Präzise Vereinigung technischer und polizeitaktischer Vorgaben

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Erlangte im Test die höchste Akzeptanz – der Mercedes Benz Vito kompakt. Das Fahrzeug bietet ausreichend Platz für die umfangreiche Ausstattung. Die größere Fahrzeughöhe wurde mit einer modernen, flachen Sondersignalanlage kompensiert. So bleibt das Fahrzeug mit genau zwei Metern Gesamthöhe beispielsweise auch in Tiefgaragen weiterhin einsetzbar. (Fotos: HPT)

Ein schwerer Verkehrsunfall auf der Autobahn oder die Massenschlägerei auf einem Marktplatz: Die Aufgaben der Polizei sind vielfältig. Bei allen Ereignissen steht jedoch ein Aspekt immer im Vordergrund – die Polizei muss schnellstmöglich vor Ort sein. Damit die Kolleginnen und Kollegen dabei sicher und optimal ausgestattet ankommen, verfügt die Hessische Polizei über eine Fahrzeugflotte auf technisch höchstem und aktuellstem Niveau.

Das Hessische Polizeipräsidium für Technik (HPT) garantiert die Realisierung und gewährleistet somit die fortwährende Mobilität der insgesamt circa 4.000 Fahrzeuge der Landespolizei. Hierzu werden dem HPT jährlich etwa 20 Millionen Euro für den Kauf und die Aufrechterhaltung zur Verfügung gestellt. Gemäß den definierten Aussonderungskriterien werden per anno circa 500 Fahrzeuge ausgesondert und bedarfsorientiert ersetzt.

Anforderungen an Mensch und Material gestiegen

Um den eingesetzten Kolleginnen und Kollegen eine Fahrzeugflotte auf dem aktuellsten technischen Niveau zur Verfügung stellen zu können, sind fortwährende und zielführende Anpassungen der Ausstattungen, technischen Parameter und Sicherheitssysteme notwendig und genießen höchste Priorität. In Zusammenarbeit des HPT und den eingesetzten Kolleginnen und Kollegen, Fachlichkeiten, Gremien und Personal und Berufsvertretungen werden taktische und technische Bedarfe stetig evaluiert, entwickelt und fortgeschrieben. Durch die allgemein zunehmende Gefährdung durch extremistische und terroristische Organisationen sind die Anforderungen an den Wach- und Wechselschichtdienst der Polizei erheblich gestiegen und machten eine Anpassung der bereits existierenden Taktiken erforderlich.

So sind in Hessen bereits Notinterventionsteams des Wach- und Wechseldienstes im Einsatz und dank der Zusatzausbildung, ihrer angepassten speziellen Körperschutzausstattung und Bewaffnung in der Lage, diese Bedrohungen unmittelbar zu bekämpfen. Das Hessische Polizeipräsidium für Technik stellte sich neben der Beschaffung der speziellen Ausstattungen und Bewaffnung der Herausforderung, den eingesetzten Kolleginnen und Kollegen ein vollumfänglich technisch und taktisch geeignetes Funkstreifenfahrzeug, unter Einhaltung der aktuellsten technischen Vorgaben und Richtlinien zur TÜV- und Zulassungskonformität, zur Verfügung zu stellen, um langfristige Geeignetheit und Akzeptanz bei den Notinterventionsteams (NIT) zu gewährleisten.

Ladevolumen des bewährten Fahrzeugs ungeeignet

Im Detail stellt die vorangestellte Priorität der NIT-Funktionalität im vollwertigen Funkstreifenwagen hohe Anforderungen an die Auswahl des Fahrzeugtyps und dessen polizeispezifischen Innenausbaus dar. Einerseits muss das Fahrzeug den Anforderungen eines uniformierten Funkstreifenwagens genügen und andererseits die Unterbringung der zusätzlichen NIT-Ausrüstung sowie der neuen Mitteldistanzwaffe (MDW) im Laderaum gewährleisten. Bereits bei den ersten Planungen des HPT stellte sich heraus, dass der jetzige und als normaler Funkstreifenwagen sehr geeignete Opel Zafira diesen zusätzlichen Anforderungen aufgrund des zu geringen Laderaumvolumens nicht genügen konnte.

Nicht nur zur Auswahl des „perfekten“ Fahrzeugtyps und Laderaumausbaus, sondern auch zur schnellstmöglichen sowie zielgerichteten Umsetzung wurde im vierten Quartal 2018 ein dreimonatiger Pilotbetrieb in drei Polizeipräsidien durchgeführt. Eingesetzt wurden beispielhaft sechs Fahrzeuge aus drei unterschiedlichen Segmenten. Dabei handelte es sich um zwei Fahrzeuge Großraum- Van/Ford S-Max, zwei Fahrzeuge Utility klein/VW Caddy sowie zwei Fahrzeuge Utility groß/MB Vito mit drei unterschiedlichen Ordnungssystemen im Heck. Die Fahrzeuge wurden sowohl in Stadtrevieren als auch auf Landdienststellen in enger Abstimmung mit den entsprechenden Fachstellen rotierend eingesetzt.

Im Anschluss an circa 50.000 zurückgelegte Testkilometer erfolgte eine professionelle Evaluierung durch die nutzenden Kolleginnen und Kollegen. Im Ergebnis stellte sich heraus, dass ein Fahrzeug aus dem Segment „Utility groß“ und einem Ordnungssystem, welches nur aus Schubladen und großen Ablageflächen besteht, die Anforderungen erfüllte und zusätzlich die höchste Akzeptanz beim Nutzer erlangte. Durch die Ergebnisse der Evaluierung und Hinweise der Nutzer entwickelte das Hessische Polizeipräsidium für Technik das Pilotfahrzeug vom Typ MB Vito kompakt zum Musterfahrzeug NIT zielführend weiter.

Den Gastbeitrag schrieb Karl-Heinz Reinstädt, Präsident des Hessischen Polizeipräsidiums für Technik.

Wer den gekürzten Gastbeitrag (siehe S. 18f.) sowie das Heft der Modernen Polizei vollständig lesen möchte, findet die Sonderpublikation hier zum Download. Auch die letzte Ausgabe der “Modernen Polizei” ist auf der Webseite des Behörden Spiegel unter dem Reiter “Moderne Polizei” archiviert. Die vierte Ausgabe der Magazinreihe beleuchtet in der aktuellen Ausgabe die Mobilität des Polizeiwesens. Einsatzanforderungen, Effizienz und Zukunftsfähigkeit werfen ein Schlaglicht auf den Status Quo des Fuhrparks der deutschen Einsatzkräfte. Sie versammelt vor allem die Fachbeiträge namhafter Polizei-Experten aus Verwaltung, Politik, Wissenschaft und Industrie, die sich praxisbezogen zur Mobilität des Polizeiwesens äußern.


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