Trotz leichtem Wachstum: NRW nur digitales Mittelmaß

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Nach wie vor die unangefochtene Nummer eins: Laut D21-Digital-Index gebraucht das Gros der Deutschen das Internetangebot in erster Linie zu Recherchezwecken, inzwischen auch vermehrt mobil. (Foto: TeroVesalainen, pixabay.com)

Seit dem Jahr 2013 misst der D21-Digital-Index den Stand der digitalen Entwicklungen in Deutschland. Grundlage sind mehr als 20.000 Interviews, davon über 2000 mit vertiefenden Fragen. Nun hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalens im Rahmen der Datenerhebung erstmals zusätzlich eine Sondererhebung vornehmen lassen, die sich insbesondere den Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger NRWs an das Medienkompetenzangebot widmete. Ende Juli haben die Landesregierung und die Medienanstalt NRWs die Ergebnisse zur digitalen Lage des Landes präsentiert.

Die guten Neuigkeiten vorweg: Die Digitalisierung schreitet voran – wenn auch noch sehr zögerlich. Das gilt nicht nur bundesweit, sondern auch für das Land Nordrhein-Westfalen, das einen Punkt in der Werteskala nach oben rücken konnte. Damit legt NRW im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht zu, bleibt aber mit 55 von insgesamt 100 zu erreichenden Punkten nur im bundesdeutschen Durschnitt. Leichten Zuwachs gab es aufseiten der Internetznutzung, die auf 84 Prozentpunkte anstieg. Zum Vergleich: Im Jahr 2001 lag der Anteil der Internetnutzer gerade einmal bei 38 Prozent, 2009 immerhin schon bei 65 Prozent. Spitzenreiter in diesem Segment sind Baden-Württemberg, Hamburg und Schleswig-Holstein.  

Ebenfalls erfreulich ist, dass die Altersklasse 50plus nun auch vermehrt auf das Angebot des Internets zurückgreift; die Mobilnutzung stieg hier um acht Punkte. Soziale Medien sind nach wie vor Jugendsache und werden mit entschiedener Mehrheit von Bürgerinnen und Bürgern im Alter von 14 bis 29 Jahren genutzt. Nahezu unverändert bleibt es bei der Gesamteinteilung der Bevölkerung. Zur besseren Unterscheidung differenziert der Index hier nach drei unterschiedlich qualifizierten Nutzergruppen: In NRW belegen die “digital Mithaltenden” mit 43 Prozent den Spitzenplatz, es folgen die “digitalen Vorreiter” mit 36 Prozent, Abschlusslicht sind die “Abseitsstehenden” mit 21 Prozent.

Nachholbedarf bei Smart Home-Anwendungen

Ziemlich verhalten sieht es bei der Nutzung noch vergleichsweise junger Services aus: Gerade einmal 11 Prozent der Befragten gaben an, bisher auf digitale Gesundheitsanwendungen zugegriffen zu haben. Noch dürftiger ist es um die Verwendung von Smart-Home-Services bestellt; lediglich drei Prozent beantworteten die Frage, ob sie zur Steuerung des eigenen Haushalts ihr Smartphone heranzögen, mit ja. Als Grund wiesen die Befragten auf den geringen Mehrwert der Applikationen hin, ebenso groß waren die Bedenken bei Sicherheit und Datenschutz. Perspektivisch ist jedoch Besserung in Sicht: Rund 30 Prozent gaben an, eine Nutzung künftig in Betracht zu ziehen.

Rückläufig sind die Zahlen im Bereich des digitalen Arbeitens. Zwar schienen sich rund 39 Prozent der Befragten sicher, dass sich ihre Arbeit infolge des digitalen Wandels wohl einschneidend verändern wird, de facto nutzen derzeit aber nur 16 Prozent Angebote wie Home Office oder Telearbeit. Regelrechter Pessimismus herrscht darüber hinaus im Hinblick auf die Chancen, die mit der Digitalisierung der Arbeitswelt einhergehen könnten. Hier sackt der Index sogar um acht Punkte ab.

Bürger wollen mehr Unterstützung

Besonderes Augenmerk der Landesregierung NRWs dürfte jedoch auf den Resultaten der Sonderbefragung liegen. Das Ergebnis: Rund 1.000 Zusatzinterviews gaben zu erkennen, dass sich die breite Mehrheit der Bevölkerung ein größeres Maß an Unterstützung bei der Heranführung an digitale Herausforderungen wünscht. Der Wunsch ist flächendeckend und zieht sich quer durch alle Befragungsgruppen – von regen Internetnutzern bis hin bis zu digitalen Novizen. Dabei kommt die Sonderbefragung zur rechten Zeit: Im April dieses Jahres verabschiedete die Regierung eine breitangelegte Strategie zur Digitalisierung des Landes. In diesem Zusammenhang werden die Ergebnisse zukünftig wohl noch in vielerlei Hinsicht nützlich sein.

Einen detaillierten Überblick über die Ergebnisse der Sonderauswertung Nordrhein-Westfalen erfährt man hier.

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