden vorprogrammiert. 

Alles in allem steht also viel auf dem Spiel. Außerdem wird klar, weshalb der Minister noch vor seinem Abflug deeskalierende Töne anschlug. “Starke transatlantische Beziehungen nutzen beiden Seiten”, so Altmaier. “Ich möchte daher auf meiner Reise verdeutlichen, wie wichtig konfliktfreie Wirtschaftsbeziehungen für beide Seiten sind: Sei es in traditionellen Bereichen wie der Autoindustrie oder auf den Zukunftsmärkten der Digitalisierung.” Allerdings ist sein Besuch kein rein symbolpolitischer Akt des guten Willens, sondern hat auch eine ganz konkrete Dimension. “Gemeinsam mit den USA haben Deutschland und Europa die Chance, digitalpolitische Standards zu setzen und die weltweiten Spielregeln der Datenökonomie maßgeblich zu beeinflussen.” Schon im Vorfeld hatte Altmaier betont, dass es gerade im Bereich der Digitalisierung von vitalem Interesse sei, “das Innovationstempo zu steigern”, um im internationalen Vergleich nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Es ist also keineswegs Zufall, dass Altmaier als Auftakt für seinen Besuch den Standort Silicon Valley ausgewählt hat. Wohl kein anderer Ort steht sinnbildlich so sehr für technologische Entwicklung und Innovationswillen wie die Heimstätte von IT-Schwergewichten wie Google, Apple und Co. Aber auch relativ kleine Unternehmen wie das Start-up “Zoox”, in erster Linie bekannt für seine autonomen Fahrsysteme, oder das Forschungszentrum “X-Lab” sind für Altmeier von Interesse, da dem Ministerium weitere 150 Millionen Euro zur Erforschung künstlicher Intelligenz bewilligt wurden. Ausgegeben hat das Ministerium davon nachweislich bislang allerdings erst zehn.

Ganz konkret steht Altmeier darüber hinaus ein kooperatives Modell vor Augen, dass den Wissenstransfer zwischen Deutschland und den USA in Form einer dualen Ausbildung begünstigen soll. Derart könne auf einen Schlag auch dem eklatanten Mangel an entsprechenden Arbeitskräften in beiden Ländern entgegengewirkt werden. Mit dem “Fachkräfteeinwanderungsgesetz” stehen zumindest auf deutscher Seite die Zeichen hierfür schon einmal gut. Ob die Amerikaner jedoch ein ähnliches Interesse daran haben, werden die kommenden Gesprächen zeigen.

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