Fernerkundung im Katastrophenschutz sehr hilfreich

0
467
Die Auswertung von durch Satelliten produzierten Daten kann für die Behörden des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes einen erheblichen Mehrwert haben. Dafür ist es aber erforderlich, dass aufseiten der Behörden auch ausreichend geschultes Personal vorhanden ist. Dies ist noch nicht flächendeckend der Fall. (Foto: Apfelauge, Public Domain Mark 1.0, www.flickr.com)

Die Erderkundung mithilfe von Satelliten trägt zu einer effektiven Frühwarnung vor Großschadensereignissen bei. Durch die Auswertung der entsprechenden Daten und Bilder können unter anderem Hochwässer und Waldbrände frühzeitig erkannt und bekämpft werden. Besonders hilfreich ist das Copernicus-Programm der Europäischen Union.

Dies unterstreicht Prof. Dr. Martin Socher, Referatsleiter im sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium. Das Programm biete Behörden des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes zwei Angebote. Zum einen gebe es das “Rapid Mapping”. Dabei handelt es sich um die Bereitstellung von Karteninformationen innerhalb von Stunden oder Tagen. Zum anderen existiere das “Risk-and-Recovery Mapping”. Hier würden anhand von Satellitendaten aufbereitete und geprüfte Informationen innerhalb von Wochen oder Monaten zur Verfügung gestellt.

Im Freistaat Sachsen werde auf die Copernicus-Unterstützung vor allem zur Analyse von Hochwasserlagen zurückgegriffen. Die Anwendung sei sehr gut nutzbar und biete durch die kostenfreie Nutzung von Satellitendaten ein hohes Potenzial an Erkenntnisgewinn. Außerdem ermögliche sie die flächige Erfassung von Umweltinformationen sowie die grenzüberschreitende Analyse zur zeitlichen und räumlichen Entwicklung eines Hochwassers, so Socher. Des Weiteren könnten mithilfe von Copernicus das Hochwasser-Risikomanagement, die Raumordnung und der Katastrophenschutz unterstützt werden.

Noch Nachholbedarf

Fernerkundung bringe für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) allerdings nur dann Vorteile mit sich, wenn dort auch Personal vorhanden sei, das die entsprechenden Informationen und Daten auch effektiv und angemessen auswerten könne, gibt Sven Dunkel zu bedenken. Aus Sicht des Leiters der Gefahrenabwehr- und Einsatzplanung bei der Branddirektion Frankfurt am Main ist diese Voraussetzung jedoch noch nicht bei allen deutschen Feuerwehren erfüllt.

Starkregenrisikomanagement zwingend erforderlich

Als eine weitere Herausforderung für die Feuerwehren neben ausreichend geschultem Personal für die Auswertung von Satelliten- und anderen georeferenzierten Daten macht Florian Kerl vom sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie kommunale, kleinteilige Starkregenereignisse aus. Um diesen wirksam begegnen zu können, brauche es zwingend ein Starkregenrisikomanagement. Dabei handele es sich um einen zyklischen Prozess, bestehend aus den Elementen Vorsorge, Situationsbewältigung und Nachsorge.

Die Folgen solcher Niederschläge könnten nur im Zusammenwirken verschiedener Akteure gemeistert werden. Es handele sich um eine kommunale Gemeinschaftsaufgabe, meint Tilo Sahlbach von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig. Das Besondere an ihnen seien zudem die sehr kurze Vorwarnzeit und die nur bedingt vorhandene Möglichkeit zur effektiven Vorhersage, unterstreicht Dr. Andy Philipp vom sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Um hier dennoch möglichst gut warnen zu können, habe seine Behörde ein System entwickelt, das speziell auf kleine Einzugsgebiete (weniger als 200 Quadratkilometer) zugeschnitten sei.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here