Baustelle Mobilfunkausbau

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"An mehr als 1.200 Standorten wollen die Netzbetreiber bauen, man sollte sie auch bauen lassen“, fordert Dr. Bernhard Rohleder vom Digitalverband Bitkom. (Foto: blickpixel, pixabay.com)

Der Ausbau der deutschen Mobilfunkinfrastruktur läuft schleppend. Wie eine interaktive Karte des Digitalverbandes Bitkom nun offengelegt hat, kommen mehr als 1.200 Bauvorhaben für Mobilfunkanlagen in Deutschland kaum voran. Als Grund gibt der Branchenverband komplizierte Bauverfahren, fehlende Standorte und Vorbehalte aufseiten der Bevölkerung an.

“Behördliche Verfahren oder fehlende Standorte für den Bau von Mobilfunkanlagen führen allzu oft dazu, dass Funklöcher nicht geschlossen werden können. An einigen Orten stehen die Ausbauvorhaben der Netzbetreiber seit mehr als sechs Jahren still“, umreißt Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom, die Lage. Zwar handle es sich um Einzelfälle, die durchschnittlich veranschlagte Bauzeit von rund zwei Jahren dauere gleichwohl viel zu lang. Betroffen seien vor allem ländliche Regionen, wo die Standortsuche durch fehlende Grundstücke oder Gebäude sich deutlich schwieriger darstelle als in den Städten. Hinzukämen bisweilen auch Zweifel aufseiten der Kommunen, die aus Angst vor gesundheitlichen Folgen nur zögerlich auf die Netzbetreiber zugingen. Man müsse solche Bedenken ernstnehmen, entgegnet Rohleder. Allerdings gäbe es derzeit keine Daten, die auf einen Zusammenhang von körperlichen Schäden und Mobilfunkstrahlen schließen ließen. Solcher Mythenbildung müsse man durch Aufklärung entgegentreten: “In Deutschland gelten sehr strenge Grenzwerte, die von den zuständigen Behörden in jedem Einzelfall kontrolliert werden. Unterhalb dieser Grenzwerte sind Mobilfunkanlagen keine Gefahr für Mensch, Tier und Pflanzen”, so Rehleder.

Prozesse verschlanken

Einen möglichen Hebel, um den Mobilfunkausbau zu beschleunigen, sieht der Digitalverband in einer Verschlankung behördlicher Prozesse. Erst wenn die Baugenehmigungsverfahren vereinfacht würden, könne der Abbau “weißer Flecken” Tempo aufnehmen. Ergänzend schlägt Bitkom vor, Verfahrensfristen einzuführen, die behördliche Stellungnahmen auf eine Antwortzeit von einem Monat festlegen. Eine Alternative, um den Zeitraum bis zur Aufstellung stationärer Anlagen zu überbrücken, seien mobile Masten. Für sie fordert der Digitalverband Genehmigungsfreiheit, ebenso für Mobilfunkmasten mit einer Höhe von 15 Metern im Innen- und 20 Metern im Außenbereich.

Positiv stuft Bitkom indes die jüngsten Ergebnisse der Digitalklausur in Meseberg ein. Im Rahmen der Mobilfunkstrategie plant die Regierung mit zusätzlichen 5.000 Masten, um 99,95 Prozent der deutschen Haushalte zu versorgen. Zur Realisierung des Vorhabens wurde ein Budget in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro beschlossen.

Eine Verlinkung zur interaktiven Karte des Digitalverbands findet sich hier.

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