Migrationsdruck wird zunehmen

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Dr. Johannes Richert ist Leiter des Bereichs "Nationale Hilfsgesellschaft" beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) und stellvertretender Generalsekretär. (Foto: Gero Breloer, DRK)

Der weltweite Klimawandel hat auch Auswirkungen auf Migrationsbewegungen und deren Bewältigung durch Hilfsorganisationen wie die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung. Außerdem zwingt er zu anderen Formen der Katastrophenhilfe. Wie diese aussehen, erläutert Dr. Johannes Richert, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Die Fragen stellte Behörden Spiegel-Redakteur Marco Feldmann.

Behörden Spiegel: Herr Dr. Richert, wie hängen Klimawandel und Migration zusammen?

Richert: Durch die Folgen des Klimawandels werden Verteilungskämpfe um die weltweit knapper werdenden Ressourcen zunehmen. Neue Konflikte sind vorprogrammiert und erhöhen – neben der Suche nach ausreichender Existenzgrundlage – den Migrationsdruck in den besonders betroffenen Regionen der Welt. Dies wird auch Auswirkungen auf Europa haben, das sich für lange Zeit auf Migrationsbewegungen einrichten muss.

Behörden Spiegel: Welche Folgen haben diese Entwicklungen für die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung?

Richert: Die Rotkreuz-/Rothalbmondbewegung muss sich aufgrund ihres spezifischen Mandats mit den humanitären Folgen des Klimawandels und der Migration befassen. Was klimainduzierte Katastrophen betrifft, können durch neue Methoden der Zusammenarbeit bereits im Vorfeld des Schadensereignisses durch entsprechend vorbereitende Maßnahmen die Negativfolgen solcher Ereignisse für die betroffene Bevölkerung und deren Hab und Gut reduziert werden. Hier liegen uns Erfahrungswerte aus den jüngsten Fluten in Bangladesch, den Überschwemmungen in Mosambik, aber auch bei anderen Extremwetterereignissen zum Beispiel in Peru, vor.

Behörden Spiegel: Und was ist mit der Migration?

Richert: Was die Migration betrifft, ist es unsere Aufgabe, Zugang zu Migranten in Not dort zu erhalten, wo sie sich gerade befinden und dort humanitäre Mindeststandards zu ermöglichen. Das heißt: bereits in Ländern wie Mali oder Libyen muss Zugang zu den Betroffenen möglich sein. Hierfür benötigen wir die Akzeptanz der in diesen Staaten vorhandenen politischen und militärischen Akteure. Das Rote Kreuz kann hier aufgrund seiner Neutralität und Unparteilichkeit auch mit Akteuren verhandeln, die sich den humanitären internationalen Regeln entziehen.

Behörden Spiegel: Worauf kommt es noch an?

Richert: Entscheidend ist, dass wir an allen Stationen der Migration Betreuung anbieten und auf den Fluchtrouten der Menschen Präsenz zeigen. Das umfasst auch Beratungsangebote an zentralen Punkten dieser Wege, etwa in Libyen oder anderen Staaten Nordafrikas, die Ausgangspunkt für den Weg nach Europa sind.

Dr. Johannes Richert spricht auf dem Europäischen Katastrophenschutzkongress des Behörden Spiegel in Berlin. Weitere Informationen hier.

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