Souverän mit Life-Chain?

0
438
Beim Konzept Life-Chain würden Zugriffsinformation manipulationssicher in einer Blockchain-artigen Datenstruktur hinterlegt. (Foto: Sashkin, stock.adobe.com)

Das wiederholte Angeben persönlicher Daten gegenüber öffentlichen Stellen ist für viele ein Ärgernis. Dennoch spricht sich die Mehrheit der Bürger in Umfragen per se gegen den Austausch von Daten zwischen Behörden aus. Den Knoten will die öffentliche Verwaltung mit einem Datenschutzcockpit zum Platzen bringen. Ein digitales Tool, das mehr Transparenz und Kontrolle bei der Datenverarbeitung öffentlicher Stellen bringen soll. Die Thüringer “Life-Chain” ist mit derselben Zielsetzung angetreten. Das alternative Konzept sieht eine aktivere Rolle des Bürgers vor, soll dafür aber ohne einen zentral geführten Identifier funktionieren. Das käme den Datenschutzbehörden entgegen.

Wie beim Datenschutzcockpit sollen Beziehungen zwischen öffentlichen Stellen, Datensätzen und Datenübertragungen grafisch dargestellt werden. Die Informationen über Berechtigungen und Datenzugriffe werden beim Life-Chain-Konzept in einer Blockchain-artigen Datenstruktur gesichert. Damit soll eine manipulationssichere Dokumentation gewährleistet werden.

Datensouveränität ohne Identifier

Der entscheidende Unterschied zum derzeit bei der Bundesregierung verfolgten Konzept ist aber kein technischer. Er liegt vielmehr darin, dass bei der Life-Chain grundsätzliche Abläufe bei der Leistungserbringung unverändert bleiben. Wenn der Bürger bisher für eine bestimmte Leistung einen Strauß an Dokumenten und Nachweisen eingeholt und eingereicht hat, so muss er auf Basis der Life-Chain ebenfalls den Abruf und die Weitergabe der entsprechenden Daten selbstständig steuern und autorisieren. Analog und beschwerlich oder digital und bequem – der Bürger bleibt die Schnittstelle der Kommunikation.

Beim Datenschutzcockpit wird es wohl darauf hinauslaufen, dass der Bürger einwilligt und die Behörden anschließend die Daten direkt übertragen. Damit das ohne Mittelsmann funktioniert, braucht es nicht nur eine intelligente Registerverknüpfung, sondern nach Plänen der Bundesregierung auch einen zentral geführten Identifier. Dieser wird als eine Art Personenkennziffer von den deutschen Datenschutzbehörden abgelehnt. Das Life-Chain-Konzept kommt nach Einschätzung des Thüringer Finanzministeriums dagegen ohne einen Identifier aus.

Aus dem Rennen, aus dem Sinn?

Von dort heißt es, es habe intensive Gespräche mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundeskanzleramt über die Life-Chain gegeben. Im Rahmen der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes ist das Konzept aber zunächst aus dem Rennen. Thüringen bringt sich nun im federführend von Berlin organisierten Digitalisierungslabor zum Datenschutzcockpit ein. Eine separate Lösung für den Freistaat auf Life-Chain-Basis soll es nicht geben. Einen Flickenteppich will man gerade bei Querschnittsleistungen vermeiden.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here