Strikt gegen rechtsnationale Tendenzen stellen

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Hartmut Ziebs ist seit 2016 Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV). Momentan sieht er sich massiver interner Kritik ausgesetzt, die sogar in Rücktrittsforderungen mündete. Dieser Aufforderung will Ziebs jedoch zunächst nicht nachkommen. (Foto: BS/Matthias Oestreicher, DFV)

(BS) Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), Hartmut Ziebs, steht derzeit aus den eigenen Reihen massiv in der Kritik. Im Behörden Spiegel-Interview stellt er sich den Vorwürfen. Die Fragen stellte Marco Feldmann.

Behörden Spiegel: Herr Ziebs was sind momentan die drei wichtigsten Herausforderungen für die deutschen Feuerwehren?

Ziebs: Die wichtigste Herausforderung ist derzeit die Frage, wie es mit mir, dem Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes, weitergeht. Werde ich abgewählt oder bleibe ich im Amt? Auch wichtig ist der künftige Umgang mit der Bundesgeschäftsführerin unseres Verbandes. Außerdem ist die Frage von großer Bedeutung, wie wir uns als Feuerwehren gegen rechtsnationale Tendenzen in den eigenen Reihen positionieren. Ich meine: wenn es solche Tendenzen in unseren Feuerwehren gibt, müssen wir uns strikt gegen sie aussprechen.

Behörden Spiegel: Welche Vorwürfe werden Ihnen innerhalb des Deutschen Feuerwehrverbandes persönlich gemacht und von welchen Personen kommt das?

Ziebs: Die fünf Vizepräsidenten, die meinen Rücktritt gefordert haben, haben mir verschiedene Gründe für diese Forderung genannt. Dazu gehören unter anderem der Umstand, dass ich die derzeitige Bundesgeschäftsführerin eingestellt habe und meine Warnung vor rechtsnationalen Tendenzen in der Feuerwehr. Außerdem wird mir eine bestimmte Personalentscheidung vorgeworfen.

Behörden Spiegel: Welche Personalentscheidung?

Ziebs: Auch wenn ich über konkrete Personalentscheidungen aus Datenschutzgründen öffentlich nicht allzu viel sagen darf, kann ich trotzdem Folgendes berichten: Ich habe im Rahmen meiner Personalvollmacht, der Präsident ist Vorgesetzter aller hauptamtlichen Kräfte, einen Mitarbeiter darauf hingewiesen, was er tun darf und was nicht. Und das wird im Moment bemängelt.

Behörden Spiegel: Es gibt auch Rücktrittforderungen gegen Sie persönlich. Wie stellen Sie sich dazu?

Ziebs: Ich werde zunächst nicht zurücktreten, sondern vielmehr eine außerordentliche Delegiertenversammlung einberufen. Das ist auch von den Landesverbänden so eingefordert. Und bei dieser Delegiertenversammlung stelle ich dann die Vertrauensfrage. Da muss ich mich also dem Votum der Delegierten stellen. Und das muss und werde ich dann auch akzeptieren, egal wie es ausgeht.

Behörden Spiegel: Wollen Sie denn bereits jetzt persönliche Konsequenzen ziehen?

Ziebs: Nein, zurzeit sehe ich überhaupt keinen Grund persönliche Konsequenzen zu ziehen. Ich wüsste nicht, weshalb ich zurücktreten sollte. Ich habe mir in meiner Amtszeit, also in den letzten vier Jahren, nichts vorzuwerfen. Ich habe den Verband nach bestem Wissen und Gewissen geführt und ich glaube auch in eine zukunftweisende Richtung geführt. Deshalb wüsste ich nicht, warum ich jetzt zurücktreten sollte.

Behörden Spiegel: Was steht noch auf Ihrer Agenda als Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes?

Ziebs: Ganz weit oben auf der Agenda stehen momentan die Interschutz und der Deutsche Feuerwehrtag im kommenden Jahr in Hannover. Das sind schließlich die Mega-Events der deutschen Feuerwehren im Jahr 2020. Ob wir uns als Deutscher Feuerwehrverband dort so wie geplant engagieren können, bezweifle ich angesichts der aktuellen Entwicklungen jedoch zunehmend.

Weitere wichtige Themen sind für mich der künftige Umgang der Feuerwehren mit den Folgen des Klimawandels, also mit häufigeren Waldbränden, Hochwässern und Stürmen, sowie mit dem ehrenamtlichen Engagement in Freiwilligen Feuerwehren. Dem würde ich mich in den kommenden Jahren gerne weiter widmen. Aber zunächst muss ich abwarten, wie es mit mir weitergeht.

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