Trumps Zickzack-Kurs in Syrien

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Ein Bild aus besseren Tagen der amerikanisch-kurdischen Beziehungen: Ein kurdischer Dorfältester demonstriert seine Englischkenntnisse gegenüber einem Angehörigen der 1. US-Kavalleriedivision. (Foto: BS/U.S. Army)

Die erwartete bzw. befürchtete Militäroffensive der Türkei gegen kurdische Milizen in Nordsyrien hat begonnen. Zuvor hatte sich Präsident Erdogan bei einem Gipfeltreffen Mitte September mit den wichtigsten Verbündeten des syrischen Machthabers Assad – Russland und der Iran – angenähert. Offizielles Ziel der türkischen Operation soll die Einrichtung einer mehrere Hundert Kilometer breiten “Sicherheitszone” auf syrischem Gebiet bis zur irakischen Grenze zur Aufnahme von Millionen von syrischen Flüchtlingen aus der Region sein.

Das Weiße Haus gab zunächst bekannt, dass die dort operierenden US-Truppen im Falle eines türkischen Vormarsches Platz für die Truppen des anatolischen NATO-Partners machen würden. Das hieße aber auch, die bisherigen kurdischen Verbündeten fallen zu lassen. Präsident Donald Trump schien – zumindest zunächst – einer Wiederannäherung an die Erdogan-Regierung in Ankara einen höheren geopolitischen Stellenwert beizumessen.

Daraufhin erhob sich ein Sturm der Entrüstung – nicht nur bei den oppositionellen Demokraten, sondern auch bei führenden Republikanern. So kritisierte zum Beispiel Nikki Haley, ehemalige UN-Botschafterin der Trump-Administration, die Ankündigung des Präsidenten scharf. Die USA würden ihre Verbündeten zurücklassen und dem sicheren Tod ausliefern.

Plötzlich stieß Trump dann wütende Drohungen gegen die türkische Wirtschaft aus, ohne allerdings klar festzulegen, wie seine “rote Linie” aussieht.

Kurdische Peschmerga waren die wichtigsten “boots on the ground” beim militärischen Sieg einer internationalen Allianz über die sunnitische Terrormiliz des sogenannten “Islamischen Staates” (IS) in Syrien und im Irak.

In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass Bundeswehr-Soldaten aktiv an der Ausbildung irakischer Peschmerga und von irakischen Regierungstruppen beteiligt sind.

Nach den Terroranschlägen in Paris von Mitte November 2015 hatte der Bundestag schon Anfang Dezember beschlossen, Frankreich und die internationale Koalition gegen den “Islamischen Staat” auch militärisch zu unterstützen.

Die Vereinigten Staaten haben ohnehin schon ein schweres “Standing” in der Region des Nahen und Mittleren Ostens: zum einen wegen der Unterstützung Israels, zum anderen wegen des Einmarsches in den Irak im Jahr 2003. Sollten sie nun die Kurden ihrem Schicksal überlassen, wäre jeder Rest an Kooperationsbereitschaft mit Partnern vor Ort dahin.

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