Historische Entwicklung von Polizeifahrzeugen in Berlin

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Der VW Käfer wurde lange Zeit als Funkstreifenwagen eingesetzt. (Foto: Polizeimuseum Berlin)

Polizeifahrzeuge in Berlin waren anders als die entsprechenden Fahrzeuge im Bundesgebiet. Der Unterschied war nicht technischer Natur (ein VW Käfer war ein Käfer, ob in Hannover oder in Berlin), der Unterschied war rechtlicher und politischer Natur. Das hatte seine Gründe aus den alliierten Vereinbarungen der Konferenzen von Jalta und Potsdam. Auf der Konferenz von Jalta beschlossen die Siegermächte USA, Großbritannien und die Sowjetunion, das Reichsgebiet in drei – später unter Beteiligung der Französischen Republik in vier – Besatzungszonen und die Reichshauptstadt in drei – später vier – Sektoren zu teilen, gemeinsam regiert vom Kontrollrat (Deutschland) und der Kommandantur (Berlin).

Für Berlin war eine Vier-Mächte-Verwaltung vorgesehen, die auch für die Berliner Polizei neue Regelungen schuf. Der Neuaufbau der Berliner Polizei begann schon während der Kämpfe um Berlin im April 1945. Der für Groß-Berlin noch vor der Kapitulation erlassene sowjetische Befehl Nr. 1 vom 28. April 1945 enthielt bereits konkrete Regularien. Mit Befehl vom 25. Mai 1945 ordnete die sowjetische Besatzungsmacht die Aufstellung einer uniformierten, aber noch unbewaffneten und unmotorisierten Polizeitruppe unter Führung eines Polizeipräsidenten für das gesamte Stadtgebiet von Groß-Berlin an. Die Beschaffung eines blauen Uniformtuches und motorisierter Polizeifahrzeuge war zunächst unmöglich. Es gab 1945 rund 150 Dienstfahrräder und zwei Dienstautos. Die sowjetische Militäradministration übergab im Juli 1945 zwölf der zwanzig Berliner Verwaltungsbezirke an die amerikanischen und britischen Streitkräfte (im August übernahmen französische Truppen zwei Bezirke von den Briten).

Die Alliierte Kommandantur nahm am 11. Juli 1945 ihre Tätigkeit auf. Innerhalb der Kommandantur wurde ein Komitee für öffentliche Sicherheit (Public Safety Committee) gebildet, das die Aufsicht über die Polizei ausübte. Sicherheitsoffiziere (Public Safety Officers) überwachten bei den Polizeiinspektionen die Arbeit der Schutzpolizeidienststellen. Es zeigte sich aber, dass jede Besatzungsmacht andere Vorstellungen vom Polizeiwesen hatte. Das wirkte sich in den einzelnen Sektoren bald deutlich sichtbar aus.

Anfangs kaum Kraftfahrzeuge vorhanden

In den ersten Jahren nach 1945 standen der Polizei kaum Kraftfahrzeuge zur Verfügung. Benzin, Reifen und Ersatzteile waren nicht oder nur begrenzt vorhanden. Der Schutzmann der ersten Stunde ging zu Fuß. Die Erstausstattung der Polizei bestand aus 20 Krafträdern der ehemaligen Wehrmacht (NSU Victoria) und einem bunt zusammengewürfelten Kraftwagenpark. Von den 49 Kraftwagen für die Polizei in Groß-Berlin waren aber nie mehr als sechs Fahrzeuge fahrbereit. Durch Zuweisungen und Freigaben von Beschlagnahmungen wuchs der Bestand an Kraftwagen stetig, aber nicht ausreichend. Die Polizei erreichte die Ausstattungsvorgaben der Alliierten nicht.

Bestand Ende 1946: 42 Krafträder, 81 Kraftwagen und 72 Lastwagen. Die amerikanischen und britischen Besatzungsmächte sahen sich daher gezwungen, aus eigenen Beständen Militärfahrzeuge vom Typ Willys Jeep MB (als Streifenwagen), leichte Lastkraftwagen vom Typ Dodge WC 51 (als Überfallkommandos) und Dreitonner CMP/UK Chevrolet 3T GS (als Mannschaftstransportwagen) zur Verfügung zu stellen. Die (Leih-)Fahrzeuge wurden – soweit sie nicht im Originalzustand blieben – auf Anordnung der Westalliierten in der Farbe „25045 Strata Blue“ (Federal Standard 15045) lackiert. Die Farbe „Blau“ für die Polizeifahrzeuge war durch die Berlin Kommandantura Order (BK/O) vom Februar 1947 vom Public Safety Committee festgelegt worden. Die Farbe lieferte die US Air Force Berlin-Tempelhof aus dem eigenen Depot für einen vorläufigen, provisorischen Anstrich der Pachtfahrzeuge in „Strata Blue“. Alle Polizeiwagen in den Westsektoren erhielten diesen erst provisorischen Farbanstrich. Das Provisorium überlebte von 1947 bis 1974. Die Polizeifahrzeuge des Jahrgangs 1947 hatten noch kein Blaulicht und keine Sirene, wohl aber einen starken Suchscheinwerfer, einige sogar einen Polizeischriftzug mit Polizeistern. Teilweise waren die Fahrzeuge schon mit Funk ausgerüstet. Während die Polizeifahrzeuge in den Westsektoren den Einheitsfarbanstrich erhielten, blieben die Polizeiwagen im Ostsektor von der Anordnung der Kommandantura unberührt. Die Volkspolizisten fuhren weiterhin (bis etwa 1961/1962) unscheinbare Limousinen vom Typ EMW 340, die allenfalls durch das blaue Kennlicht als Dienstfahrzeuge erkennbar waren.

Vom Provisorium zur modernen Polizei

Im Zuge des Kalten Krieges wurde Berlin zum Feld scharfer Auseinandersetzungen und Spielball der Politik. Die Währungsreform für die Westsektoren Berlins vom Juni 1948 und die darauffolgende Berlin-Blockade veränderten den polizeilichen Alltag erheblich. In dieser Zeit erfolgte die Aufnahme eines geordneten Polizeidienstes im Polizeipräsidium in der Kreuzberger Friesenstraße. Die britischen und amerikanischen Alliierten erlaubten die Anschaffung von Kraftfahrzeugen für die Polizei in ihren Sektoren. Der Käfer-Funkwagen war geboren. Mangels ausreichender Anzahl von Polizeifahrzeugen existierte noch kein flächendeckender Funkstreifeneinsatz. Das änderte sich 1948 nach der Teilung der Stadt und mit dem Beginn der Berlin-Blockade. Im Juli 1948 wurden auch die bei den Polizeiinspektionen bestehenden Überfallkommandos aufgelöst und durch Funkstreifenwagen abgelöst. Jede Inspektion erhielt zunächst einen Funkstreifenwagen. Eine erste Einsatzsteuerung von Funkstreifen der Berliner Polizei nach dem Krieg durch Sprechfunk gab es im amerikanischen Sektor.

Am 5. April 1948 nahm die erste Funkeinsatzzentrale in Steglitz für die sechs Verwaltungsbezirke im amerikanischen Sektor den Betrieb auf. Bis zu diesem Zeitpunkt erfolgte die Alarmierung über die örtlichen Dienststellen. Im britischen und französischen Sektor lief der Notruf noch über die örtlichen Dienststellen. Der Funkleitstelle im amerikanischen Sektor unterstanden ganze sechs Funkstreifenwagen – für jeden Verwaltungsbezirk einer. Die Funkstreifenwagen waren mit einem Fahrer, einem Streifenführer und einem Funker besetzt.

Der erste Käfer kam durch die Luft

Eine neue Ära im Funkstreifendienst begann mit einem fabrikneuen Volkswagen 1200 Standard. Er landete am 14. Juni 1948 per Flugzeug auf dem Flughafen Tempelhof. Der erste Brezelkäfer kam im amerikanischen Sektor zum Einsatz und trug dazu bei, dass dieser Wagentyp jahrelang erfolgreichim Funkstreifendienst verwendet werden sollte. Der Bestand an Funkstreifenwagen erhöhte sich in den folgenden Monaten auf 60 Fahrzeuge. Die Fahrzeuge kamen in neutraler Gestalt und Farbe nach Berlin und wurden in der polizeilichen Zentralwerkstatt in der vorgegebenen Polizeifarbe lackiert. Die Autos waren zwar mit dem Wehrmachtsfunkgerät für den Funkbetrieb ausgerüstet, jedoch noch ohne Blaulicht und Martinshorn. Durch die Beschaffung war es nun möglich, am Tag mit 35 Polizeiwagen und nachts mit 53 Fahrzeugen einen Funkstreifendienst aufrechtzuerhalten. Im Oktober 1948 zog die Funkbetriebszentrale des amerikanischen Sektors um. Zwei Monate später stellte die Funkleitstelle im britischen Sektor die Arbeit ein und wurde der neugegründeten Funkbetriebszentrale der Schutzpolizei angegliedert.

Das Gleiche geschah mit der französischen Funkleitstelle. Über eine zentrale Funkleitstelle wurden nun tagsüber 38 und nachts 59 Funkstreifen eingesetzt. Trotzdem blieben die Sektoren eigenständig, denn im amerikanischen Sektor hießen die Funkstreifenwagen „Anna“, im britischen Sektor „Berta“ und im französischen Sektor „Dora“. Der weitere Ausbau des Funkstreifendienstes ging in den Westsektoren schnell voran. So verfügte die Schutzpolizei Mitte 1953 bereits über 145 Fahrzeuge, die mit Funkgeräten ausgerüstet waren. Die Polizei im sowjetischen Sektor wurde 1952 von der kommunistischen Zentralregierung an die Polizeistruktur der DDR angepasst. Militärisch geführte Polizeieinheiten (KVP) entstanden. Die Volkspolizei erhielt neue grüne Uniformen. Die Höchstzahl von VW Käfern im Funkstreifendienst wurde 1961 erreicht. 182 VW 1200 waren im Bestand. Ab 1963 änderte sich die Fahrzeugausstattung der Schutzpolizei. Neben dem VW Käfer, der noch immer die Hauptlast des täglichen Streifendienstes zu erledigen hatte, traten nun die Stufenhecklimousine VW 1500, Typ 31/1961, aber auch mehr und mehr der VW-Bus/-Kombi als Einsatzfahrzeug in Erscheinung.

Der Verfasser des Gastbeitrages ist Gunter Waize, der in der Polizeihistorischen Sammlung Berlin tätig ist.

Wer den gekürzten Gastbeitrag (siehe S. 32-35.) sowie das Heft der Modernen Polizei vollständig lesen möchte, findet die Sonderpublikation hier zum Download. Auch die letzte Ausgabe der “Modernen Polizei” ist auf der Webseite des Behörden Spiegel unter dem Reiter “Moderne Polizei” archiviert. Die vierte Ausgabe der Magazinreihe beleuchtet in der aktuellen Ausgabe die Mobilität des Polizeiwesens. Einsatzanforderungen, Effizienz und Zukunftsfähigkeit werfen ein Schlaglicht auf den Status Quo des Fuhrparks der deutschen Einsatzkräfte. Sie versammelt vor allem die Fachbeiträge namhafter Polizei-Experten aus Verwaltung, Politik, Wissenschaft und Industrie, die sich praxisbezogen zur Mobilität des Polizeiwesens äußern.


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