Hamburger LKA-Chef des Amtes enthoben

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Frank-Martin Heise ist nicht mehr Chef des Hamburger Landeskriminalamtes. (Foto: BS/Dombrowsky)

Der Chef des Hamburger Landeskriminalamtes (LKA), Frank-Martin Heise, ist seines Amtes enthoben worden. Das soll alles sehr schnell gegangen sein, sagen uns Hamburger Polizeikreise. Am letzten Montagmorgen war Heise noch in einer Lagekonferenz zusammen mit anderen Führungskräften. Polizeipräsident Ralf Martin Meyer zitierte den LKA-Direktor danach unmittelbar zu einem Dienstgespräch in sein Arbeitszimmer und hat – wohl nach vorheriger Abstimmung mit Innensenator Andy Grote (SPD) – den obersten Kriminalbeamten der Hansestadt mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Es sei ihm auch nur noch unter Zeugen erlaubt gewesen, sein Büro aufzusuchen.

Heise galt als Karrierepolizist und hatte es mit 51 Jahren zum LKA-Chef weit gebracht. Auf seiner Karriereleiter stehen zahlreiche Positionen, so auch die des Chefs der größten deutschen Hafenpolizei mit internationalem Renommee. Beide, Polizeipräsident Meyer wie auch Heise, waren Ende der 1990er-Jahre gemeinsam an der Polizeiführungsakademie, heute Universität, in Münster-Hiltrup zum Lehrgang. Ein gleichzeitig an die Mitarbeiter gelangter Brief des Polizeipräsidenten enthält folgende Formulierung: Es fehle “das notwendige Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit”. Weiter heißt es darin, dass das Führungsverhalten von Heise “auf verschiedenen Ebenen zu so erheblicher Kritik geführt” habe, dass er “die weitere Verwendung von Herrn Heise in dieser – für die Polizei Hamburg besonders herausragenden Funktion nicht länger verantworten” könne. Der Innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, Dennis Gladiator, sagt dazu: “Die Entscheidung der Polizeiführung, Herrn Heise abzusetzen, war richtig.”

Kritik an Ermittlungsgruppe

Der LKA-Chef galt jeher als aufstrebender Polizeibeamter, der es auch immer verstand, seine Karriereinteressen mit Erfolg zu betreiben. Anlass der aktuellen Entscheidung soll der Abschlussbericht einer Arbeitsgruppe gewesen sein, die sich zu Beginn mit der Aufarbeitung der von Heise selbst initiierten Spezialgruppe im LKA beschäftigt hat, der sogenannten “Cold Cases”-Einheit. Sie galt zeitweise als bundesweit vorbildlich. Ihre Aufgabe war es “kalte Fälle” von Schwerstkriminalität, bei denen in den letzten Jahren keine Ermittlungserfolge erzielt werden konnten, neu aufzurollen. Dieser Sondereinheit wurden aber Ermittlungsfehler und am Ende der Freispruch eines festgenommenen Verdächtigen selbst zum Verhängnis. Eine Richterin kritisierte bei dem Freispruch des Verdächtigen “fragwürdige Ermittlungsmethoden”.

Heise zum BND?

Offiziell heißt es, dass es keine Anhaltspunkte für Straftaten oder disziplinarrechtliche Verstöße gegen Heise gäbe und er daher “zeitnah auf einen anderen Dienstposten umzusetzen” sei. Dies dürfte jedoch innerhalb Hamburgs äußerst schwierig werden, denn der zweithöchste Polizist der Hansestadt wird vom Polizeichef mit den Worten entlassen: “Das notwendige Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit” fehle. Wie soll also der so Gefeuerte in eben dieser Hamburger Polizei eine adäquate neue Verwendung finden?

In der Hamburger Polizei heißt es daher, dass Heise bereits selbst die Fühler ausgefahren habe, um sich proaktiv um eine neue Verwendung bei einer Bundesbehörde zu bemühen. Genannt wird auch der Bundesnachrichtendienst (BND). Seit seiner Zeit als Chef der Hamburger Hafenpolizei werden Heise zum ehemaligen Ersten Bürgermeister und heutigem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) gute Kontakte nachgesagt. Aus diesem Grunde ist in der Hansestadt auch die Spekulation aufgetaucht, Heise könne beim Zoll eine hochrangige Verwendung finden. Ebenfalls ungewöhnlich ist die Ankündigung der Hamburger Innenbehörde, die Neuausschreibung der Stelle des LKA-Direktors bundesweit durchzuführen. Dies läge, so Hamburger Polizeiquellen, auch daran, dass in der Hansestadt in den nächsten Jahren altersbedingt zahlreiche Führungskräfte den Dienst verlassen würden.

Einige Namen im Gespräch

Dennoch werden einige Namen gehandelt. So gilt der aktuelle LKA-Vize-Chef und ehemalige Pressesprecher Mirko Streiber als möglicher Kandidat, ebenso Heises ehemalige Stellvertreterin Kathrin Hennings, die derzeit die Abteilung Öffentliche Sicherheit der Innenbehörde leitet. Auch im Rennen um eine Heise-Nachfolge ist Kriminaldirektor Jan Hieber. Er hat die Fahndung nach den G20-Randalierern als Chef der entsprechenden Sonderkommission vehement vorangetrieben und sich damit einen Namen gemacht.

Wie die Hamburger Polizeiführung nun mit dem Umstand umgeht, dass die Stelle bundesweit ausgeschrieben werden soll und gleichzeitig einige Spitzenbeamte aus der eigenen Behörde als Nachfolger genannt werden, scheint noch nicht spruchreif zu sein. Hinter den Kulissen wurde reichlich telefoniert und aus Wiesbaden gab es dann den Vorschlag: “Wer sich selbst bewirbt auf diese Position, sollte schon mal besonders kritisch gesehen werden!”

Wie bei solchen schon fast spektakulären Personalien üblich werden jede Menge Gerüchte gestreut. Sie sollen hier nicht weiter Erwähnung finden sollen, außer die Tatsache, dass an der Gewichtigkeit einer neuen Personalie des LKA Hamburgs auch die Wertigkeit der Hamburger Kriminalisten gegenüber der Polizei insgesamt gemessen werden könnte.

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