Militärbischof Rink zu Besuch am Einsatzort Horn von Afrika

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Der Evangelische Militärbischof Sigurd Rink nach der Landung in Dschibuti (Foto: BS/Ev. Kirchenamt für die Bundeswehr)

Die Bundeswehr hat am Horn von Afrika nicht immer Grund zu feiern. Aber im November schmissen die Soldatinnen und Soldaten in Dschibuti ein großes Kontingentfest. Für eine Reihe der Soldaten ist zudem Halbzeit ihres viermonatigen Einsatzes. Unter freiem Himmel konnten die Soldaten das “Event” vor einem Hotel mit westlichen Standards genießen, denn hier sind die Temperaturen nur knapp unter 30 Grad. Die deutsche Botschafterin, der evangelische Militärbischof Sigurd Rink und Militärs aus den befreundeten Kontingenten wurden begrüßt. Wer es schaffte, hielt bis weit in die Nacht hinein durch. Doch die kleine Gruppe um den Militärbischof hatte einen langen Flug über Istanbul hinter sich, sie ging bald zu Bett.

Am nächsten Tag ging es in die Stadt. Zuerst zu einer katholischen Caritas. Bischof Msrg. Giorgio Bertin nimmt schon seit 2008 Kinder auf, die hier einen Teil des Tages verbringen. Das geschieht auch in einer Diakonia, die etwa 800 Kindern ein zeitweises Zuhause zu bieten sucht. Denn leicht haben sie es nicht in einem Land, in dem große Armut herrscht und für manche das Auto die einzige Bleibe über Nacht ist oder einfach die Straße. Genau weiß man das nicht, aber manche Heranwachsende haben wohl schon ein Leben als Kindersoldaten hinter sich. Die angrenzenden Länder Somalia, Eritrea und Äthiopien sind praktisch “Failed States” – ohne eine staatliche Ordnung. Früher haben Piraten das Meer unsicher gemacht, doch heute ist deren Bewegung sehr eingeschränkt. Die Not wird in Dschibuti noch gesteigert, weil große Fangschiffe den Einheimischen die Fische vor der Nase wegfangen. Die Bundeswehr war in den Vorjahren mit ein oder zwei Fregatten vor Ort, um den Seeweg sicher zu machen. Doch Militärbischof Rink und Militärdekan Christoph Sommer aus Rostock hatten einen besonderen Auftrag. Sie wollten mit Soldaten aller Dienstgradgruppen sprechen, wollten etwas von den Herausforderungen eines Bundeswehreinsatzes erfahren, der oft als “vergessener Einsatz” bezeichnet wird.

Im Flugzeughangar der Deutschen stellte Militärpfarrer Frank Leßmann-Pfeifer aus Nordholz ein großes Holzkreuz auf, ein Tisch wurde zum Altar. Anschließend wurde Gottesdienst gefeiert. Der Bischof sagte in seiner Predigt, nach dem er alle derzeit zwölf Einsätze im Ausland besucht habe, sehe er: Fast überall gehe es um Freiheit. “Freiheit ist die Richtschnur”, sagte er zum Schluss. Leßmann-Pfeifer setzt sich immer wieder für die Freiheit seiner Soldaten ein. Beim Besuch des amerikanischen Camps konnte man sehen, dass der Umgangston weitaus direktiver sein kann als in der Bundeswehr. Die anderen Nationen, die hier in der “Atalanta”-Mission beteiligt sind, die USA, die Franzosen, Spanier, die Deutschen und Italiener wollen das “Horn” nicht anderen überlassen. Es herrscht ein Machtkampf mit den Chinesen, die in den Ausbau ihres Hafens viel investiert haben. Sie bauen auch Straßen und wollen ihren Einfluss geltend machen.

Beim Besuch der Deutschen Botschaft wurde der Kampf mit der Armut von Botschafterin Anke Holstein bestätigt. Es gibt etwa 250 Ärzte im Land, das so groß wie Hessen ist. Mindestens 10.000 Cholerafälle belasten das Gesundheitssystem. War sie schon einmal fast ausgerottet, sieht man die Krankheit, die durch die Wasserknappheit begünstigt ist, wieder auf dem Vormarsch. Dennoch bleibt der Eindruck, dass die Anwesenheit der Soldaten auch wirtschaftlich einiges ermöglicht. Arbeit und Hilfsprojekte können in Jahren dafür sorgen, dass alles sich zum Besseren wendet.

Der Verfasser des Gastbeitrages ist Dr. Roger Töpelmann ist der Sprecher des Evangelischen Militärbischofs.

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