Vielfalt hat NRW vorangebracht

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Sprache, Bildung und Arbeit sind immer nur der Anfang: Für eine gelungene Integration braucht es auch gemeinsame Werte, so Staatssekretärin Serap Güler. (Foto: BS/Giessen)

Wer sich in der Migrations- und Integrationsfrage lediglich auf Probleme und Missstände beziehe, übersehe, was Deutschland der Einwanderung zu verdanken habe, so NRWs Staatssekretärin für Integration, Serap Güler, im Rahmen des vom Behörden Spiegel veranstalteten Fachforum Flucht, Migration und Integration. Vielfalt sei ein Gewinn und müsse auch als ein solcher begriffen werden. Die größte Hürde auf dem Weg zu einer gelungenen Integration seien Stereotypen und Vorurteile, die man gemeinsam angehen müsse. Vor allem durch einen verbindenden Wertekanon.

In der Mitte Europas gelegen, ist Deutschland traditionell ein Einwanderungsland und mit Migrationsbewegungen durchaus vertraut. Was sich in der letzten Dekade geändert habe, sei die Debattenkultur in Politik und Gesellschaft, so die Staatssekretärin für Integration, Serap Güler. Mit dem Jahr 2015 – dem Auftakt der Flüchtlingskrise in Europa – sei eine Schärfe in den öffentlichen Diskurs getreten, welche die Asylpolitik zu einem Reizthema gemacht habe. “Durch die erhitzte Stimmung ist es zu einer ungesunden Emotionalisierung gekommen, die der Komplexität der Sache nicht gerecht wird”, erklärt Güler. Der Verlust an Sachlichkeit sei nicht nur bedauerlich, sondern auch problematisch. Problematisch nicht zuletzt deshalb, weil die Mehrheit des diskursiven Inputs ohne Kenntnis der tatsächlichen Lage ablaufe. Viele Menschen seien zu schnell mit einem Urteil bei der Hand, wenn es um Frage gelungener oder gescheiterter Integration gehe. Kontakt mit Eingewanderten hätten nur die wenigsten gehabt. Am schwersten wögen indes die eingespielten Vorurteile, denn sie deuteten auf ein subjektives Befinden, das sich nur noch schwer mit Fakten erreichen ließe.  

Vielfalt als Herausforderung begreifen

Eine gewisse Teilschuld an der mentalen Lage habe die Art und Weise, wie in Deutschland an das Thema Integration herangetreten würde. Dabei verdecke die einseitige Bezugnahme auf die Schwierigkeiten, dass neben bestehenden Konflikten auch Erfolge verzeichnet wurden. Das gelte ganz besonders für ein Industrieland wie Nordrhein-Westfalen, in dem heutzutage beinahe 30 Prozent aller Einwohner einen Migrationshintergrund besäßen. “Noch vor anderen Regionen in Deutschland hat NRW enorm von der mitgebrachten Vielfalt profitiert”, sagt Güler. Da sei eine pauschale Aburteilung, wie man sie in öffentlich geführten Debatten zu Hauf anträfe, nicht nur unverständlich, sondern unsolidarisch. Im Gegenzug bedeute das Bekenntnis für die Migration nicht, dass gelebte Vielfalt einfach sei. Weit davon entfernt, Vielfalt könne auch anstrengend sein; vor allem aber sei sie lernbar. Dieser Herausforderung habe man sich im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (mkffi) angenommen.  

Maßnahmen sind auf dem Weg

Und das in mehrerlei Hinsicht. Zum einen mit einer Kampagne, die Beispiele gelungener Integration aufzeige. Zum anderen durch eine intensivere Werbung für Einbürgerung. “Als Teil der Integration muss die politische Partizipation sehr viel stärker in den Blick genommen werden. Mit der direkten Beteiligung steigt auch die Identifikation mit dem Gemeinwesen”, erklärt Güler. Noch wichtiger sei die Besinnung auf einen gemeinsamen Wertekanon, der in Ergänzung zum Grundgesetz in Stellung gebracht werden müsse. Entgegen der hergebrachten Meinung sei dieser aber keineswegs so klar definiert, wie gemeinhin angenommen. Anders als das Grundgesetz gehörten Werte zu den weichen Faktoren und müssten im sozialen Miteinander neu ausgehandelt werden – vorausgesetzt beide Parteien träten in einen offenen Dialog. Erste Ergebnisse eines Wandels ließen sich freilich schon feststellen: So sei die Frauendiskriminierung in muslimischen Teilen der Gesellschaft inzwischen rückläufig. Mit Blick auf die Zukunft gelte es aber, gemeinsam jene Vorurteile anzugehen, die am rechten Rand warteten. Auch dort müsse “der Knoten endlich aufgelöst” werden.

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