E-Mobilität beschränkt sich nicht auf Fahrzeuge

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Unterstrich die Bedeutsamkeit vernetzter Angebote, zu denen auch der Personentransport mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen gehören kann: Richard Eckermann, Referatsleiter “Schiene, Öffentlicher Personennahverkehr” im niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung. (Foto: BS/Dombrowsky)

Der Umstieg auf Elektromobilität und andere alternative Antriebe ist bei Weitem nicht mit der Beschaffung entsprechender Fahrzeuge getan. Auch die Infrastruktur muss entsprechend ausgebaut und angepasst werden. Das gilt auch für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Darauf weist deren Bereichsleiter Angebot, Klaus Emmerich, hin. So benötige sein Unternehmen, das seine Busflotte bis zum Jahr 2030 vollständig elektrifizieren wolle, neben den neuen Bussen auch mehrere neue Betriebshöfe im gesamten Stadtgebiet. Auch Lademöglichkeiten müssten in ausreichender Zahl gegeben sein. Hier sei noch einiges zu tun. Auch sei in den nächsten 15 Jahren mit Mehrkosten von zwei bis drei Milliarden Euro allein für die BVG zu rechnen, so Emmerich.

Der erforderliche Milliardenbetrag für die BVG erklärt sich nur zum Teil damit, dass Elektrobusse derzeit noch rund doppelt so teuer sind wie vergleichbare Dieselbusse. Bei der Elektrifizierung des Busverkehrs geht es natürlich um sehr viel mehr als die Fahrzeugbeschaffung. Die BVG baue hier für künftige Generationen eine komplett neue Infrastruktur auf, so Bereichsleiter Emmerich. Er gehe aber davon aus, dass sich die Technik weiterentwickelt und die Kosten perspektivisch sinken. In der aktuellen Hochlaufphase werden die Mehrkosten durch Mittel des Landes Berlin und Förderprogramme des Bundes gedeckt. 

Noch nicht überall ausreichend auf der Agenda

In Niedersachsen fördere das Land Busbeschaffungen für den Linienverkehr im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Dieses Programm sei nach einer zwischenzeitlichen Aussetzung im Jahr 2015 wiederaufgenommen worden, berichtet Richard Eckermann.

Problematisch ist laut dem Referatsleiter “Schiene, Öffentlicher Personennahverkehr” im niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung jedoch, dass die Bedeutsamkeit eines guten ÖPNV noch nicht in allen Kommunen angekommen sei. Er meint deshalb auch, dass eine rein monetär ausgerichtete Förderung des ÖPNV in der Fläche nicht zielführend sei. So träfen etwa starre Buslinienverkehre nicht immer die tatsächlichen Bedarfe.

Auch könnten wirksame ÖPNV-Lösungen nicht zentral auf Landesebene gefunden werden. Besser sei es, wenn sie vor Ort entwickelt und erprobt würden. Hierbei komme es auch entscheidend auf die Vernetzung verschiedener Angebote an, findet Eckermann. Aus seiner Sicht müsse der ÖPNV kommunales Kernthema sein. Sowohl innerhalb der Verwaltung als auch in der Kommunalpolitik, unterstrich er auf dem “Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur” des Behörden Spiegel in Berlin.

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