Nachrichtendienstliches Zentrum eingeweiht

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Im ZNAF in Berlin bilden BND und BfV gemeinsam aus. (Foto: BS/Bundesnachrichtendienst)

In Berlin ist das neue Zentrum für Nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung (ZNAF) offiziell eingeweiht worden. Seinen Betrieb aufgenommen hatte es bereits im Oktober vergangenen Jahres. Ziel der Einrichtung von Bundesnachrichtendienst (BND) und Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ist die gemeinsame Ausbildung unter einem Dach.

Dies gilt sowohl für die Laufbahnausbildungen des mittleren als auch für die des gehobenen und des höheren Dienstes. Das ZNAF gilt als Herzstück der Personalentwicklung beider Dienste. Dort soll das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen dienstespezifischen Aufgaben und Arbeitsweisen gefördert werden. Der Unterricht der Auszubildenden und Studierenden erfolgt sowohl getrennt nach der Zugehörigkeit zu BND oder BfV als auch gemeinsam. Dies ermöglicht – je nach geplanter späterer Verwendung – unterschiedliche Schwerpunktsetzungen. So weisen etwa die Ausbildung oder das Studium für eine künftige Arbeit im BND einen stärkeren Sprachbezug auf als jene für eine spätere Verwendung im BfV.

Vorbehalte abbauen

Zugleich ermöglicht es dieser Ansatz, dass die Auszubildenden und Studierenden am Ende ihrer Zeit am ZNAF auch die Aufgaben und Arbeitsweisen des jeweils anderen Dienstes kennen. Dies solle auch zu einem Mentalitätswechsel beitragen, hieß es. Schließlich gebe es in Teilen beider Nachrichtendienste immer noch Vorbehalte gegen eine gemeinsame operative Ausbildung.

Weitere Ziele, die mit der Einrichtung des ZNAF einhergehen, sind die Verschränkung von Theorie und Praxis durch eine praxisorientiere und theoretisch fundierte Ausbildung, die Schaffung einer Plattform für den Austausch des nachrichtendienstlichen Nachwuchses und das Leisten eines Beitrages zur konzeptionellen Weiterentwicklung von BND und BfV. Das ZNAF versteht sich dabei selbst als Dienstleister für die beiden Nachrichtendienste.

Noch nicht alle Professuren besetzt

Die Einrichtung, deren Fach- und Rechtsaufsicht von Bundesinnenministerium (BMI) und Bundeskanzleramt gemeinsam wahrgenommen wird, wird durch einen Mitarbeiter des BND geleitet. Den Stellvertreterposten besetzt immer das BfV. Da zwei Referate des ZNAF nur für BND-spezifische Aus- und Fortbildung zuständig sind, werden drei der vier ZNAF-Referate vom Auslandsnachrichtendienst geleitet und nur eines vom BfV. Das ZNAF, dessen Schaffung bereits 2007 vom Vertrauensgremium des Deutschen Bundestages gefordert wurde, soll in Zukunft über 20 Professuren und rund 50 Fachlehrer verfügen. Noch sind aufgrund langwieriger Berufungsverfahren allerdings nicht alle Lehrstühle besetzt. Am ZNAF finden auch die Berliner Anteile des Masterstudiengangs “Intelligence and Security Studies” statt.

Ausbildung stärker integriert

BND-Präsident Dr. Bruno Kahl sagte bei der Einweihung: “Das ZNAF liefert den Nachrichtendiensten ihre wichtigste Ressource: hervorragend ausgebildetes und hochmotiviertes Personal, das optimal auf seine künftigen Aufgaben vorbereitet ist.” Gute und innovative Ideen für die nachrichtendienstliche Arbeit entstünden vor allem durch eine Verschränkung von Theorie und Praxis. Über die Aus- und Fortbildung hinaus trage das ZNAF auch zur konzeptionellen Weiterentwicklung der Praxis bei.

Und BfV-Präsident Thomas Haldenwang ergänzte: “Mit dem ZNAF leisten BfV und BND einen wesentlichen Beitrag zu einer stärker integrierten Ausbildung der Nachrichtendienste in Deutschland. Eine gemeinsame und moderne Ausbildung, die sich an den Erfordernissen der digitalisierten Welt orientiert, ist gerade angesichts immer weiter vernetzter Bedrohungen wichtiger als je zuvor.”

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