Landeshauptstadt München baut eigene IT-Beratungskompetenz auf

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Thomas Bönig, Chief Digital Officer (CDO) der Landeshauptstadt München, ist auch Geschäftsführer der kürzlich gegründeten stadteigenen IT-Beratungsgesellschaft digital@M. (Foto: Landeshauptstadt München)

Die Landeshauptstadt München hat vor Kurzem eine eigene IT-Beratungsgesellschaft gegründet: die digital@M GmbH. Thomas Bönig, IT-Referent und Chief Digital Officer (CDO) der Landeshauptstadt, ist nun gleichzeitig Geschäftsführer des neuen kommunalen Unternehmens. Mit ihm sprach der Behörden Spiegel u. a. über die Motivation für die Gründung von digital@M, die zu erwartenden Vorteile und die Zielsetzungen der neuen Beratungsgesellschaft. Das Interview führte Guido Gehrt.

Behörden Spiegel: Warum braucht München eine eigene kommunale Inhouse-Beratungsgesellschaft?

Bönig: Der Stadt München fehlte bereits im Jahr 2015 für dringende und wichtige Aufgaben in der IT und Digitalisierung eine größere Anzahl an IT-Spezialistinnen und -Spezialisten. Diese Aufgaben wurden daher in größerem Umfang durch externe Beraterinnen und -Berater abgedeckt, was auf Dauer strategisch und kostenmäßig unvorteilhaft für die Landeshauptstadt München war bzw. ist. Deshalb haben wir uns entschlossen, eine eigene Beratungsgesellschaft zu gründen und diese am IT-Referat anzusiedeln.

Behörden Spiegel: Wo liegen die größten Vorteile?

Bönig: Zum einen können wir so die Kosten für externe Beratung erheblich senken, zweitens sind die Projekte mit unseren eigenen Beraterinnen und Beratern deutlich effizienter, weil stadtspezifisches Know-how aufgebaut wird, das Beratungswissen in der GmbH verbleibt und die Ansprechpersonen nicht so häufig variieren. Langwierige Einarbeitungszeiten entfallen und wir sind deutlich agiler, weil der Einsatz der neuen Spezialistinnen und Spezialisten, Beraterinnen und Berater direkt, zum Beispiel anhand der Priorisierung von Themen, gesteuert werden kann. Langwierige Abstimmungsprozesse mit Outsourcing-Partnern entfallen.

Behörden Spiegel: In welchem Ausmaß möchte man durch digital@M zukünftig den Einsatz externer Beraterinnen und Berater zurückführen? Wird es nicht auch vielfach Projekte geben, in denen digital@M mit diesen zusammenarbeitet?

Bönig: Die Landeshauptstadt München wird auch weiterhin auf Unterstützung durch externe Beraterinnen und Berater setzen und angewiesen sein. Es ist jedoch so, dass externe Beratungsunternehmen dazu neigen, Beraterinnen und Berater regelmäßig auszutauschen. Hier kommt die digital@M ins Spiel: Insbesondere bei Projekten, deren Erfolg an der Verfügbarkeit von Expertinnen/Experten hängt, ist es unsere Stärke und Verpflichtung, die jeweiligen Beraterinnen und Berater stärker an die Landeshauptstadt München zu binden. Natürlich ist dabei eine projektbezogene Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt, der digital@M und externen Beratungsunternehmen auch möglich. Es ist jedoch nicht geplant, dass die digital@M selbst externe Beratungen beauftragt, die Beauftragung erfolgt immer über die Landeshauptstadt.

Behörden Spiegel: Wie viele Beschäftigte arbeiten derzeit für digital@M? Welche Personalstärke wird zukünftig angestrebt bzw. erforderlich sein, um die vielfältigen Aufgaben zu erfüllen?

Bönig: Ende Juli 2019 waren es bereits neun Beraterinnen und Berater, wir wollen weiter organisch wachsen und bekommen über unser Netzwerk sehr viele gute Bewerbungen – wir müssen auch weiter wachsen, um die ganze Breite der Beratungsaufgaben abdecken zu können, von A wie Antrag-Online bis Z wie digitaler Zwilling (zur Digitalstrategie der Landeshauptstadt München siehe auch: https://muenchen.digital/digitalisierungsstrategie.

Behörden Spiegel: Wie wollen Sie angesichts des Fachkräftemangels und des starken Wettbewerbs am Standort München zukünftig ausreichend Personal für digital@M gewinnen?

Bönig: Wir suchen nicht nur klassisch wie durch Stellenanzeigen, Messen oder Onlineportale, sondern auch über persönliche Kontakte oder Empfehlungen. Wir haben inzwischen ein großes Kontakt-Netzwerk und einige der ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zum Beispiel über eine persönliche Ansprache gefunden worden oder auch, weil sie sich initiativ bei uns gemeldet haben. Für Beraterinnen und Berater mit Lebensschwerpunkt in München sind wir sehr attraktiv. Wir bieten anspruchsvolle Projekte, eine gute Work-Life-Balance und ein verantwortungsvolles sowie hochwertiges Umfeld. Wir sind eine moderne, leistungsfähige Arbeitgeberin mit hoher Sicherheit und der Möglichkeit, sich optimal entwickeln zu können.

Behörden Spiegel: Warum hat man sich für das Modell einer GmbH entschieden? Wie läuft die Finanzierung?

Bönig: Das GmbH-Modell ermöglicht es, Beraterinnen und Berater für Aufgaben in der Landeshauptstadt München zu gewinnen, die für sich eine höhere Flexibilität und Teilhabe an der Unternehmensentwicklung einfordern. Weiterhin ermöglicht es die GmbH, den Expertinnen und Experten attraktive Bedingungen zu bieten, die dem Markt entsprechen.

Behörden Spiegel: Ist es denkbar resp. geplant, dass das Unternehmen seine Beratungsdienstleistungen zukünftig auch anderen Kommunen anbietet?

Bönig: Momentan konzen­trieren wir uns in der Beratung auf die Digitalisierungs-Themen der Landeshauptstadt München. Die kommunalen Themen zur Digitalisierung ähneln sich im hohen Maße – denkbar ist die Ausweitung unserer Beratung zukünftig auch auf andere bayerische Kommunen und eine engere Zusammenarbeit mit dem Freistaat Bayern.

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