Verwendung der Blockchain für die Umsetzung des OZG

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Mithilfe von Blockchain-Technologie lassen sich die Geschwindigkeit der Bearbeitung von Verwaltungsleistungen erhöhen sowie deren Nachvollziehbarkeit und Sicherheit verbessern. (Grafik: BS/your123, https://stock.adobe.com/de/ )

Wagen wir einen Blick in die nahe Zukunft. Wenn Sie als Bürger beim Einwohnermeldeamt eine neue Adresse angeben, eine Ummeldung ihres Fahrzeuges bei der Kfz-Zulassungsstelle beantragen oder eine Berufsqualifikation bestätigt haben möchten, so können Sie dies bequem von zu Hause aus durchführen. Die Zeiten, in denen für Behördengeschäfte noch ein Urlaubstag genommen werden musste, gehören der Vergangenheit an.

Um diese Zukunft zu ermöglichen, müssen jedoch einige Hindernisse beseitigt werden. Deutschland ist geprägt von der föderalistischen Struktur des Landes. Das zeigt sich in der IT durch Mehrfacherhebungen, nicht harmonisierte Daten und Ineffizienzen. Um diese Unzulänglichkeiten zu verändern, ist eine Vernetzung und zugleich Modernisierung der Registerlandschaft unabdingbar.

Das OZG – ein erster Schritt

Das Onlinezugangsgesetz (OZG) ist ein erster Schritt hin zu der beschriebenen Zukunft. Hier lautet der Auftrag des Gesetzgebers an Bund, Länder und Kommunen, ihre Leistungen auch elek­tronisch über Verwaltungsportale bis 2022 verpflichtend anzubieten. Doch es gibt keine Vorgaben, wie einfach die Handhabung und mit welcher Geschwindigkeit diese Leistungen dem Bürger über Bürgerportale angeboten und ob unverhältnismäßig hohe Aufwendungen in den Behörden hierfür benötigt werden.

So erspart sich der Bürger mit der internetbasierten Fahrzeugzulassung, i-Kfz, den zum Teil mehrfachen Weg zur Zulassungsstelle. Dennoch bleibt auch diese Vorgehensweise aufwendig, da ein Vorhalten verschiedenster Dokumente, Papiere sowie Plaketten notwendig ist. Wäre es nicht viel einfacher, diese Daten nur einmal zu hinterlegen und bei jeder weiteren An-, Um- und Abmeldung den Datenbestand für die Zulassungsstelle mit einem funktionierenden Identitätsnachweis freischalten zu lassen?

Die Geschwindigkeit von der Beantragung bis zur Lieferung der Leistung erhöht sich, wenn Medienbrüche beseitigt, einheitliche, strukturierte Daten und Prozesse verwendet werden und zusätzlich die notwendige Sicherheit gewährleistet wird. Denn eine Prozesskette ist nur so stark wie das schwächste Glied. Die Blockchain-Technologie bietet die Möglichkeit einer einheitlichen, zusammenhängenden Sicherheitsarchitektur sowie lückenlose Nachvollziehbarkeit.

Blockchain im Asylprozess

Es gibt weltweit unterschiedliche Bestrebungen, Migrationswellen und den dabei entstehenden Asylprozess durch die Blockchain abzubilden. Dieser Anwendungsfall ist deshalb besonders prädestiniert, weil weni­ge Technologien, die unterschiedlichen Teilnehmer, vom Flüchtling bis zu den Behörden (meist mit sehr vielen beteiligten Dienststellen), sowie unterschiedliche Zustände darstellen und allen Beteiligten Sicherheit und Transparenz der Asylprozessschritte gewährleisten können. Dadurch, dass die Daten fest in die Blockchain eingetragen werden, wird die Abwicklung fair und die Geschwindigkeit in der Abwicklung forciert.

Schulzeugnisse digital über die Blockchain zu validieren, ist ein weiteres geplantes Projekt in der Verwaltung. Dabei ist es möglich, dass der Rechteinhaber das Leserecht auf die Zeugnisse freigibt.

Die Blockchain, oder auch kurz DLT (engl. Distributed-Ledger-Technology) genannt, ist ein elektronisches Register und bildet Rechte ab. Jede Veränderung des Zustandes erfolgt durch eine Transaktion. Jede Transaktion wird chronologisch sortiert und auf ihren Wahrheitsgehalt von allen Teilnehmenden durch einen Konsensus überprüft und erst bei erfolgreicher Verifizierung in einen Block übertragen. Die Blöcke sind kryptografisch miteinander zu einer Kette (engl. Chain) verknüpft. Die Daten werden unumkehrbar und unveränderlich mit Zeitstempel eingetragen und sind dadurch nicht nur protokolliert, sondern zugleich notarisiert. Im Gegensatz zu einer Datenbank gibt es für die Zugriffe keine zentralen Dateien und damit keinen einzelnen Punkt der Verwundbarkeit. Dies macht die DLT im Gegensatz zu einer Datenbank widerstandsfähig.

Ein “Trilemma” lösen

Die Entwickler einer Blockchain werden vor die Aufgabe gestellt, das “Trilemma” zwischen Dezentralität, Geschwindigkeit und Sicherheit zu lösen. Mehr von einem sorgt für weniger bei dem oder den anderen Werten. Für die Entwicklung gibt es verschiedene öffentliche und private DLT-Systeme, so zum Beispiel Hyperledger Fabric. Diese private DLT hat eine besonders hohe Geschwindigkeit und einen geringen Stromverbrauch. Dieser ist vergleichbar mit anderen nachrichtenbasierten Anwendungen.

Kernkomponente mit Zugangsnotarisierung entwickelt

Die SVA System Vertrieb Alexander GmbH hat ihre Kompetenzen im Bereich Blockchain ausgebaut und dabei eine Kernkomponente mit einer Zugangsnotarisierung entwickelt. Dadurch können entsprechende Erweiterungen für verschiedene Anwendungsszenarien im behördlichen Umfeld umgesetzt werden. Der Einsatz der Blockchain hat insbesondere dort ein großes Potenzial, wo die Register besonders fehleranfällig sind oder neu eingerichtet werden müssen. So zum Beispiel beim Transplantationsregister.

Der Zugriff auf die Daten erfolgt immer über die Blockchain (On-chain). Von dort wird auf die offchain liegenden Daten bei den jeweiligen Behörden und Ämtern zugegriffen, sofern diese von der Besitz-führenden Behörde freigegeben werden. Dieser Vorgang wird in Code verfassten Verträgen (Smart Contract) festgehalten und automatisch ausgeführt. So kann bestimmt werden, dass Behörde A auf Daten von B zugreifen darf, während Behörde C eine extra Freigabe von A benötigt. Verweise in der Blockchain auf die Off-chain-Daten sind derart gestaltet, dass diese DSGVO-konform sind.

Unbeschränkte ­Rückverfolgbarkeit

In der Blockchain zeigt sich, wer was, wann, wie erhalten hat – mit einer zeitlich unbeschränkten Rückverfolgbarkeit. Die automatische Datenredundanz und damit einhergehende Verteilung der Daten auf andere Knoten ermöglicht einen konsistenten Datenbestand. Somit verringert sich nicht nur die Bearbeitungszeit, sondern auch die Zeit dazwischen, sodass die Zeit für einen Vorgang sich insgesamt verkürzt. So umgesetzt, würde das OZG somit dem Wunsch des Bürgers hinsichtlich Geschwindigkeit, Nachvollziehbarkeit und Sicherheit in der Bearbeitung von Verwaltungsleistungen nachkommen.

Das OZG wird durch die Verwendung digitaler Identitäten erst konsequent umgesetzt. Für den Identitätsnachweis und die zen­trale Anmeldung kann die Onlinefunktion des Personalausweises genutzt werden. In der Zukunft könnte eine weitere Möglichkeit, die selbstbestimmte Identitätsverwaltung, die ebenfalls auf Blockchain basiert, verwendet werden. Hier würde der Bürger selbst die Freigabe spezifischer persönlicher Daten autorisieren.

Die Geschäftsstelle Öffentlicher Dienst der SVA setzt dabei explizit auf die Zukunft der Blockchain-Technologie. Es wurde ein standardisierter Prozess definiert, um Verwaltungsprozesse mithilfe der Blockchain zu optimieren. Die Kosteneinsparungen nehmen durch den Einsatz dieser Technologie und die dadurch hervorgerufenen Effizienzsteigerungen in den Prozessen erheblich zu und der Bürger bekommt die Leistung so, wie er sie in Zukunft von der Verwaltung erwartet.

Der Verfasser des Gastbeitrages, Michael Sasdi, ist Senior Consultant bei der SVA System Vertrieb Alexander GmbH mit Sitz in Hamburg.

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