Jobsicherheit als Nonplusultra

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Die Work-Life-Balance muss stimmen: Azubis möchten auch nach ihrer Abschlussprüfung flexible Arbeitszeiten und Freiraum – am besten bei ihrem Lehrbetrieb in einer Festanstellung – vorfinden. (Foto: Free-Photos, pixabay.com)

Schüler, Bewerber und Auszubildende haben genaue Vorstellungen von ihrer Zukunft. In Zeiten des Fachkräftemangels werden sie von Unternehmen stark umworben. Ganz klar, dass die Erwartungshaltung an potenzielle Arbeitgeber wächst. Freiraum und Ausgeglichenheit gewinnen im Job an Bedeutung. Auch im Öffentlichen Dienst steht die Work-Life-Balance weit oben auf der Agenda, wie die Studie “Azubi-Recruiting Trends 2019”, die der Behörden Spiegel zum dritten Mal in Folge begleitet, belegt.

Die Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf liegt dem behördlichen Nachwuchs am Herzen. Der Wunsch nach einer erfolgreichen Karriere ist ihm nicht so erstrebenswert wie Flexibilität und Freiraum. Flexible Arbeitszeiten (92,9 Prozent) sowie Freizeit am Wochenende und an Feiertagen (89,5 Prozent) werden von fast allen Befragten der Zielgruppe als wichtigste Kriterien ihrer Job-Wahl bezeichnet (“sehr wichtig” und “eher wichtig”). 

Umzug unerwünscht

68,7 Prozent der Studienteilnehmer des Öffentlichen Dienstes möchte keinen langen Weg zur Arbeit in Kauf nehmen. Aussagekräftig ist das Mobilitätsverhalten der Schüler, Bewerber und Azubis. 36,4 Prozent von ihnen würden auf keinen Fall umziehen. 27,3 Prozent wären für einen Umzug offen, sofern der Arbeitgeber Wohnraum zur Verfügung stellen und die Berufseinsteiger bei der Wohnungssuche unterstützen würde. Selbst ein “sehr attraktives” Ausbildungsangebot eines möglichen Ausbilders bewege laut Umfrage nur 16,7 Prozent der Studienteilnehmer des Öffentlichen Dienstes zu einem Umzug. Komfort und Heimatbezug spielen also eine übergeordnete Rolle bei deren Entscheidungsfindung.

Stabilität und Sicherheit sollten die Arbeitgeber ihrem Nachwuchs nach erfolgreich bestandener Ausbildung bieten. Denn das seien elementare Voraussetzungen, damit der Karriereweg nach der Übernahme im angestammten Haus weiterhin Früchte trage.  98,7 Prozent der Befragten möchten sich in einer guten Arbeitsatmosphäre wiederfinden und streben vor allem eine Festanstellung an (96,2 Prozent). Zeitverträge werden von der Zielgruppe als “No-Go” interpretiert. Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen oder ein duales Studium sowie generelle Aufstiegsmöglichkeiten im Lehrbetrieb werden von einer großen Mehrheit begrüßt (85,5 Prozent). Auch ein hohes Gehalt sollte es schon sein (80,5 Prozent), aber der Wunsch nach Jobsicherheit (97,5 Prozent) ist bei ihnen mit am höchsten ausgeprägt.

Berufseinsteiger möchten von ihrem Ausbilder abgeholt und mit Zusatzleistungen unterstützt werden. Ganz oben auf der Wunschliste steht bei 75,9 Prozent die Übernahmegarantie nach der Abschlussprüfung. Doch nicht jede Behörde kann diese Erwartungshaltung erfüllen, denn nur 39,2 Prozent der an der Studie teilnehmenden Ausbildungsverantwortlichen sichern ihren Azubis die erhoffte Übernahme auch zu.

Die Ausbilder stellen hingegen Benefits wie u. a. die Zahlung von vermögenswirksamen Leistungen (84,5 Prozent) sowie die Unterstützung bei Nachhilfe und Prüfungsvorbereitungen (75,3 Prozent) in Aussicht. Hier herrscht eine Diskrepanz in der Wahrnehmung vor, denn die Finanzierung vermögenswirksamer Leistungen interessiert lediglich 37,5 Prozent der befragten Azubis. Ebenfalls finden es nur 42,3 Prozent notwendig, dass ihnen der Lehrherr bei berufsschulischen Fragen unter die Arme greift. Auch auf Teambuilding-Maßnahmen (16,3 Prozent) und Mitarbeiter-Events (6,6 Prozent) legt der Nachwuchs keinen großen Wert. Selbst eine Prämie bei bestandener Abschlussprüfung steht bei den Berufsanfängern nicht sehr hoch im Kurs (17,5 Prozent). 62,9 Prozent der teilnehmenden behördlichen Ausbildungsbetriebe bieten eine solche Belohnung bereits an.

Planvoll in die Zukunft

Und noch ein Sachverhalt kristallisiert sich bei den Azubi-Recruiting Trends 2019 deutlich heraus: Die Auszubildenden verfolgen einen festen Zukunftsplan. Getreu dem Motto “Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Glück liegt so nah” möchten 62,9 Prozent bei ihrem Ausbildungsbetrieb nach dem erfolgreichen Abschluss der Lehre bleiben. 21,2 Prozent spielen mit dem Gedanken, nebenberuflich zu studieren, aber weiterhin für ihren Lehrherrn zu arbeiten. Ein Vollzeitstudium streben nur 4,6 Prozent an. Ein ebenso verschwindend kleiner Wert von 2,0 Prozent will nicht mehr im Ausbildungsberuf arbeiten und eine komplett andere Richtung einschlagen. Die Studie legt nahe, dass die Azubis im Öffentlichen Dienst auf Kontinuität setzen und nicht für Wechselstimmung stehen.

Insgesamt wurden vom Institut u-form Testsysteme 5.176 Schüler, Bewerber, Auszubildende und Ausbildungsverantwortliche zu aktuellen Themenkomplexen wie u. a. Ausbildungsmarketing und Azubi-Recruiting befragt. An der Studie nahmen für den Öffentlichen Dienst 200 Auszubildende sowie 22 Schüler und Bewerber teil. Auf Behördenseite standen 141 Ausbildungsverantwortliche Rede und Antwort.

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