“Kein bezahlter Abenteuerurlaub“

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Dem äußeren und inneren Frieden dienen: Innenminister Herbert Reul mit Teilnehmern internationaler Polizeimissionen. (Foto: Jochen Tack / IM NRW)

Am 12. Oktober 1994 – rund fünf Jahre, nachdem sich Beamte des Bundesgrenzschutzes zum ersten Mal im Rahmen eines internationalen Einsatzes in Namibia beteiligt hatten – traf das erste Kontingent der deutschen Landespolizei im jugoslawischen Mostar ein. Unter ihnen: 20 Polizisten aus Nordrhein-Westfalen. Das inzwischen 25 Jahre zurückliegende Ereignis gilt als Auftakt der weltpolitischen Mission deutscher Landespolizisten zur Wahrung humanitärer Lebensbedingungen. Seither hat sich die Dringlichkeit für den Einsatz in Krisengebieten sogar noch erhöht, wie Innenminister Herbert Reul im Rahmen der Jubiläumsfeier im Bonner Haus der Geschichte hervorhob. Problematisch sei demgegenüber jedoch noch immer die mangelnde Anerkennung in der Heimat.  

Seit nunmehr 25 Jahren beteiligt sich Nordrhein-Westfalen an internationalen Polizeimissionen, u.a. an Einsätzen der Vereinten Nationen (UN), der Europäischen Union (EU) und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Was inzwischen in einem globalen Maßstab stattfindet – in Kambodscha, Afghanistan oder der Sahara –, begann in der Hauptstadt Herzegowinas, wo im Jahr 1994 das erste Kontingent deutscher Landespolizisten ankam. Von den 35 Einsatzkräften, die im damaligen Krisengebiet ihren Posten bezogen, stammten 20 aus Nordrhein-Westfalen. Damit leistete NRW schon damals den größten Personalbeitrag unter den Ländern.  

Im Ländergleich liegt NRW vorne

Noch heute zählt NRW zu den größten Kontingentstellern im bundesdeutschen Vergleich: Rund 1.400 Polizistinnen und Polizisten beteiligten sich bis zum Jahr 2018 an internationalen Missionen, in jüngster Zeit vor allem im Rahmen der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex). “Als global vernetztes Land muss Deutschland seine Verantwortung im internationalen Kontext wahrnehmen und für ein Leben in Würde und Frieden einstehen”, meint Herbert Reul, Innenminister des Landes NRW. Dieser Auftrag sei in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Nicht zuletzt die zunehmend außer Kontrolle geratenen Migrationsbewegungen haben gezeigt, dass Fluchtgründe bereits in den Heimatländern der Betroffenen abgebaut werden müssten. Auch Nordrhein-Westfalen leiste seinen Beitrag und habe seine Anstrengungen durch entsprechende Maßnahmen verstärkt.     

Trotz Rückerschlägen weitermachen

Zwar habe man auch einige Rückschläge erfahren, zuletzt beim Anschlag auf den Green-Village-Komplex in Afghanistan, doch dürfe das kein Grund zur Entmutigung sein, sagte Dieter Wehe, ehemaliger Inspekteur der Landespolizei NRW. Im Gegenteil, trotz aller Widrigkeiten haben man sich daher auch bei Bund und Ländern darauf geeinigt, die Mission zunächst fortführen zu wollen. Wichtig in der aktuellen Situation sei es, sich auf die Personalstärkung zu konzentrieren und bei den Qualifizierungsformaten für den Auslandseinsatz nachzubessern. “Wenn wir wollen, dass Polizistinnen und Polizisten aus NRW in verantwortungsvolle Posten vorrücken, muss das entsprechend gefördert werden“, setzt Wehe, der seit 2002 der Arbeitsgruppe Internationale Polizeimissionen (AG IPM) vorsteht, hinzu. In dieser Frage seien Bund und Länder gleichermaßen gefordert. Allerdings sei inzwischen spürbar, dass die Widerstände allmählich abnähmen.

Zum Abschluss mahnende Worte

Mahnende Worte kamen auch vom Innenminister, der einen Mentalitätswechsel in der Behördenleitung forderte: Statt den Freiwilligen Steine in den Weg zu legen, müsse ihnen der Rücken gestärkt werden. Zwar leide man vielerorts an Personalknappheit, doch könne das kein Grund sein, eine so wichtige Aufgabe zu vernachlässigen. Die Freistellung für den Einsatz im Ausland dürfe nicht nur als Verlust betrachtet werden, auf lange Sicht bedeute sie vielmehr einen Gewinn, da die Polizistinnen und Polizisten mit einem Erfahrungsschatz heimkehrten, den man sich hierzulande nicht aneignen könne. Kulturelle und sprachliche Kompetenzen ebenso wie eine erhöhte Stressresistenz seien für den Einsatz auf Deutschlands Straßen eine nicht zu unterschätzende Bereicherung. “Wir müssen uns von der Vorstellung freimachen, der Einsatz im Ausland sei bezahlter Abenteuerurlaub. In Zeiten einer global vernetzten Welt bedeuten stabile Verhältnisse in anderen Erdteilen auch ein Mehr an Sicherheit für Deutschland und Nordrhein-Westfalen“, appelliert Reul an die Behörden.   

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