NRW in guter Ausgangsposition

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"Auch im Jahr 2030 wird Nordrhein-Westfalen digitaler Spitzenreiter bleiben", prognostiziert Prof. Dr. Andreas Engel, IT-Leiter der Stadt Köln und Geschäftsführer des KDN. (Foto: BS/Giessen)

Was in Bayern die AKDB, in Baden-Württemberg ITEOS, das ist in Nordrhein-Westfalen der KDN. Anders bei den südlichen Nachbarn handelt es sich beim KDN aber nicht um einen zentralen Kommunalen Dienstleister, sondern um einen Dachverband bestehend aus 30 regionalen Rechenzentren. Doch wer glaubt, eine heterogene IT-Landschaft würde die digitale Entwicklung Nordrhein-Westfalens ausbremsen, der irrt. “Wir befinden uns in einer hervorragenden Ausgangsposition” sagt Prof. Dr. Andreas Engel, IT-Leiter der Stadt Köln und Geschäftsführer des KDN. Nicht nur sei die fristgerechte Umsetzung der vom Onlinezugangsgesetz (OZG) definierten Leistungen machbar, mit Blick auf das Jahr 2030 könne man in NRW obendrein neue Maßstäbe für die digitale Kommune der Zukunft setzen.

Ein Blick auf die Zahlen verrate, dass Nordrhein-Westfalen insgesamt besser dastehe, als man bei der stark ausgeprägten Heterogenität der hiesigen IT-Landschaft vermuten könne, so der Geschäftsführer des KDN, Prof. Dr. Andreas Engel. Im direkten Vergleich befinde sich NRW laut Deutschland-Index derzeit sogar vor Baden-Württemberg und Bayern. Auf Landesebene etwa sei die grundlegende Infrastruktur, das Servicekonto.NRW eingeschlossen, bereits vorhanden. Weitere Schritte, den Portalverbund des Landes mit Leben zu erfüllen, ständen unmittelbar bevor. Bedingt durch die starke Regionalbindung trete man als KDN aber auch gezielt als Enabler für die Kommunen auf: So plane man bereits im nächsten Jahr mit dem Start eines OZG-Serviceportals, das sich zumal an kleinere Gemeinden richte, die nicht über die entsprechenden Ressourcen verfügten, den Kraftakt der Digitalisierung aus eigenem Antrieb zu leisten.

Insgesamt setze das OZG beim derzeitigen Vorgehen zwar einen wichtigen Impuls, sei aber nicht allein ausschlaggebend, betont Engel. Die Digitalisierung des kommunalen Gemeinwesens ende nicht mit der Onlinestellung des Leistungspakets der öffentlichen Verwaltung, sondern nehme hier vielmehr erst ihren Anfang. Mit Blick auf die kommenden Jahre müsse das Zusammenspiel von Kommune und Kommunalen IT-Dienstleistern daran gemessen werden, inwieweit es ihnen gelingt, alle betroffenen Akteure in einem digitalen Ökosystem zusammenzuführen. Das schließe neben der Verwaltung auch die Bürgerschaft und das Land mit ein.    

Nach 2022: die Kommune als Plattformbetreiber

Doch wie kann eine solche Zukunft im Detail aussehen? Auf dem Weg dorthin sei es zunächst einmal wichtig, den Prozesscharakter der Digitalisierung nicht aus den Augen zu verlieren. “Es ist ein Irrglaube anzunehmen, die digitale Vernetzung der Kommune sei ab einem gewissen Zeitpunkt beendet. Weit davon entfernt, nach der vom OZG verhängten Frist wird die dringlichste Aufgabe sein, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten und die einmal errichteten Ökosysteme weiter auszubauen”, mahnt Engel. Für die unmittelbare Zeit nach 2022 werde man sich daher vordringlich darauf konzentrieren müssen, regionale IT-Kraftzentren zu errichten und gleichzeitig Betriebsstandards zu definieren, die eine landesweite Vernetzung unter dem Dach des KDN ermöglichen. Regionalisierung und Zentralisierung würden einander nicht ausschließen, sondern liefen parallel. Mehr noch: seien eine Ergänzung des jeweils anderen.

Die digitale Kommune der Zukunft könne dabei auf ein breites Leistungsangebot zurückgreifen, das Services des Öffentlichen Dienstes mit denen privater Anbieter im Rahmen einer übergreifenden Systemarchitektur verknüpfe. Aufseiten des Bürgers müsse sich der Kontakt zur Verwaltung – in Anlehnung an Portale der Privatwirtschaft – wie ein Erlebnis darstellen. In der Praxis könne das so aussehen, dass im Falle einer Wohnungsanmeldung mit wenigen Klicks ersichtlich werde, welches Bildungsangebot in direkter Umgebung bestehe, welcher Stromanbieter die günstigsten Preise habe oder wie es um die Internetversorgung bestellt sei. Engel spricht von einer Renaissance kommunaler Selbstverwaltung. Entscheidend sei, dass man die Chance nicht dadurch verspiele, dass man unnötig Zeit vergeude. Andernfalls würden Unternehmen – globale Player in der Größenordnung eines Amazon oder Google – die Nische für sich beanspruchen.

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