Bund verkauft Goldmünze unter Materialwert

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Zwei Tage vor Ablauf der Bestellfrist warb die VfS, die offizielle Verkaufsstelle für Sammlermünzen in Deutschland, auf Facebook mit dieser Anzeige noch für den Verkauf der 100-Euro-Goldmünze 2019 "Unesco Welterbe - Dom zu Speyer", obwohl sie schon zu diesem Zeitpunkt strakt nachgefragt wurde. (Foto: VfS/Screenshot: Facebook)

Der Bund verkaufte bis September eine 100-Euro-Goldmünze, deren Verkaufspreis unter dem Materialpreis lag. Entsprechend hoch war die Nachfrage. Das Bundesverwaltungsamt (BVA), die offizielle Verkaufsstelle für Sammlermünzen des Bundes, kann sie nicht bedienen.

Die Bestellfrist für die 100-Euro-Goldmünze „Dom zu Speyer“ lief am 12. September ab. Die Münze kostete 626,98 Euro. Der reine Goldwert liegt bei rund 680 Euro. Mehr als 50 Euro Gewinn waren also beim Kauf einer Münze drin.

Der Grund: Als der Preis für die 100-Euro Goldmünze 2019 festgelegt wurde, war der Goldpreis noch bei ca. 575 Euro pro Münze. Normal verdient der Staat an jeder 100-Euro-Sammlermünze. Durch den Goldpreisanstieg in den letzten Wochen ist es diesmal für den Bürger gut gelaufen. Der Goldpreis kann aber genauso schnell wieder sinken.

Aufgrund der Bearbeitung der hohen Nachfrage werden die Zahlungsaufforderungen verspätet versendet. Zum 1. Oktober sollten die Sammler die Münze eigentlich in den Händen halten. Doch der Versand könne noch einige Wochen dauern. Man bitte noch um etwas Geduld, hieß es seitens des BVA. Das Finanzministerium hat die Stückzahl auf maximal 175.000 begrenzt. Nachgefragt würden deutlich mehr. Es sei nicht einmal möglich, jedem Besteller eine Münze zukommen zu lassen.

Den Verkaufswert nachträglich korrigieren wollte und konnte das Bundesfinanzministerium nach eigenen Angaben nicht. Es habe das Gold schon lange vor Verkaufsbeginn zum Tagespreis von der Bundesbank beschafft. Maßgebend seien die Beschaffungskosten sagte ein Sprecher des Finanzministeriums gegenüber dem Finanzportal boerse-online.de, das zuerst über den Verkaufsboom berichtete.

Peter Boehringer, Haushaltspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, kritisierte den Verkauf der Sammlermünze. „Es kann nicht sein, dass Bundesbank und Bundesregierung in eifriger Zusammenarbeit die Deutsche Goldreserve still und heimlich immer weiter abschmelzen.” In Zeiten der permanenten Euro-Rettung seien stattdessen Zukäufe von weiterem Gold, dringend angezeigt, wie es neben z.B. Indien und China immer mehr Staaten handhaben würden.

Abverkäufe mehrerer Tonnen Gold seien insbesondere zu Preisen unterhalb des Marktpreises ökonomischer Unfug. “Zum heutigen Stichtag realisiert der Bund bei dieser Gedenkmünze rund acht Millionen Euro zu wenig an Verkaufserlösen. Das starre und bürokratische Kalkulationsmodell erlaubt keine marktgerechte Preisanpassung und führt zu einer Verramschung der Deutschen Goldreserve”, so Boehringer. Zudem sei unverständlich, warum das Gold zur Prägung von Gedenkmünzen nicht regulär am Markt erworben wird. “Warum muss hier Jahr um Jahr die ohnehin zu kleine goldene Währungsreserve der Bundesbank geschmälert werden” wundert sich der Ökonom.

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