Konsequent multinational

0
1333
Generalleutnant Ingo Gerhartz (Foto: BS/ Kdo Lw)

Das Team Luftwaffe richtet sich konsequent multinational aus. Anfang Juli haben wir das erste A400M Tanker-Kontingent in den Einsatz verabschiedet. Unser A400M stellt von Jordanien aus die Luftbetankung für Kampfflugzeuge im Rahmen der Operation “Counter Daesh” bereit. Wir waren damit die erste A400M Nutzernation, die das System als Tanker in den Einsatz gebracht hat.

Die Betankung der Kampfflugzeuge unserer internationalen Partner im gemeinsamen Einsatz gegen den Islamischen Staat ist ein Bild, das beispielhaft für unser Ziel steht, unsere multinationale Kooperation weiter voranzutreiben.

Im Kern geht es bei diesem Ziel um die bestmögliche Erfüllung unseres Auftrages. In den letzten Jahren führte die Refokussierung auf Landes- und Bündnisverteidigung zu einer Rückbesinnung auf eine hohe Einsatzbereitschaft und Interoperabilität.

Konkret wird der sicherheitspolitische Wandel, wenn wir verlässlich unseren Beitrag im Rahmen des “Verstärkten Air Policing Baltikum” leisten oder wie im letzten Jahr bei der NATO-Großübung “Trident Juncture” unsere Fähigkeiten unter anspruchsvollen Bedingungen beweisen.

Seit Jahresbeginn nutzen wir in der Luftwaffe die Übungsserie “MAGDAYs”, um mit internationalen Partnern den Aufbau der Multinational Air Group (MAG) zu trainieren. Der Aufbau gemeinsamer Erfahrungen bei Verfahren und Abläufen steigert die Handlungssicherheit. Beteiligt waren beispielsweise US-F-35 und F-16, RAF-Eurofighter, tschechische und polnische Gripen sowie polnische F-16.

Zudem sind wir entschlossen, die VJTF als Chance zur Weiterentwicklung und Professionalisierung zu nutzen. Aktuell stellt Deutschland als Führungsnation für die “VJTF-Land” eine Kampfbrigade und die Luftwaffe beteiligt sich an der “VJTF-Air” mit einem Mix an Fähigkeiten: fliegende Luftverteidigung und Luftangriff mit unseren Eurofightern, bodengebundene Luftverteidigung mit dem Patriot-System, Lufttransport mit dem A400M sowie die Fähigkeit zur “Unterdrückung der gegnerischen Luftverteidigung” mit unseren Tornados.

Für die VJTF 2023 haben wir uns mehr vorgenommen. Zusätzlich zu den genannten Fähigkeiten werden wir ein ‘Joint Force Air Component Headquarters‘ als Führungselement für Luftstreitkräfte, Spezialkräfteanteile der Luftwaffe, Transporthubschrauber und Flugabwehrraketenkräfte kurzer Reichweite (bi-national) zur Unterstützung der Heeresbrigade sowie organische Unterstützungsanteile zum Betrieb eines Flugplatzes einbringen.

Neben unseren Einsatzverpflichtungen sowie Übungs- und Ausbildungsvorhaben ist Multinationalität ein bestimmendes Element unserer Zukunftsausrichtung.

Im Juni haben wir gemeinsam mit Frankreich und Spanien in Le Bourget den Bau eines neuen europäischen Kampfflugzeugs auf den Weg gebracht. Die Neubeschaffung und Entwicklung eines Kampfflugzeuges ist ein großes und äußerst komplexes Projekt. Die Anforderungen sind hoch und wir bringen uns als Luftwaffe mit Ideen, Expertise und Erfahrung in den multinationalen Entstehungsprozess ein. Das Projekt ist ein Meilenstein für unsere Zukunft.

Doch auch bei Waffensystemen, die wir schon seit geraumer Zeit betreiben, hat die Kooperation mit Bündnispartnern die Kraft, eine Weiterentwicklung positiv zu beeinflussen.

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist das im September letzten Jahres in London verabschiedete Eurofighter Interoperability Enhancement Program. Royal Air Force und Luftwaffe arbeiten nun in der Ausbildung unserer Kampfflugzeugführer, im Austausch von Einsatztaktiken und in der technisch-logistischen Betreuung noch enger zusammen. Darüber hinaus planen wir ein gemeinsames deutsch-britisches NATO Air Policing an der Ostflanke des Bündnisses. Im gemeinsamen Einsatz unserer Waffensysteme werden wir Synergien freisetzen und gleichzeitig die Schlagkraft im Bündnis erhöhen.

Multinationalität ist mehr als ein Slogan. Sie ist unsere Antwort auf die Frage, welcher Weg angesichts der Herausforderungen unserer Zeit der richtige ist. In enger Kooperation mit der italienischen Luftwaffe ist es uns innerhalb kurzer Zeit gelungen, die Integration des RECCE Lite am Waffensystem Eurofighter zu realisieren.

Ein Schritt, der die Mehrrollenfähigkeit des Eurofighters unterstreicht und für die Luftwaffe insgesamt die Durchhaltefähigkeit und Flexibilität im Bereich der bemannten taktischen Luftaufklärung erhöht. Auch dies zeigt, wie schnell spürbare Effekte erzielt werden können, wenn befreundete Nationen gemeinsam agieren.

Diese Beispiele ließen sich mit unseren zahlreichen Projekten der internationalen Kooperation im Bereich des Lufttransports und der engen Vernetzung im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung fortsetzen. Gerade in den letzten Monaten hat unsere multinationale Ausrichtung neue Dynamik erlangt. Das Team Luftwaffe folgt im Einsatz, bei Übungen sowie Modernisierungsprojekten konsequent einer multinationalen Ausrichtung. Für uns ist Multinationalität das Fundament, auf dem wir unseren aktuellen Auftrag erfüllen und auf dem wir unsere Zukunft aufbauen.

Generalleutnant Ingo Gerhartz, Inspekteur Luftwaffe, ist Verfasser des Gastbeitrages.

General Gerhartz leitet zusammen mit seinen italienischen Amtskollegen Panel B4 der Berliner Sicherheitskonferenz 2019.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here