Jeder Zweite im Öffentlichen Dienst erfährt Übergriffe

0
387
Der DBB-Bundesvorsitzende Silberbach warnt vor Verrohrung der Gesellschaft und fordert mehr Personal für den Öffentlichen Dienst. (Foto: dbb/Marco Urban)

Über die Hälfte der Bevölkerung sieht den Staat in seiner Aufgabenerfüllung überfordert. Das ergibt die jährliche Befragung des DBB Beamtenbund und Tarifunion über die Bürgerwahrnehmung des Öffentlichen Dienstes und seiner Leistungen. Der diesjährige Sonderteil zeigt, dass die Mehrheit eine Verrohung der Gesellschaft sieht.

83 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass der Umgang untereinander rücksichtsloser und brutaler wird. In diesem Zusammenhang hat circa ein Viertel schon einmal einen Übergriff auf öffentlich Bedienstete beobachtet. Obwohl die wahrgenommenen Angriffe vorwiegend verbaler Natur sind, wurden zusammengefasst 50 Prozent der Befragten bereits Zeuge eines körperlichen Übergriffes. Besonders betroffene Personengruppen sind Polizisten, Rettungskräfte, Feuerwehrleute und Bus- als auch Bahnfahrer.

“Es ist höchste Zeit zum Handeln. Wenn wir die Brutalisierung unserer Gesellschaft stoppen und die Kolleginnen und Kollegen im Öffentlichen Dienst schützen wollen, brauchen wir dringend ein umfassendes Investitionsprogramm Sicherheit im Dienst”, fordert der DBB-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach im Hinblick auf die Zahlen. Außerdem werde mehr Personal für Justiz und Sicherheit benötigt. Der Paragraf 78a des Bundesbeamtengesetzes solle auf Beleidigungstatbestände und alle Beschäftigten im Öffentlichen Dienst ausgeweitet werden, um Fehlverhalten sanktionieren zu können. Darüber hinaus sollten nach Silberbach flächendeckende Ombudsleute als Anlaufstelle für Betroffene eingeführt werden und für mehr Transparenz ein bundes- oder landesweites Register für Übergriffe.

Bürger sehen den Staat überfordert

Rund 60 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass der Staat bei der Erfüllung seiner Aufgaben überfordert ist. Besonders betroffen seien die Bereiche Bildung, Migration und innere Sicherheit. In der Bildung fordert Silberbach klar mehr Personal, um etwa den Anforderungen der Grundschulen gerecht zu werden. Das bisherige “Kaputtsparen” müsse aufhören, um die Performance des Staates zu verbessern und das Vertrauen der Bürger wiederzugewinnen. Dennoch sind die Befragten mit ihrem letzten Behördengang überwiegend zufrieden (60 Prozent). Ebenfalls vorwiegend positiv wahrgenommen werden die Eigenschaften der Beamten wie etwa Pflichtbewusstsein (71 Prozent) und Verantwortungsbewusstsein (66 Prozent), die jedoch im Vergleich zu den Vorjahren gesunken sind. Dahingegen ist die Wahrnehmung der negativen Eigenschaften wie Sturheit (45 Prozent) tendenziell unverändert blieben. Ebenfalls gesunken ist das Ansehen der einzelnen Berufsgruppen. An der Spitze stehen unverändert Feuerwehrleute.  

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here