Zum 50jährigen ein Appell

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"Noch dicke Bretter zu bohren": Anlässlich des 50. Jubiläums debattierten Mitglieder des BDK über die künftigen Herausforderungen der Kriminalpolizei, hier Hermann-Josef Borjans (links) und Axel Voss (rechts). (Foto: BS/Petersdorff)

Vor 51 Jahren, im September 1968, löste sich eine Gruppe unzufriedener Kriminologen aus der Gewerkschaft der Polizei (GdP), um mit dem Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) eigene Wege zu gehen. Ein Jahr später gründete sich der Bezirksverband Bonn, der in diesem Jahr sein Jubiläum feiert. Ob nun mit Blick auf Tarifstreitigkeiten oder die Rahmenbedingungen polizeilicher Arbeit – bis heute habe man viel erreicht, resümiert Hermann-Josef Borjans, Bezirksvorsitzender des BV Bonn. Mit der Digitalisierung und dem demographischen Wandel ständen allerdings bereits neue Herausforderungen ins Haus, der man sich zwingend annehmen müsse, um auch in Zukunft effektive Prävention und Opferschutz leisten zu können.

Als sich 1969, zeitgleich mit der ersten Mondlandung, der Bezirksableger des BDK in Bonn formierte, galt das Profil des kriminalpolizeilichen Staatschutzes als eine klar definierte Tätigkeit mit dem Ziel des Opferschutzes und der Prävention. Seine Wirkstätte: die Straße. Die Herausforderungen mögen noch immer die gleichen sein, merkt Borjans an, das Tätigkeitsprofil des Kriminalbeamten hingegen hätte sich jedoch stark geändert. Anders als vor 50 Jahren habe man es inzwischen nicht mehr ausschließlich mit Straßenkriminalität zu tun. Auch das Vorgehen der Delinquenten habe sich über die Jahre hinweg angepasst und im Zuge der Digitalisierung allmählich ins Netz verlagert. Daher der Appell: Den Themen Digitalisierung und Cybercrime müsse in Zukunft ein sehr viel größeren Raum eingestanden werden.

Auf aktuelle Herausforderungen reagieren

Dass man derzeit eine kulturelle Phasenverschiebung erlebe, betont auch Axel Voss, Abgeordneter und rechtspolitischer Sprecher der EVP im europäischen Parlament: “Obwohl wir schon längst in einer Art Science-Fiction-Szenario angekommen sind, hinken wir mental noch immer hinterher. Vorbei sind die Zeiten, da nationale Hoheitsansprüche tonangebend in der Kriminalitätsbekämpfung sein können. Was wir brauchen, sind unstrittige rechtliche Grundlagen, die grenzüberschreitende Aktivitäten im innereuropäischen Ausland ermöglichen. Das betrifft den Datenaustausch genauso wie die Zugriffsmöglichkeiten vor Ort.” Doch sei die Justierung des rechtlichen Rahmens nur die eine Seite der Medaille, die andere beträfe die Digitalisierung ganz unmittelbar. Um mit der Zeit zu gehen, müsse die Kriminalpolizei in die neue IT-Landschaft hineinwachsen. Andernorts, etwa in den USA, wo ein digitales Schusserkennungssystem (Shot Spotter) in den Innenstädten eingesetzt würde, sei man bereits sehr viel weiter. Gefordert sei in diesem Fall vor allem die Politik, die in Zukunft weit mehr Geld in die Hand nehmen müsse, um der Herausforderung entgegentreten zu können, so Voss.  

Neue finanzielle Modelle 

Nachbesserungsbedarf bestehe etwa beim Gehalt, wo der Öffentliche Dienst dem Konkurrenzdruck durch die Privatwirtschaft meist nicht viel entgegenzusetzen habe. “Um in Zukunft mithalten zu können, ist es dringend erforderlich, dass wir bei den Gehaltsstrukturen nachgreifen und den Lohn nach oben hin korrigieren. Der Öffentliche Dienst muss auch für junge IT-Experten ein attraktiver Arbeitgeber werden”, erklärt Ursula Brohl-Sowa, Polizeipräsidentin der Stadt Bonn, die Problemlage. Entsprechende Schritte müssten allerdings schon bei den Ausbildungs- und Qualifizierungsformaten eingeleitet werden. “Für den Polizisten der Zukunft wird der Umgang mit Daten ebenso zu Arbeitswirklichkeit gehören wie der Dienst auf der Straße”, heißt es vom stellvertretenden Landesvorsitzenden der BDK NRW, Helmut Adam. Umso wichtiger sei es daher, schon jetzt auf die Veränderungen innerhalb des Berufsbildes zu reagieren und IT in das Curriculum mitaufzunehmen.

Generationeller Umbruch steht bevor

Doch nicht nur bei IT-Fachkräften bestehe ein akuter Mangel, überhaupt leide man bei der Polizei an fehlendem Personal, lautet es aus dem Präsidium der Stadt Bonn, wo der Altersdurchschnitt inzwischen bei über 50 Jahren liegt – auch in der Direktion Kriminalität. Was man benötige, sei nicht nur ein quantitativer Zuwachs, sondern auch eine allgemeine Verjüngung; dies umso dringlicher, als ein Generationenwechsel unmittelbar bevorstehe. Ähnliches gelte im Übrigen auch für den BDK, setzt Borjans, der sich im nächsten Jahr in den Ruhestand verabschieden wird, hinzu.

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