WMO verschlanken und effizienter machen

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Prof. Dr. Gerhard Adrian ist seit Mitte 2010 Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Zunächst für die kommenden vier Jahre steht der 62-Jährige zugleich an der Spitze der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). In diesem Amt ist er der erste Deutsche in der Geschichte der UN-Organisation. (Foto: Deutscher Wetterdienst)

Seine Amtsübernahme ist eine Premiere: Der Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Prof. Dr. Gerhard Adrian, ist der erste Deutsche an der Spitze der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) überhaupt. Im Gespräch mit dem Behörden Spiegel spricht er über sein Arbeitsprogramm für die UN-Organisation sowie ihren Beitrag im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz. Die Fragen stellte Behörden Spiegel-Redakteur Marco Feldmann.

Behörden Spiegel: Herr Prof. Adrian, Sie sind der erste Deutsche im Amt des Präsidenten der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Welche Themen stehen für die kommenden vier Jahre auf Ihrer Agenda?

Adrian: Der Kongress der WMO hat vier Arbeitsfelder definiert. Zum einen geht es um die Umsetzung der sogenannten Governance-Reform. Hier hat der Exekutivrat der WMO bereits neue Entscheidungsstrukturen für die Organisation entwickelt, die der Kongress nun angenommen hat. Jetzt geht es darum, diese zu implementieren. Dabei sollen die Entscheidungsstrukturen deutlich verschlankt werden und die WMO insgesamt eine höhere Reaktionsfähigkeit erhalten. Bisher fielen viele Entscheidungen in acht technischen Kommissionen, die jeweils für einen Sektor zuständig waren. Themen waren unter anderem die Bereiche Klima, Luftfahrt, Landwirtschaft, Hydrologie und Messtechnik.

Behörden Spiegel: Was hat sich da getan?

Adrian: Hier gab es eine Zusammenfassung. Jetzt existieren nur noch zwei derartige Kommissionen. Eine kümmert sich um Infrastrukturthemen, die andere um Services. Die eigentliche Arbeit der beiden neuen technischen Kommissionen soll in Untergruppen stattfinden, deren Vorsitzende künftig auch Experten nationaler Wetterdienste sowie aus dem Privatsektor zu den Sitzungen einladen können. Die Arbeit der technischen Kommissionen wird damit deutlich offener. Das ist ein großer Umbruch, der jetzt umgesetzt werden muss.

Behörden Spiegel: Welche weiteren Schwerpunkte wird es innerhalb der WMO künftig geben?

Adrian: Die WMO wird sich künftig nicht mehr nur auf das System Atmosphäre beschränken. In der Meteorologie und Klimatologie ist heute die Rede vom Erdsystem. Um mittel- oder langfristige Wettervorhersagen oder Klimaprojektionen zu erstellen, muss heutzutage zwingend die Erdoberfläche mit betrachtet werden. Hier will die WMO in Zukunft einen ganzheitlicheren, interdisziplinäreren Ansatz verfolgen. Es braucht eine übergreifende, zusammenfassende Betrachtung des Erdsystems und der Interaktion zwischen Atmosphäre und Erdoberfläche, einschließlich der Ozeane. Dieser Ansatz eines gesamtheitlicheren Bildes wurde kürzlich in das WMO-System aufgenommen.

Behörden Spiegel: Was verändert sich noch?

Adrian: Die WMO hat eine neue Initiative im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit gestartet. Dabei soll die Kooperation zwischen der WMO und Entwicklungsbanken wie der Weltbank oder der Afrikanischen Entwicklungsbank intensiviert werden. Letztere haben erkannt, dass sie beim Aufbau meteorologischer und klimatologischer Infrastrukturen und Services mehr Fachberatung benötigen als sie bisher genutzt haben. Die WMO soll hier künftig stärker als Schnittstelle zu nationalen Experten, etwa von nationalen Wetterdiensten, fungieren. Die Kosten für den Einsatz der Fachleute sollen dann die Entwicklungsbanken übernehmen. Ob sich der Deutsche Wetterdienst an diesem System beteiligen kann, ist aber noch unklar, weil wir damit sehr stark an die Grenzen unseres gesetzlich fixierten Auftrages geraten und die deutsche Haushaltsordnung eine solche Zusammenarbeit nicht gerade vereinfacht. Wir werden aber alles tun, um hier gemeinsam mit der WMO Lösungen zu entwickeln.

Behörden Spiegel: Gibt es weitere Punkte auf Ihrer Präsidentschaftsagenda bei der WMO?

Adrian: Ja, wichtig ist auch das Thema “Private Public Engagement”. Da geht es um die Zusammenarbeit zwischen der WMO und ihren Mitgliedsstaaten sowie der Weltbank einerseits und privaten Akteuren bei der Erbringung meteorologischer Dienstleistungen. Außerdem ist hier die Datenpolitik von Bedeutung, also der freie Austausch von Daten zwischen staatlichen Stellen und Akteuren aus dem Privatsektor. Entscheidend sind dabei die Nutzungsbedingungen für die Weiterverwendung privat erzeugter Beobachtungsdaten. Für die Erbringung effektiver meteorologischer und klimatologischer Dienstleistungen sind wir zwingend auf den freien Austausch aller Daten, also der staatlichen und privaten, angewiesen. Ich prognostiziere: Datenpolitik ist ein Thema, mit dem sich die WMO lange Zeit wird beschäftigen müssen.

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