“Digitale Kompetenz und Konvergenz bei Bundeswehr und Bund”

0
666
Diskussion mit (v.l.n.r.) Jochen Reinhardt, Pressesprecher BWI und AFCEA-Vorstand, Frank Leidenberger, Chief Strategy Officer BWI, Generalmajor Dr. Michael Färber, Kommandeur KdoITBw, und Martin Kaloudis, CEO der BWI (Foto: BWI)

Welche Entwicklungen gibt es in Sachen Digitalisierung der Bundeswehr und Konsolidierung der Bundes-IT? Diese Fragen standen Anfang Juli im Mittelpunkt einer eintägigen Konferenz, zu der AFCEA Bonn e.V. und die BWI GmbH in die Luftwaffenkaserne Köln-Wahn eingeladen hatten. Unter dem Motto “Digitale Kompetenz und Konvergenz bei Bundeswehr und Bund” gaben Vertreter von BWI, Bundesverwaltung, Bundeswehr und Industrie den rund 220 Gästen Einblicke in den aktuellen Stand.

Nach der Einführung durch den stellvertretenden AFCEA-Vorsitzenden, Oberst i.G. Heiko Mühlmann, stand zunächst eines der aktuellen “Leuchtturm”-Projekte des BMVg auf der Tagesordnung: die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung der Bundeswehr. Oberst i.G. Reiner Seitz, der im BAAINBw die “Task Force” zur IT-Unterstützung der Gesundheitsversorgung leitet, Oberstarzt Dr. Stefan Meier aus dem Kommando Sanitätsdienst und Dr. Michael Trampert, Programmleiter der BWI, stellten gemeinsam das bis ins Jahr 2021 reichende Programm vor. Das Programm habe das Ziel, bisher anzutreffende Einzellösungen im Sanitätsdienst abzulösen und eine ganzheitliche Enterprise-Architektur zu etablieren. Vor allem gelte es, die bisher noch vielfach analogen und manuellen Abläufe durch eine komplette digitale Vernetzung des Gesundheitswesens zu ersetzen, sagte Oberst Seitz. Oberstarzt Dr. Meier ergänzt: “Dazu zählt insbesondere der Aufbau einer zentralen Informationsdrehscheibe für die Datenhaltung.” Die BWI bringt ihre Architektur- und Management-Expertise sowie Fachpersonal in das Programm ein. “Künftig ist sogar vorstellbar, dass wir den Sanitätsdienst von Aufgaben entlasten und neben der Herkules-IT auch die Medizin-IT betreiben”, so Dr. Trampert.

Frank Leidenberger, Chief Strategy Officer der BWI, ging bei der Veranstaltung auf die Rolle des Unternehmens bei der IT-Konsolidierung (IT-K) des Bundes ein. Zu den Herausforderungen zählten die besonderen Sicherheitsanforderungen an eine Plattform für die IT-K, bedingt durch den Austausch mit dem Bürger. Ein Hindernis sei, dass es nach wie vor keine “Governance”-Struktur gebe, sondern vielmehr ein Ressortprinzip. “Aus unserer Sicht müsste es aber für die IT-K Bund eine Art Herkules-light geben”, so Leidenberger. “Also einen Vertrag für die IT-Konsolidierung unter Einbeziehung von Industriepartnern, keine Einzelverträge mit Ressorts.” Hier könne die BWI ihre Erfahrungen aus dem Herkules-Projekt einbringen. Umgekehrt würde auch die Bundeswehr von den neuen Erkenntnissen bei der IT-K profitieren, so Leidenberger. Zu den Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung gehöre auch, dass Verträge über eine Reichweite von drei bis fünf Jahren geschlossen werden sollten, um die Kontinuität von Vorhaben nicht zu gefährden.

Martin Kaloudis, Chief Executive Officer der BWI, positionierte das Unternehmen klar als Digitalisierungspartner der Bundeswehr und skizzierte drei Handlungsfelder, die für die BWI in diesem Zusammenhang bedeutsam seien: Consulting, Digitale Programme und Innovationen. Ziel sei es, marktgerechte Innovationen in die Bundeswehr zu bringen. Dazu seien in Zukunft Systeme erforderlich, die nicht nur stabil sind, sondern auch der digitalen Transformation standhalten. “Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dabei ist, dass die BWI mutiger wird.” Schließlich könne man es sich in der IT mit Blick auf die notwendige Transformation erlauben, auch einmal mit einer 80-Prozent-Lösung zu arbeiten und etwas auszuprobieren.

In einer Podiumsdiskussion mit den BWI-Geschäftsführern blickte der Kommandeur des Kommandos Informationstechnik der Bundeswehr (KdoITBw), Generalmajor Dr. Michael Färber, auf die Pläne zur Digitalisierung der Streitkräfte. Voraussetzung dafür, diese voranzubringen, sei eine gute Plattform. Wichtig sei es auch, neben dem “Spielbein” Digitalisierung das “Standbein” Modernisierung nicht außer Acht zu lassen: “Wir müssen die IT-Modernisierung nach marktgängigen Standards vorantreiben”, sagte Färber. Langfristiges Ziel sei es, in der Bundeswehr ein einziges IT-System zu etablieren.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here