Bremen soll bis 2030 autofrei werden

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Vier Fragen – Vier Antworten mit Dr. Andreas Bovenschulte, Präsident des Senats sowie Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen. (Foto: BS/Senatskanzlei Bremen, Tristan Vankann)

Seit Mitte August ist Dr. Andreas Bovenschulte Bürgermeister sowie Senatspräsident von Bremen. Der SPD-Mann regiert die Hansestadt in einer rot-rot-grünen Koalition, die in ihrem Regierungsvertrag als zentrales Ziel ausgegeben hat, die Stadt bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts weitgehend autofrei zu gestalten. So soll das Klima geschont und die Innenstadt gleichzeitig wieder attraktiver für den Menschen gemacht werden. Mit welchen Maßnahmen dieses ehrgeizige Ziel umgesetzt werden soll, erklärt Dr. Bovenschulte im Gespräch mit dem Behörden Spiegel. Die Fragen stellte Wim Orth.

Behörden Spiegel: Herr Dr. Bovenschulte, gemeinsam mit Ihren Koalitionspartnern wollen Sie die Bremer Innenstadt bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts autoarm bzw. teilweise autofrei umgestalten. Woher kommt die Motivation für diesen Plan und wie wollen Sie die Autos aus der Stadt bekommen?

Dr. Bovenschulte: Die Innenstädte haben heute zwei Konkurrenten: Die Einkaufszentren am Stadtrand oder auf der grünen Wiese und das Internet. Ich glaube, dass die Bremer City da nur bestehen kann, wenn sie attraktiver wird. Das heißt: kaum Autoverkehr, dafür mehr Platz für Gastronomie, Fußgänger und Fahrradfahrer. Andere Städte machen es vor und haben deutlich mehr Fußgängerzone als Bremen. Die örtliche Handelskammer, in der die Kaufmannschaft vertreten ist, sieht das übrigens genauso. Auch sie ist für eine autofreie Innenstadt. Nebenbei bedeutet weniger Autoverkehr in der Innenstadt natürlich auch weniger CO2-Ausstoß. Die Koalition hat sich im Koalitionsvertrag zum Pariser Klimaschutzabkommen bekannt. Eine autofreie Innenstadt wäre ein Beitrag dazu.

Behörden Spiegel: Weniger Verkehr bedeutet auch weniger Parkplätze in der Stadt. Was soll aus den frei werdenden Flächen im Stadtraum werden?

Dr. Bovenschulte: In der Bremer Altstadt gibt es fünf Hochgaragen. Allesamt in hochattraktiven Lagen. Sollten sie als Parkhäuser nicht mehr benötigt werden, könnten sie umgebaut oder durch Neubauten ersetzt werden. Ein Mix aus Einzelhandel, Büros, Wohnungen und öffentlicher Nutzung wären willkommen, um wieder mehr Leben in die Stadt zu bekommen. Ich bin mir sicher: An interessierten Investoren wird es nicht mangeln.

Behörden Spiegel: Keine bzw. spürbar weniger Autos in der Stadt vergrößern den Bedarf nach alternativen Verkehrsangeboten und einem Ausbau des ÖPNV enorm. Wie soll der Stadtverkehr in Bremen im Jahr 2030 aussehen?

Dr. Bovenschulte: Sicher ist: Die Bremer City muss gut erreichbar bleiben, sonst kaufen die Kunden bei der Konkurrenz – das heißt, siehe oben, im Internet oder den Einkaufszentren. Wenn die Innenstadt autofrei werden soll, müssen wir also in den ÖPNV investieren. Konkret: mehr Fahrzeuge, schnellere Taktung, preiswertere Tickets. Zudem werden wir in den Radverkehr investieren und beispielsweise Rad-Premium- Routen bauen und mehr Augenmerk auf Fußgänger legen.

Behörden Spiegel: Der Individualverkehr ist in Deutschland sehr ausgeprägt – wie wollen Sie die Bürger überzeugen, das Auto stehen zu lassen oder, im besten Fall, sogar ganz abzuschaffen?

Dr. Bovenschulte: Indem wir Alternativen bieten: Attraktive Rad- und Fußwege, einen komfortablen, verlässlichen und preiswerten ÖPNV und ein wohnortnahes Carsharing-Angebot. In Bremen sind diese Alternativen schon hochattraktiv. Dennoch wollen wir sie noch besser machen.

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