Noch ist nicht alles Gold, was fliegt

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Auch wenn Drohnen die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) schon in zahlreichen Einsatzlagen unterstützen können, unterliegen die Geräte dennoch weiterhin einigen Restriktionen. Außerdem können sie nicht immer zeitnah genutzt werden. (Foto: spuno, https://stock.adobe.com/de/ )

Unbemannte Luftfahrzeuge können Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) zwar in zahlreichen Fällen und Einsatzlagen unterstützen. Das gilt unter anderem bei der Vermisstensuche oder der Vermessung von Tatorten. Alle Probleme, die mit der Nutzung der Drohnen oder “Unmanned Aerial Vehicles” – UAVs) einhergehen, sind jedoch noch nicht gelöst.

Das wird vor allem bei den Feuerwehren deutlich. Dort seien UAVs zwar bereits in der Anwendung, etwa bei Waldbrandeinsätzen, berichtet Norman Barth von der Landesschule und Technischen Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz des Landes Brandenburg. Sie könnten den Kräften insbesondere bei großflächigen Einsätzen bei der Lageerkundung und -feststellung helfen. So sei es möglich, Schadensart, -umfang und -objekt noch besser zu identifizieren, ergänzt der stellvertretende Leiter der Cottbuser Berufsfeuerwehr, Uwe Schulze. Kritisch sei im Ernstfall aber, dass zu Einsatzbeginn oftmals kein Personal zum Fliegen der Drohne vor Ort sei, da bei den ersteintreffenden Kräften jeder bereits eine vordefinierte Aufgabe habe. Das UAV könne dann erst geflogen werden, sobald weitere Unterstützungskräfte eingetroffen seien. Dies führe jedoch zu Zeitverzug, räumt Schulze ein.

UAVs bisher oftmals noch unsichtbar

Problematisch ist zudem, dass die unbemannten Systeme, die in aller Regel im bodennahen Bereich unterwegs sind, für Fluglotsen bisher unsichtbar sind. Hier könnte in Zukunft ein Traffic-Management-System der Deutschen Flugsicherung (DFS) Abhilfe schaffen. Dabei übermittelt ein spezielles Modem mit einer integrierten SIM-Karte (sogenanntes Hook-on-Device) per Mobilfunk die Position der Drohne sowie deren Kennung. Zusätzlich können Bild- und Messdaten in Echtzeit übertragen werden. Bedingung ist allerdings, dass die UAVs von den Herstellern serienmäßig mit einem LTE-Modul ausgestattet werden. Dann müssten die Nutzer nur noch die SIM-Karte aktivieren, um das Management-System, das in einem DFS-eigenen Rechenzentrum betrieben wird und dessen Daten in einer DFS-eigenen Cloud gespeichert werden, verwenden zu können.

Von der Lösung versprechen sich die Verantwortlichen eine Vervollständigung des Luftlagebildes. Außerdem könne die Technik den kommerziellen Betrieb unbemannter Fluggeräte, insbesondere außerhalb der Sichtweite des Steuerers, fördern, meint der CEO der DFS, Prof. Klaus-Dieter Scheurle. Hauptzielgruppen seien neben den BOS noch Vermessungsunternehmen sowie Firmen aus den Bereichen Transport und Logistik, ergänzt der Leiter UAS Traffic Management Solutions bei der DFS, Thilo Vogt, der inzwischen zur Droniq GmbH gewechselt ist, wo er im dreiköpfigen Führungsteam die Bereiche Business Development und Sales verantwortet. Das System, das laut Vogt möglichst im kommenden Jahr den Regelbetrieb aufnehmen soll, wurde bereits der Bundespolizei vorgestellt. Dort ist die Direktion 11 für die Themen Drohnenbetrieb, -abwehr und -forensik federführend zuständig. Von dort heißt es, dass das von der DFS vorgestellte System nach einer ersten Einschätzung durch Mitglieder der Bundespolizei-Fliegergruppe geeignet sei, zur Erhöhung der Sicherheit sowie zur Reduzierung flugbetrieblicher Risiken beizutragen. Momentan werde das Vorliegen der technischen Voraussetzungen für eine Integration der von der Bundespolizei betriebenen Hubschrauber geprüft. Diese bewegten sich aufgrund ihres Missionsprofils schließlich weitestgehend im sogenannten unkontrollierten Luftraum, wo auch die UAVs unterwegs seien.

Dort komme es, insbesondere bei Großeinsätzen, auf eine effektive Kommunikation zwischen den einzelnen Fluggeräten an, unterstreicht Frank Seidlitz von der Polizei Brandenburg. Er ist Mitglied des dreiköpfigen “Trupp Multikopter”, den die Behörde unterhält. In der Mark würden UAVs neben der Vermisstensuche unter anderem für die temporäre Überwachung von Gebäuden, Plätzen und Orten, das Aufspüren von Anlagen zum Anbau von Betäubungsmitteln sowie die Foto- und Videodokumentation für die Vermessung von Tatorten verwendet.

Teilweise noch am Anfang

Noch in der Phase der Machbarkeitsstudie befinde sich diesbezüglich das Projekt Multikopter der ADAC Luftrettung, berichtet Geschäftsführer Frédéric Bruder Untersucht würden zum einen der Rettungsdienstbereich im bayerischen Ansbach und zum anderen in Rheinland-Pfalz die Rettungsdienstbereiche Bad Kreuznach und Mainz/Rheinhessen. Erste Ergebnisse sollen bereits Ende des Jahres vorliegen. Testflüge, die noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind, finden bereits statt. Vorgesehen für den späteren Realbetrieb sei ein mit einem Piloten und einem Notarzt besetzter Multikopter. “Im Vergleich zur bodengebundenen Notfallrettung könnte das Gerät vor allem im ländlichen Raum einen Zeitvorteil haben”, meint Bruder. Es handele sich jedoch nur um eine Ergänzung des bodengebundenen Rettungswesens, nicht um eine Substitution, betont er.

Beim Betrieb von UAVs helfen können unterdessen sicherlich einheitliche Standards. Hier hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wichtige Vorarbeit geleistet. Die Behörde hat federführend gemeinsame, deutschlandweite Empfehlungen für den Einsatz von Drohnen im Bevölkerungsschutz erarbeitet.

Bei der Bundeswehr schon lange im Einsatz

Bei Streitkräften sind Drohnen nicht mehr wegzudenken. Schon 2010 begann durch die deutsche Luftwaffe der Einsatz des unbemannten Aufklärungs-Luftfahrzeugs “Heron 1” des Herstellers Israel Aerospace Industries (IAI) in Afghanistan. Im westafrikanischen Mali fliegt die Bundeswehr die “Heron 1” seit Ende 2016 im Rahmen der UN-Stabilisierungsoperation MINUSMA. Von diesem Jahr an werden Drohnen-Besatzungen der Bundeswehr auf der neueren “Heron TP” in Israel ausgebildet. Diese gilt als Zwischenlösung, bis die europäische MALE-Drohne (“Medium-Altitude, Long-Endurance“) einsatzbereit sein wird.

Innenpolitisch ist allerdings die Bewaffnungsfähigkeit von “Heron TP” und Euro-Drohne teilweise heftig umstritten.

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