Die Rückkehr des Dorfes?

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Viele Bürgerinnen und Bürger zieht es von der Stadt zurück aufs Land, so das Ergebnis der Studie "Urbane Dörfer". (Foto: Markéta Machová, pixabay.com)

Auch wenn die Anzahl der Gesamtbevölkerung Deutschlands annähernd gleichbleibt, wird sich die demographische Kluft zwischen Stadt und Land künftig noch ausweiten. Besonders betroffen: der Osten der Republik. Zu dieser Einschätzung kommt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die seit Mitte des Monats vorliegt. Gleichzeitig streut dieselbe Studie auch Indizien, die einen gegenläufigen Trend anzeigen könnten. Auslöser der Wende könnte ausgerechnet die in ländlichen Teilen noch immer schleppend vorangehende Digitalisierung sein.  

Die aktuelle Lage zeichnet im Osten der Republik ein ähnliches Bild: Der demographische Wandel führt einen schleichenden Rückgang der Bevölkerung mit sich, diejenigen, die bleiben, sind meist schon im fortgeschrittenen Alter. Kein Anziehungspunkt für junge Leute, die meist für das Studium ihre Heimat verlassen, in die Stadt ziehen und nicht selten auch – dort bleiben. Zu groß sind die Versprechungen des urbanen Raums mit seinen zahlreichen Möglichkeiten individueller Entfaltung, insbesondere, was die Berufswahl anbelangt. Einzige Mankos: mangelnde Freiräume und hohe Kosten.

Pioniere sind digital-affine Städter

Gerade Letztere sind es aber, die nun eine gegenläufige Entwicklung einleiten könnten. Ein Comeback des Landes also? Platz wäre reichlich vorhanden, Mieten- und Kaufpreise sind konstant niedrig. Wie die Studie “Urbane Dörfer” des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und des Think Tanks Neuland21 darlegt, sind es allen voran Bürgerinnen und Bürger aus Kreativ- und Wissensberufen, die es zurück aufs Land zieht. Grafiker, Designer, Programmierer und Journalisten. Gemeinsam ist ihnen allen eine grundlegende Digitalaffinität. Unter der Hand finden damit zwei Faktoren zueinander, die auf den ersten Blick geradezu diametral erscheinen: Digitalisierung und Landleben.

Das schwächt sich jedoch auf den zweiten Blick deutlich ab. Zumal dann, wenn man bedenkt, dass Digitalisierung auch eine Flexibilisierung von Arbeit bedeutet. Homeoffice wäre hier nur eine Variante. “Dass nun junge Kreative und digital affine Städter das Land für sich entdecken, birgt für demografisch angeschlagene Regionen eine große Chance,“ erläutert Silvia Hennig, Gründerin von Neuland 21. „Sie entwickeln und erproben in den Dörfern und Kleinstädten gemeinschaftliche Wohnformen und innovative Arbeitsmodelle. Damit könnten sie Pioniere einer neuen Bewegung sein, die mit digitalen Ideen das Leben auf dem Land wieder für mehr Menschen attraktiv machen.“

Entwicklung noch nicht absehbar

Ob sich die Stadtflucht zu einem dauerhaften Trend auswachsen wird, lässt sich laut Studie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehen. Gefragt sei hier vor allem die Politik, die, statt Absichtserklärungen von sich zu geben, entsprechende Schritte einleiten solle. Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts: „Auch wenn die neue Landbewegung den entlegenen Regionen nicht überallaus der Misere helfen wird, wäre die Politik gut beraten, die Motive und Bedürfnisseder der jungen “Landlustigen” besser kennenzulernen, gerade jetzt, da sie ein neues Interesse an einem Ausgleich zwischen Stadt und Land gefunden hat.“ Akuter Handlungsbedarf bestände jedenfalls schon einmal beim Breitbandausbau, denn dieser ist gerade in ländlichen Gebieten nach wie vor allenfalls lückenhaft.

Die Studie “Urbane Dörfer” geht auf eine Förderung des Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Christian Hirte, zurück. Einzusehen sind die einzelnen Ergebnisse der Studie unter folgendem Link.

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