Innovation “made in Germany”

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"Man kann mit Werten innovieren", sagt Rafael Laguna de le Vera, Gründungsdirektor der Agentur für Sprunginnovation. (Foto: Julia Huke / eco e. V.)

Vorbei sind die Zeiten, da Deutschland als Nation der Tüftler und Erfinder galt: “Die letzte Disruption, die ihren Anfang in Deutschland nahm, ist das Auto. Das liegt über ein Jahrhundert zurück”, so Rafael Laguna de la Vera, Direktor der Agentur für Sprunginnovation (SprinD), auf dem Kongress des Verbands der Internetwirtschaft (eco) in Köln. Doch dabei müsse es nicht bleiben. Ideen seien nicht das Problem. Handlungsbedarf bestehe vielmehr bei der Ökonomisierung. Hier fehle noch immer eine Strategie, um Ideen “made in Germany” auch in Deutschland zu halten.  

Wer technologische Innovationen suche, der müsse nicht zwingend in die USA, ins Silicon Valley, schauen; technologische Innovation gäbe es auch in Deutschland, erklärt der Gründungsdirektor der Agentur für Sprunginnovation (SprinD). “Wir haben keine Probleme mit neuen Ideen. Als Forschungs- und Datenweltmeister ist Deutschland gut aufgestellt. Die eigentlichen Probleme liegen bei der Monetarisierung.” Dabei fehle es erfolgreichen Start-Ups nicht nur an finanziellen Zuwendungen, sondern auch an politischer Rückendeckung, um zu den Großen der Branche aufschließen zu können. Viele ziehe es darum auch ins Ausland, wo insgesamt günstigere Konditionen winkten.

Hausgemachte Probleme

Für Laguna sind es unter anderem auch strukturelle Probleme, die einer erfolgreichen Gründungskultur “made in Germany” im Wege stehen. Das sehe man beispielsweise an den Universitäten, die ihre kreativsten Köpfe nur ungerne ziehen ließen, nicht zuletzt auch aus finanziellen Gründen. Denn meist bedeute ein Abgang junger Wissenschaftler auch den Wegfall der so dringend erforderlichen Fördermittel für weitere Forschungsvorhaben. Teil dieser Gemengelage sei die geringe Risikobereitschaft, der Mut, auch Misserfolge in Kauf zu nehmen. Es brauche einen Mentalitätswechsel, sonst werde man in nicht allzu ferner Zukunft noch zu einem Industriemuseum. 

Es braucht partizipative Plattformen

Dabei hätten Deutschland und Europa einiges zum technologischen Wandel beizutragen. Etwa einen humanistischen Wertekanon, der sich als Alternativentwurf zu den digitalen Datensilos der Gegenwart in Stellung bringen ließe. Laguna: “Derzeit nimmt die Monopolstellung mancher Unternehmen beunruhigende Ausmaße an. Das muss geändert werden, andernfalls rückt das Ziel digitaler Souveränität in weite Ferne. Statt exklusiver Kanäle und Plattformen brauchen wir föderierte und genehmigungsfreie Lösungen. Das ist die einzige Option, um partizipative Modelle durchzusetzen, die für jedermann zugänglich sind. Entscheidend ist nur, dass wir endlich anfangen.” Diesen Ruf habe man inzwischen auch in der Politik vernommen. GAIA X und nicht zuletzt die Agentur selbst seien klare Zeichen dafür, dass man sich gegenwärtig in einem Umbruch befinde.

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