BKG will mehr Zusammenarbeit

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Hat großes Interesse an der Nutzung offener Daten: Prof. Dr. Paul Becker, Präsident des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG). (Foto: BS/BKG)

Prof. Dr. Paul Becker ist seit April Präsident des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG) mit Sitz in Frankfurt am Main. Was ihn an der neuen Position reizt und was er dort bewegen möchte, war u.a. Gegenstand eines Interviews, welches er Behörden Spiegel-Redakteur Guido Gehrt gab.

Behörden Spiegel: Sie sind seit Anfang April Präsident des BKG. Was hat Sie gereizt, sich dieser neuen Aufgabe zu stellen?

Becker: Verschiedenes. Zu allererst waren es natürlich die Aufgaben des BKG, die mir aus meinen ehemaligen Funktionen als Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und als Geoprincipal für Deutschland z. T. sehr gut bekannt waren und mich auch interessiert haben. Das BKG war für mich in dieser Zeit immer ein wichtiger und verlässlicher Partner. Großes Interesse habe ich z. B. daran gehabt, Geodaten ressortübergreifend und interdisziplinär darstellen zu können. Das treibt mich immer noch um. Bezüglich der Nutzung von Wetter- und Klimainformationen war und ist dieser Anspruch natürlich besonders ausgeprägt.

Ein Beispiel zeigt den Nutzen solcher Verschneidungen. Wenn wir z. B. über die Starkregengefahr in Deutschland sprechen, also hohe Niederschläge auf kleinem Gebiet in kurzer Zeit, dann will man wissen, wo das Wasser hinläuft, um entsprechende Maßnahmen auch präventiv ergreifen zu können. Wenn man hier räumlich hoch aufgelöste Topografien als homogenisierte Karte von ganz Deutschland mit Niederschlagsinformationen zusammenfügt, hat man einen echten Mehrwert für Katastrophenschutzbehörden wie etwa das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) oder die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW).

Natürlich war es aber auch mit Blick auf die eigene Laufbahn konsequent, dass man als Vizepräsident im nächsten Schritt einer Behörde als Präsident vorstehen möchte.

Behörden Spiegel: Was wünschen Sie sich generell im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den Ländern?

Becker: Die Zusammenarbeit mit den Ländern ist von essenzieller Bedeutung, denn sehr viele unserer Daten werden durch die Länder gewonnen. Der Ausbau der Zusammenarbeit mit den Ländern liegt mir aber nicht nur deshalb am Herzen. Insbesondere im Bereich des Smart Mappings möchte ich die Zusammenarbeit wieder intensivieren und unsere Erfahrungen, die wir mit dem TopPlus-Verfahren gemacht haben, aktiv einbringen.

Behörden Spiegel: Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang offene Daten?

Becker: Ich fühle mich der Open-Data-Politik der Bundesregierung verpflichtet. Das BKG hat hieran ein großes Interesse. Aber die Länder, das muss man auch akzeptieren, sind dort z. T. in einer schwierigen Lage. Manche Länder haben Open Data, andere noch nicht. Ich bin schon der Überzeugung, dass wir über kurz oder lang Open Data in allen Ländern haben werden. Aber in der Zwischenzeit müssen wir Lösungen finden, auch unter den gegebenen Rahmenbedingungen gemeinsame Produkte anzubieten, die dann natürlich auch nicht immer kostenfrei sein können.

In dem Kontext der offenen Daten müssen wir uns auch Gedanken machen, wie wir z. B. mit OpenStreetMap, also von Nichtregierungsorganisationen gewonnenen Daten, umgehen. Ich möchte, dass wir diese Daten, die in großer Zahl vorhanden und schnell verfügbar sind, vermehrt nutzen. Die Menschen, die sich dort engagieren, sind hoch motiviert. Man darf diesen Datenschatz nicht ungenutzt liegenlassen. Eine zentrale Herausforderung bei diesen Daten ist sicherlich die Qualitätskontrolle. Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir dort Qualitätskontrollen durchführen und diese Information ggf. auch an die Community zurückgeben. Ich werde in jedem Fall den Kontakt suchen, um diese Daten sinnvoller einzubinden, als dies bislang der Fall ist.

Behörden Spiegel: Welche He­rausforderungen stehen bei Ihnen darüber hinaus in der nächsten Zeit auf der Agenda?

Becker: Nur ein paar Beispiele: Eine zentrale Aufgabe ist der Ausbau des Geoportals Deutschland und der Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE), um gemeinsam mit den Bundesländern den webbasierten Zugang zu allen Geodaten der Verwaltung zu verbessern.

Dies ist bislang sicherlich noch nicht optimal gelöst. Hieran werden wir intensiv arbeiten. Besonders spannend wird auch der neue Satellitengestützte Krisen- und Lagedienst (SKD). Damit wollen wir im Fall von Naturkatastrophen oder anderen Krisensituationen alle Einrichtungen des Bundes in jeder Situation mit topografischen Geodaten in Kombination mit Informationen aus Satellitensensoren versorgen. Auch bei der Weiterentwicklung der Positionierungsdienste werden wir stark engagiert sein. Dies ist für zahlreiche Fragestellungen relevant (z. B. Meeresspiegelanstieg, Autonomes Fahren). Dazu wollen wir u. a. das geodätische Observatorium in Wettzell weiter entwickeln.

Grundsätzlich ist unsere Arbeit aber auch nicht auf Deutschland begrenzt, denn viele Mehrwerte lassen sich erst im Wege der internationalen Zusammenarbeit schaffen. Eine Vertiefung der Kooperation mit Frankreich, Österreich und der Schweiz, aber auch mit Ländern wie Argentinien etc. liegt mir daher sehr am Herzen und wird zukünftig sicherlich noch weiter an Bedeutung gewinnen. Hier werden wir uns noch weiter öffnen.

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