Extreme Wetterereignisse werden zunehmen

0
1450
Der Bundestagsabgeordnete Marian Wendt (CDU) ist Mitglied im Innenausschuss. Seit April 2018 ist er zudem Präsident der THW-Bundesvereinigung. (Foto: CDU Deutschland)

Nicht nur in Deutschland kommt es immer öfter zu Wald- und Vegetationsbränden. Hier sind offenkundig neue Bekämpfungsstrategien gefragt. Welche sinnvoll sind, erläutert der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt. Die Fragen an den Präsidenten der THW-Bundesvereinigung stellte Behörden Spiegel-Redakteur Marco Feldmann

Behörden Spiegel: Wie wird der Klimawandel die Arbeit der deutschen Behörden des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes verändern?

Wendt: Unsere Behörden ob Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Rettungsdienste oder andere Blaulichtorganisationen sind heute schon sehr gut auf Großschadenslagen und Katastrophen vorbreitet. Gerade das Zusammenspiel regionaler, Landes- und Bundesorganisationen ist dazu ein wichtiger Grundpfeiler. Dass dies der Schlüssel zum Erfolg ist, haben nicht zuletzt die Brände in Lübtheen oder an der sächsisch-brandenburgischen Grenze gezeigt.

Behörden Spiegel: Was ist neu?

Wendt: Was neu ist, ist die Häufigkeit und Länge der Lagen, gerade in der Brandbekämpfung. Hier spielen sicherlich auch extreme Wetterphänomene eine Rolle, auf die wir uns vermehrt einstellen müssen. Ich habe mich schon lange für eine spezielle und überregional einsetzbare Waldbrandstaffel stark gemacht, die durchaus auch durch das Technische Hilfswerk aufgestellt werden kann. Dass der Bundesinnenminister nun mit seiner Idee einer Task-Force ins gleiche Horn stößt, freut mich sehr.

Behörden Spiegel: Was kann die Bundesrepublik im Bereich des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes von anderen europäischen Staaten lernen?

Wendt: Vorrangig die Wahl des richtigen Einsatzmittels. Unsere Blaulichtorganisationen sind motiviert und gut trainiert, aber die neuen Herausforderungen sind hauptsächlich ehrenamtlich und mit der vorhandenen Technik kaum zu bewältigen. Hier müssen wir nachsteuern. Dazu zählen nicht nur die Feuerwehren oder der Rettungsdienst. Die Technik bei den Katastrophenschutzeinheiten und auch bei der Polizei muss auf den Prüfstand. Wer für uns sprichwörtlich durchs Feuer geht, sollte dies mit der bestmöglichen Ausrüstung tun. Dazu zählt für mich auch der Aufbau einer Löschflugzeugstaffel bei uns in Deutschland.

Behörden Spiegel: Wie wird sich der Klimawandel auf die Katastrophenschutzverfahren und -strukturen der Europäischen Union auswirken? Welche Veränderungen, unter anderem bei rescEU, sind hier erforderlich?

Wendt: Wir können und müssen voneinander lernen. “Best practice” ist das Schlagwort. Dazu müssen wir enger zusammenarbeiten und einen regen Austausch pflegen. Die rescEU regt dazu an und gibt uns den Rahmen für eine europäische Zusammenarbeit. Dieser muss mit Leben gefüllt und die “Schranken in den Köpfen” müssen abgebaut werden.

Behörden Spiegel: Wie kann das funktionieren?

Wendt: Dies geht nur durch intensiven Austausch. Die Blaulichtorganisationen müssen untereinander erleben, welche speziellen Fähigkeiten die Einsatzkräfte der jeweiligen Mitgliedsstaaten mit den Jahren aufgebaut haben. Dann können sie diese auch in Katstrophenlagen anfordern und einsetzen. Vertrauen ist nicht in den Katastrophen- und Bevölkerungsschutzeinheiten in Deutschland die Arbeitsgrundlage, Vertrauen ist eine europäische Grundlage.

Marian Wendt moderiert auf dem Europäischen Katastrophenschutzkongress des Behörden Spiegel am 27. August in Berlin eine Diskussionsrunde zur Anpassungsfähigkeit des europäischen Katastrophenschutzes an den Klimawandel. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten unter: https://www.katastrophenschutzkongress.de/

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here