In Maßen digitalisieren

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Chancen nutzen, Risiken einpreisen und analoge Fähigkeiten aufrechterhalten: So stellten sich Teilnehmer einer Expertenrunde die Herangehensweise an die Digitalisierung im Katastrophenschutz vor. (Foto: BS/Giessen)

Was sich digitalisieren lässt, wird digitalisiert. Das geflügelte Wort gilt auch im Zivil- und Katastrophenschutz. Das darf aber nicht zum Selbstzweck forciert werden. Darüber bestand Einigkeit in einer Expertenrunde zum Thema auf dem Katastrophenschutzkongress des Behörden Spiegel.

Drohnen und Roboter für Transport, Erkundung und Rettung, Virtual Reality-Brillen zum Üben besonderer Gefahrenlagen oder Smarte Kleidung, die Informationen über Temperatur, Sauerstoffgehalt oder Konzentration von Gefahrenstoffen verarbeitet: Mit technischen Innovationen sind große Chancen verbunden. Die sollen auch genutzt werden, forderte Albrecht Broemme, Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW). “Wir müssen dabei jedoch aufpassen, dass wir nicht an einigen Stellen ohne Netz und doppelten Boden arbeiten.” Datensicherheit und Datenschutz sollten nicht als Bremse gesehen werden. “Es ist immer ratsam, diese absolut notwendigen Aspekte von vornherein zu berücksichtigen, anstatt funktionierende Systeme hinterher den Anforderungen anpassen zu wollen”, so der THW-Präsident.

Dem schloss sich auch Dr. Monika John-Koch an. “Integrität und Sicherheit von Daten sind das Backbone des Katastrophenschutzes. Fehler und Vorfälle können Lagen verschärfen”, so die Leiterin des Referats Strategie KRITIS, Cyber-Sicherheit KRITIS im Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenhilfe (BBK). Da Fehler aber grundsätzlich nicht auszuschließen seien, votierte John-Koch dafür, im Zuge der Digitalisierung auch “analoge Fähigkeiten” aufrechtzuerhalten. Wenn wegen eines Sicherheitsvorfalls oder Infrastrukturausfalls bei Zivilschutzorganisationen kein Zugriff auf Daten mehr möglich sei, könnten Aufgaben nicht mehr wahrgenommen werden. “Solche Situationen müssten auch geübt und entsprechende Notfallkonzepte erarbeitet werden”, schlug die Referatsleiterin vor. Eine sinnvolle Maßnahme sei es, entscheidende Dokumente und Kontaktdaten wichtiger Ansprechpartner auf Papier in der Schublade liegen zu haben. So könne im Ernstfall zumindest Unterstützung geholt und alarmiert werden.

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